Armee
Schweizer Armee testet Raketen in der Türkei

Auf einem Schiessplatz der türkischen Armee testet die Schweiz ihre Stinger-Raketen. Die Sicherheitskommission des Parlaments wurde nicht über die Übung informiert und stuft diese als politisch heikel ein.

Beat Kraushaar
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Auf solche Drohnen wurde der scharfe Schuss mit den Stinger-Lenkwaffen geübt. Luftwaffe/Markus Emmenegger

Auf solche Drohnen wurde der scharfe Schuss mit den Stinger-Lenkwaffen geübt. Luftwaffe/Markus Emmenegger

Auf dem Militärschiessplatz im türkischen Sile haben Armeeangehörige einen Schutzwall errichtet – markiert mit einer Schweizer Fahne. Ein Unteroffizier vom Lehrverband Fliegerabwehr 33 der Luftwaffe wartet mit seiner Stinger-Rakete auf den Befehl zum Abschuss einer Drohne. Als diese von der Lenkwaffe erkannt wird, zischt die Rakete los. Über dem Schwarzen Meer ein Feuerball, die Drohne stürzt ins Meer. Volltreffer.

Die Raketentests in der Türkei wurden im Juni 2012 durchgeführt. Just in jenem hat die syrische Armee einen türkischen Kampfjet abgeschossen. Man musste damals befürchten, dass sich der syrische Bürgerkrieg auf das Nato-Land Türkei ausweitet.

«Vorgehen ist wenig sensibel»

«Über die Raketen-Tests sind wir nicht informiert worden», sagt Chantal Galladé, Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK) und SP-Nationalrätin. Sie hält das Vorgehen der Armee für heikel und politisch wenig sensibel. Auch SiK-Mitglied und SVP-Nationalrat Hans Fehr hat noch nie von den Schiessübungen in der Türkei gehört. «Wenn es hier Verträge gibt, sollte man diese auslaufen lassen und die Tests in einem neutralen Land wie Schweden durchführen. Wenn wir dort den Kampfjet kaufen, kann man das gleich kombinieren», sagt Fehr.

Als weniger problematisch stuft die Raketentests der SiK-Vizepräsident und SVP-Nationalrat Thomas Hurter ein. Er führt vor allem Spargründe ins Feld. «Hier geht es auch ums Geld. Wenn man der Armee immer weniger Mittel zur Verfügung stellt, muss diese schauen, wo solche Tests am günstigsten durchführbar sind», sagt Hurter.

Armasuisse, die im Verteidigungsdepartement VBS für die Übung verantwortlich zeichnet, bestätigt die Spargründe: «Wir haben bereits früh Offerten für die Benützung eines Lenkwaffen-Schiessplatzes eingeholt. Die Analyse fiel klar zugunsten der Offerte mit dem türkischen Schiessplatz Sile aus», sagt Armasuisse Sprecher François Furer. Neben der Türkei wurden auch Offerten aus Spanien und den USA eingeholt.

In der Schweiz keine Infrastruktur

Furer verteidigt die Schiessübung: «Armasuisse hat den Auftrag, alle vier Jahre ein technisches Stinger-Munitionsüberwachungsschiessen und die damit verbundenen Tests durchzuführen». Da es in der Schweiz dafür keine geeignete Infrastruktur gibt, habe man nach einer anderen Lösung gesucht und mit dem Versuchsgelände bei Sile in der Türkei gefunden, heisst es beim VBS. Rund eine Million kosteten die Raketentests. Dazu gehört auch der Transport der Stinger-Lenkwaffen, die auf dem Militärflugplatz Emmen von einem türkischen Transportflugzeug abgeholt wurden.

Als «Der Sonntag» seine Anfrage beim Verteidigungsdepartement deponierte, schien man sich der politischen Brisanz der Raketentests bewusst zu werden. Furer: «Der Versuchs-Schiessplatz bei Sile ist abgesperrt und liegt am Schwarzen Meer, weit weg von der Grenze zu Syrien». Dazu sei dies bereits das dritte Mal, dass man in der Türkei Raketentests durchführt. Verantwortlich dafür sei Armasuisse und nicht die Armee.

Der grüne Zuger Ex-Nationalrat und Armeekritiker Jo Lang hält diese Begründungen eine Haarspalterei. «Armasuisse und Armee ist Hans was Heiri.» Und dass es nicht die ersten Raketen-Tests sind und die Öffentlichkeit erst jetzt davon erfährt, mache die Sache auch nicht besser.

Lang: «Man kann es drehen wie man will, Schweizer Raketentests in einem Land, das die Kurden verfolgt, nicht genehme Journalisten und Oppositionelle in Gefängnisse wirft und den Genozid an den Armeniern leugnet, gehören politisch verurteilt».

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