Atomkraftwerke

Schweizer AKW-Betreiber kämpfen mit ihrer Glaubwürdigkeit

Viele Japaner glauben den Informationen des AKW-Betreibers Tepco nicht mehr. Auch in der Schweiz haben die Betreiber vermehrt mit der Glaubwürdigkeit zu kämpfen – nicht zuletzt, weil sie unangenehme Fakten jahrelang abstritten.

Gestern platzte dem japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan der Kragen: «Das Fernsehen berichtet von einer Explosion. Aber dem Büro des Ministers wird eine Stunde lang überhaupt nichts gesagt», sagte er erzürnt.

Nicht zum ersten Mal wird Tepco, der grösste AKW-Betreiber Asiens, aufgrund seiner Informationspolitik kritisiert (siehe Geschichte links). Selbst als Fukushima I explodierte, veröffentlichte Tepco daraufhin diverse Pressemitteilungen, in denen nichts von radioaktiven Gefahren stand.

Systematisch dreckigen Brennstoff gekauft...

Auch in der Schweiz kämpfen die Atomkonzerne nicht nur ums Image ihres riskanten Geschäfts sondern auch mit der Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung: So deckte vor zwei Jahren Greenpeace auf, dass Brennstäbe für Schweizer Atomkraftwerke im russischen Majak aufbereitet werden. Majak ist neben Tschernobyl das verstrahlteste Gebiet der Welt – eine Uranwiederaufbereitungsanlage im Süden Russlands.

Und dort wird alles andere als sauber gearbeitet. Die Gegend um Majak ist stark radioaktiv verseucht. Recherchen von Journalisten vor Ort haben gezeigt, dass radioaktives Abwasser in den nahen Fluss geleitet und der Atommüll unter freiem Himmel gelagert wird.

Dennoch leben heute 80'000 Menschen in dieser Region - sie haben meist keine andere Alternative. Die Bevölkerung leidet überdurchschnittlich oft an Krebs, viele Neugeborene weisen Behinderungen auf.

... und dann lange alles abgestritten

Trotz diesen Tatsachen beziehen oder bezogen die Schweizer AKW-Betreiber Axpo (Beznau), Alpiq (Gösgen) und BKW (Mühleberg) teilweise Uran aus dieser Anlage in Majak. Das berichtet das Magazin der «Schweizerischen Energie-Stiftung» in seiner aktuellen Ausgabe.

Zwei Jahre lang bestritten die Schweizer Betreiber, dass sie Brennstäbe aus dieser Region beziehen würden.

Denn das wäre schlecht mit dem Credo der «sauberen Energie» vereinbar gewesen. Erst in der SF-Sendung «Rundschau» vom 8. September 2010 gab Axpo dann erstmals öffentlich zu, dass die AKW Beznau und Gösgen Uranbrennmaterial aus dem schmutzigen Majak nutzten.

Axpo-Chef Manfred Thumann wehrte sich damit, dass es sich bei der radioaktiven Verstrahlung in Majak «nur» um eine «Altlast» aus älteren Unfällen handle und sie nichts mit der aktuellen Produktion zu tun habe.

AKW Mühleberg: Transparenz unerwünscht

Ein weiterer Fall, der an der Glaubwürdigkeit der Schweizer Atomkonzerne kratzt, stammt von diesem Januar.

Damals machte die atomkritische Gruppierung «Fokus Anti Atom» einen internen Mailverkehr der BKW – Betreiber des AKW Mühleberg – und der Resun AG publik (siehe dazu die Recherche des «Langenthaler Tagblatts» - gehört wie die «Aargauer Zeitung» zu AZ Medien).

Im Mail wurde offensichtlich, dass auf Druck der BKW aus einem Foliensatz für eine Behördeninformation eine Grafik herausgestrichen wurde. Der Grund: Man wolle «keine schlafenden Hunde wecken», hiess es im Mail. Daher dürften die Resultate der neusten Berechnungen eines Dammbruchs des oberhalb des AKW Mühleberg gelegenen Wohlensees nicht «allzu transparent» gemacht werden.

«Dieses Mail ist für uns ein Hinweis, dass uns grössere Mängel vorenthalten werden», sagt Jürg Joss von der atomkritischen Gruppierung.

Greenpeace und «Fokus Anti Atom» fordern daher längst die vollste Transparenz in Sachen Atomkraft.

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