"Ich bin schockiert, traurig und wütend", sagte Sommaruga am Samstag vor den Medien in Bern. Die Attacken hätten "Paris, Europa und die ganze Welt erschüttert". Die Angriffe richteten sich gegen die Grundwerte der Gesellschaft. Die Schweiz sei in Gedanken bei Frankreich.

Dem französischen Präsidenten François Hollande sprach Sommaruga offiziell ihr Beileid aus. Aussenminister Didier Burkhalter übermittelte eine Beileidsbekundung an seinen Amtskollegen Laurent Fabius.

«Abscheulich» und «menschenverachtend»: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga über die Terroranschläge in Paris.

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga über den Terror in Paris

Mehr Grenzkontrollen

Die Schweizer Sicherheitsbehörden kamen am Samstagvormittag zusammen. Am Tisch sassen demnach Vertreter des Bundesamts für Polizei (fedpol), des Nachrichtendiensts des Bundes (NDB), des Grenzwachtkorps (GWK), der kantonalen Polizeikommandanten sowie des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

Fedpol-Direktorin Nicoletta della Valle sagte, die Zusammenarbeit mit den französischen Behörden sei eng. "Wir sind auch in Paris vor Ort".

Die Schweizer Sicherheitsbehörden seien wachsam und würden die Situation laufend neu beurteilen. Konkret seien die Grenzkontrollen an den Übergängen zu Frankreich punktuell verstärkt worden. Systematische Kontrollen seien derzeit nicht nötig.

Die Ein- und Ausreise nach Frankreich war möglich. Aufgrund der stärkeren Kontrolle auf französischer Seite mussten sich Reisende etwa am Grenzübergang Bardonnex teilweise in Geduld üben.

An den Grenzübergängen in Basel gab es keine grossen Wartezeiten - ausser dem für Samstag üblichen Stau durch den Einkaufstourismus nach Deutschland, wie Patrick Gantenbein, Sprecher der Grenzwacht Basel, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. An der französischen Grenze habe es vergleichsweise eher weniger Verkehr gehabt.

Verstärkung an Bahnhöfen und Flughäfen

Auch die Polizei erhöhte ihre Präsenz. Als Verstärkung der Transportpolizei waren Polizisten vor allem im grösseren Bahnhöfen oder in Fernverkehrszügen im Einsatz, wie Stefan Blättler, Präsident der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten, sagte. "Es geht darum zu zeigen, wir sind da, die Polizei sorgt für Sicherheit."

Die Kantonspolizei Zürich beorderte etwa zusätzliche Kräfte an den Zürcher Hauptbahnhof oder an den Flughafen. Bahn- und Luftverkehr zwischen der Schweiz und Frankreich liefen aber normal.

Auch der Schutz der diplomatischen Vertretungen Frankreichs in Bern, Genf und Zürich wurde laut Blättler in Zusammenarbeit mit dem Bundessicherheitsdienst verstärkt.

Bedrohungslage seit Monaten erhöht

Der NDB weise seit Monaten auf eine erhöhte Bedrohungslage hin, sagte Sommaruga. Diese Einschätzung gelte weiterhin. Die Kerngruppe Sicherheit des Bundes und die zuständigen Organe wollten sich am Nachmittag für eine vertiefte Analyse der Situation treffen.

Die Anschläge kämen nicht ganz unerwartet, sagte Verteidigungsminister Ueli Maurer im Radio SRF. "Wir warnen seit Monaten davor." Es sei weiter mit Anschlägen zu rechnen, denn solche Taten könnten Nachahmer finden.

Die Schweiz stehe zwar nicht im Fokus der Terroristen, sagte Sicherheitsexperte Kurt R. Spillmann zur sda. Allerdings relativierte er: "Auch die Schweiz ist verwundbar."

Helpline für Angehörige

Bisher gibt es keine Anhaltspunkte, dass Schweizerinnen und Schweizer unter den Todesopfern in Paris sein könnten. Das EDA tätige in der Frage weitere Abklärungen, liess der Bundesrat verlauten. Personen, die Angehörige in Paris vermissen, könnten sich unter 0800 24-7-365 an die EDA-Helpline wenden.

Das EDA weist in seinen Reisehinweisen darauf hin, dass in Frankreich nach den Attentaten der Notstand ausgerufen wurde. Reisende sollen sich über die Medien auf dem Laufenden halten.

Tweet EDA

Ob der Ereignisse in Paris "entsetzt" zeigte sich der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Peter Maurer, in einer Nachricht auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Die Zivilbevölkerung anzugreifen, sei auch im Krieg niemals gestattet.

Tweet Peter Maurer

Bischof Markus Büchel zeigte sich in einer Reaktion namens der Schweizer Bischofskonferenz "erschüttert über das Blutbad". Er rief "alle Menschen, gleich welchen Glaubens und welcher Religion, dazu auf, für den Frieden einzustehen". Für den Samstagabend wurde in mehreren Schweizer Städten zu Solidaritätskundgebungen aufgerufen.