Terror in Tunesien
Schweizer Delegation reist an das Weltsozialforum nach Tunis

60 Schweizer – darunter fünf National- und Ständeräte – besuchen das Weltsozialforum in Tunesien. Sie wollen sich von der Terrorangst nicht von ihrer Teilnahme am Weltsozialforum abhalten lassen.

Dennis Bühler
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Überwachung in Tunis

Überwachung in Tunis

Keystone

Ein erstes Zeichen der Solidarität setzten die Vertreter der kleinen und grossen Kammer gestern: Auf Initiative des Genfer Grünen-Nationalrats Ueli Leuenberger nahmen 13 Parlamentarier an einem Empfang in der tunesischen Botschaft in Bern teil, aus jeder Bundeshausfraktion war mindestens ein Vertreter anwesend.

Eigentlicher Anlass war der heutige Nationalfeiertag der Tunesier, die sich über 59 Jahre Unabhängigkeit von Frankreich freuen. Nach dem Terroranschlag sei es aber vorab darum gegangen, Mitgefühl und Solidarität auszudrücken, sagt Leuenberger.

Drei National- und zwei Ständeräte gehen noch einen Schritt weiter: Ueli Leuenberger, Susanne Leutenegger Oberholzer (SP/BL), Christian van Singer und Luc Recordon (beide Grüne/VD) und Claude Hêche (SP/JU) reisen in den nächsten Tagen nach Tunis, wo sie am zwölften Weltsozialforum teilnehmen.

Dort treffen sich Globalisierungskritiker, die «sich dem Neoliberalismus und der Herrschaft der Welt durch das Kapital und jeder möglichen Form des Imperialismus widersetzen», wie es in der Charta des Weltsozialforums heisst.

Zum zweiten Mal nach 2013 findet der Anlass, der sich als Gegenveranstaltung zu den Gipfeln der Welthandelsorganisation und dem World Economic Forum in Davos versteht, in Tunis statt.

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Keystone

«Wir reisen auch nach Frankreich»

Sie habe sich überlegt gehabt, wegen starker zeitlicher Belastung auf die Reise ans Weltsozialforum zu verzichten, sagt Leutenegger Oberholzer. «Doch nun kommt das nicht mehr infrage. Es ist mir wichtig, jetzt ein Zeichen der Solidarität zu setzen.»

Den Terroranschlag wertet die SP-Nationalrätin in erster Linie als herben Schlag für die Wirtschaft und den Tourismus Tunesiens. Die Errungenschaften des Arabischen Frühlings sehe sie nicht in Gefahr.

Das Weltsozialforum biete ihm die Gelegenheit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, sagt Grünen-Nationalrat Leuenberger. «Wir wollen aber auch den demokratischen Weg unterstützen, den dieses Land eingeschlagen hat.»

Keine Sekunde habe er sich überlegt, seine Teilnahme wegen des Terroranschlags abzusagen. «Jetzt erst recht», laute die Devise. Und sowieso: «Wir Schweizer haben ja nach der Attacke auf das Satiremagazin ‹Charlie Hebdo› in Paris auch nicht damit aufgehört, nach Frankreich zu reisen.»

Kaum Sicherheitsbedenken hat auch Ständeratspräsident Claude Hêche. Er habe keine Angst, ihm könne in Tunesien etwas zustossen, so der Jurassier. Falls es nötig sei, werde das Organisationskomitee oder die Leitung der Schweizer Delegation gewiss die richtigen Programmanpassungen vornehmen.

Gefordert wäre in diesem Fall Alliance Sud, die Arbeitsgemeinschaft der sechs grossen Schweizer Hilfswerke (Swissaid, Fastenopfer, Brot für alle, Helvetas, Caritas und Heks).

Nicht weniger als 35 der 60 Schweizer Teilnehmer hätten noch am Mittwochabend spontan reagiert und per E-Mail kundgetan, sie wollten auf keinen Fall auf die Reise verzichten, sagt Daniel Hitzig, Sprecher der Alliance Sud. Bis gestern habe ihn bloss eine einzige Absage wegen Sicherheitsbedenken erreicht. Schon heute reist ein erster grosser Teil der Schweizer Delegation nach Tunis, die Parlamentarier folgen in den nächsten Tagen. Das Weltsozialforum beginnt am kommenden Donnerstag.