Toni Locher ist Honorarkonsul Eritreas in der Schweiz. Er fordert den Bund auf, grosszügig zu sein: Jeder Eritreer, der freiwillig in seine Heimat zurückkehre, soll 15'000 Franken in Form von Krediten erhalten. Der Wettinger Frauenarzt ist sich sicher, bei einer Rückkehr werde niemand verfolgt. "Aber ohne Rückkehrhilfe und neue Jobs in der Heimat wird kaum einer freiwillig zurückkehren" sagt er zu "20 Minuten".

FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen findet die Kredit-Option prüfenswert, aber nicht in der Höhe von 15'000 Franken. Er verweist auf Israel: Das Land bezahle Rückkehrern einen vierstelligen Betrag in US-Dollar, laut "20 Minuten" rund 3400 Franken. "Dieses Modell könnte funktionieren", sagt Wasserfallen.

1000 Franken für Rückkehr

Gemäss Martin Reichlin, Sprecher des Staatssekretariats für Migration (SEM), unterstützt der Bund gewöhnlich freiwillige Rückkehrer. Wer mindestens drei Monate in der Schweiz war, erhält eine Rückkehrhilfe von 1000 Franken. Ausserdem hilft der Bund bei der Organisation der Reise.

3200 vorläufig aufgenommene Eritreer haben eben erst einen Brief von den Behörden erhalten, wie die SRF-"Rundschau" berichtete. Darin heisst es, das SEM beabsichtige, "ihre vorläufige Aufnahme aufzuheben und den Vollzug der Wegweisung anzuordnen".

Kein Recht auf Sozialhilfe

Weil die Schweiz kein Rückübernahmeabkommen mit Eritrea hat, kann sie aber niemanden zum Gehen zwingen. Bleiben die Betroffenen hier, landen sie in der Illegalität. Mit dem Verlust ihrer vorläufigen Aufnahme verlieren sie ihr Recht auf Sozialhilfe und dürfen nicht arbeiten. 

Locher findet das nicht in Ordnung: "Das ist nicht fair und eine Folge der verfehlten Eritrea-Politik unter Simonetta Sommaruga." Er ist der Ansicht, 99 Prozent der Eritreer in der Schweiz seien Wirtschaftsflüchtlinge, die kein Bleiberecht verdienten. Locher fordert: "Hier muss man ansetzen, statt Leute, die man bereits angelockt hat, zu bestrafen."

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(mwa)