Der Wirbel um die vermeintliche Rassismus-Affäre rund um Oprah Winfreys Shopping-Tour in Zürich erhielt am Wochenende neuen Schub: Politiker fordern von Schweiz Tourismus eine Erklärung für den Entschuldigungstweet von letzter Woche.

Die Tourismusorganisation sah das Image der Schweiz in Gefahr und sich letzte Woche veranlasst, bei Oprah Winfrey eine Entschuldigung zu deponieren - per Twitter. «Wir schäumen vor Wut, diese Person hat sich völlig falsch verhalten», so lautete die Nachricht des vom Bund subventionierten Unternehmens an die amerikanische Talkmasterin. Der Text wurde verschickt, ohne dass der genaue Ablauf der Angelegenheit in der Zürcher Boutique bekannt gewesen wäre. «Eine Mitarbeiterin hat den Tweet versandt», sagt Daniela Bär, Pressesprecherin von Schweiz Tourismus auf Anfrage der «Nordwestschweiz». Mit der Unternehmensleitung sei dies nicht abgesprochen gewesen, so Bär. Und: «Der Tweet war emotional, spontan und verfrüht. Das bedauern wir.»

Schweiz Tourismus würde den Tweet heute nicht mehr in dieser Form artikulieren. «Aber wir würden sicherlich gegenüber Frau Winfrey unser Bedauern zum Ausdruck bringen, dass sie unser Land unzufrieden verlässt», meint Bär. Immerhin habe Winfrey auf den Tweet geantwortet, dass ihr der Aufenthalt in Zürich, abgesehen von dem nebulösen Zwischenfall, durchaus sehr gut gefallen habe.

Nicht die erste öffentliche Einmischung

Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens mit Hauptsitz in Zürich lägen eigentlich bei der Pflege des Schweizer Images im Ausland mittels Marketing-Kampagnen. Bär versichert denn auch, dass sich Schweiz Tourismus «grundsätzlich nicht zu aussenpolitischen Themen» äussere. «Unsere Aufgabe ist es, bei einem Maximum von Gästen ein Reisebegehren für die Schweiz aufzubauen», erklärt die Sprecherin.

Dass sich Schweiz Tourismus in politische Diskussionen einmischt, ist entgegen dieser Beteuerung nichts Neues. Als sich SVP-Nationalrätin Natalie Rickli vor einem Jahr darüber ausliess, es habe zu viele Deutsche in der Schweiz, war Schweiz Tourismus ebenfalls zur Stelle. Jürg Schmid, damaliger wie jetziger Direktor des Unternehmens, machte im April 2012 in den Medien besorgt darauf aufmerksam, dass Deutsche ihre Ferien in der Schweiz als Reaktion auf Ricklis Aussagen annullieren würden.