Interview
Schweizer Bischöfe: «Abtreibung ist keine Option»

Die katholische Kirche setzt sich für den Schutz des Lebens ein. Sie will deshalb in der Schweiz die Wende in der Abtreibungsfrage herbeiführen. Die «Initiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache» greift gemäss den Bischöfen zu kurz.

Marc Fischer
Drucken
Teilen
«Das Leben muss von der Befruchtung bis zum Lebensende geschützt werden», sagt Walter Müller, Informationsbeauftragter der Bischofskonferenz

«Das Leben muss von der Befruchtung bis zum Lebensende geschützt werden», sagt Walter Müller, Informationsbeauftragter der Bischofskonferenz

Was verstehen sie unter der Wendung in der Abtreibungsfrage?

Walter Müller*: Es geht um eine allgemeine Wende, die die Meinungen und Einstellungen der Menschen zur Frage der Abtreibung betrifft. In breiten Schichten der Bevölkerung wird die Abtreibung heute als eine schon fast alltägliche Massnahme begriffen. Da möchten wir einen Wandel herbeiführen. Die Abtreibung soll keine Option mehr sein.

Sie wollen die Abreibung also verbieten?

Das würde auf rechtliche Bestimmungen abzielen. Diese Fragestellung wurde an der Bischofskonferenz der vergangenen Tage nicht diskutiert. Uns geht es in erster Linie um einen Gesinnungswandel, nicht um einen Rechtswandel.

Das Schweizer Volk hat sich 2002 für eine straffreie Abtreibung entschieden. Akzeptieren sie den Entscheid?

Wir müssen diesen Entscheid akzeptieren. Es war ein gültiger Volksentscheid. Das Ziel der Bischöfe ist aber trotzdem einen Wechsel herbeizuführen.

Wie wollen Sie das erreichen?

Wir wollen den betroffenen schwangeren Frauen Hilfeleistung anbieten. Dazu müssen wir bei der Förderung der Sozialwerke wie Caritas oder der Mütterhilfe des katholischen Frauenbundes aktiver werden, indem wir sie besser unterstützen. Wir wollen auch das christliche Menschenbild in der Bevölkerung besser verankern, indem wir den Dialog mit der Gesellschaft verstärken, sei es über die Pfarrblätter, den Religionsunterricht oder über die Medienarbeit.

Bis die Gesellschaft freiwillig auf Abtreibung verzichtet?

Wir treten dafür ein, das Leben zu schützen. Nochmals: Die Abtreibung ist nach dem katholischen Glauben keine Option. Wir beziehen uns dabei auf die sogenannten natürlichen Rechte des Menschen. Das ist ein Konzept der alten Griechen. Es besagt: Jedem Menschen kommen bestimmte Rechte von Natur aus zu. Dazu gehört das Recht auf Unverletzlichkeit des Lebens der Menschen. Und zwar egal, ob er schwach oder stark, erwachsen oder ungeboren ist.

Das Recht der Abtreibung kein Naturrecht?

Es gibt kein Recht auf Abtreibung. Das Leben muss von der Empfängnis bis zum Lebensende geschützt werden.

Werden sie allenfalls eine Initiative lancieren?

Das ist nicht geplant. Wir haben auch zur Initiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache» keine Stimmempfehlung. Die Bischöfe sagen weder ja noch nein dazu. Die Initiative fokussiert auf die Frage der Finanzierung der Abtreibung und das greift für uns zu kurz.

Werden Sie eine eigene Initiative lancieren?

Es gibt katholische Kreise, die solche Fragen studieren. Im Moment ist mir aber keine Initiative bekannt. Bischöfe ergreifen normalerweise auch keine politischen Instrumente. Sie sind zuerst Seelsorger.

* Walter Müller ist Informationsbeauftragter der Schweizer Bischofskonferenz

Aktuelle Nachrichten