Landwirtschaft
Schweizer Bauern bleiben auf ihren Birnen sitzen

Nach dem Butter- kommt der Birnenberg: Dieses Jahr werden in der Schweiz kaum Mostbirnen benötigt – Obstbauern stehen jetzt vor der Wahl, die Ernte ausfallen zu lassen oder sich auf ein unrentables Exportgeschäft einzulassen

Rinaldo Tibolla
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Die Birnen landen nun also doch noch im Korb – so wie im Kinderbuch «Joggeli söll ga Birli schüttle!» HO

Die Birnen landen nun also doch noch im Korb – so wie im Kinderbuch «Joggeli söll ga Birli schüttle!» HO

Die Lager mit Birnensaftkonzentrat sind randvoll. Die Rekordernte von Mostbirnen im Jahr 2009 und die sehr gute Ernte 2011 haben dafür gesorgt, dass Ende letzten Jahres noch 28 000 Tonnen an Konzentrat gelagert waren. Wie der Landwirtschaftliche Informationsdienst berichtete, werden laut Berechnungen des Schweizer Obstverbandes (SOV) lediglich 5000 Tonnen Mostbirnen benötigt für Saft ab Presse. Das entspreche einem Drittel der Menge, die in den letzten Jahren durchschnittlich geerntet worden sei.

Viele Mostbirnen dürften daher in diesem Jahr liegen bleiben. «Von unserer Seite gibt es keine Empfehlung, was mit den Birnen geschehen soll», sagt SOV-Direktor Georg Bregy. Hier seien die Bauern frei. Insgesamt ist es aber für die Produzenten eine unrentable Sache. «Für ein paar Rappen pro Kilo lohnt es sich nicht, zu ernten», so Bregy. Da werde der eine oder andere Bauer noch Geld «drauflegen».

Mehr Abzug für den Export

Dafür ist ein sogenanntes Rückbehaltsystem verantwortlich, das bei einer Überproduktion zum Tragen kommt. Die Produzenten müssen auf der abgelieferten Menge Mostbirnen einen Abzug in Kauf nehmen. Damit wird ein Fonds finanziert, der dazu dient, dass Birnenkonzentrat exportiert werden kann. Statt zehn Rappen könnte dieser Rückbehalt bis zu
18 Rappen pro Kilo betragen, wie Bruno Pezzatti, SOV-Vorstandsmitglied und Zuger FDP-Nationalrat, erklärt. Bei einem Mostbirnenpreis von 23 Rappen pro Kilo sei dies eine schwierige Situation.

Seit 2009 wird das Birnenkonzentrat nicht mehr mit Unterstützung des Bundes exportiert. Der Bundesrat hatte damals die Exportsubventionen abgeschafft, weil sie nicht mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO konform sind.

Aus diesem Grund stellte der Obstverband einen Nachtragskredit von 2,3 Millionen Franken an den Bund, um diesen Export durchführen zu können und somit die Ernte 2013 zu gewährleisten. Laut Pezzatti hat sich das Bundesamt für Landwirtschaft und damit auch der Bundesrat dagegen ausgesprochen. Noch diesen Monat werde die nationalrätliche Kommission für Wirtschaft und Arbeit darüber beraten.

Sorge um Hochstammlandschaft

Dass der Bund die Obstbauern mit den Birnen alleine lässt, ist für sie unverständlich. Mostbirnen kommen von hochstämmigen Birnenbäumen. Der Bund fördert Hochstammbäume mit Prämien von 15 Franken pro Jahr und Baum – zum Erhalt der schönen Landschaft und der Biodiversität. «Wenn er schon den Baum fördert, steht der Bund doch auch in der Verantwortung, was mit dem Obst passiert», findet Bregy. Auch dem Verband seien Landschaft und Biodiversität wichtig. Es sei aber zu befürchten, dass diese nicht mehr erhalten werden könnten, wenn die Bauern sich nicht mehr um die Bäume kümmerten. «Der Erhalt der Landschaft hängt mit dem Absatz der Produkte zusammen», so Bregy.

Der Schweizer Obstverband versucht nun, neue Absatzkanäle für Mostbirnen anzupeilen. Das sei jedoch schwierig und brauche Zeit. Der Nachtragskredit sei die letzte Lösung auf politischem Weg. «Wir werden aber in anderen Bereichen nichts unversucht lassen», betont Bregy.