Krieg

Schweiz muss laut Caritas mehr für Syrien tun

Bildung symbolisiert für viele Syrerinnen und Syrer die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. (Quelle: Caritas)

Bildung symbolisiert für viele Syrerinnen und Syrer die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. (Quelle: Caritas)

Seit sieben Jahren herrscht Krieg in Syrien und Präsident Baschar al-Assad hat seine Macht gefestigt. Für Caritas Schweiz ist deshalb klar, dass die Schweiz einen grösseren Beitrag leisten soll, um die Not in dem gebeutelten Land zu lindern.

In naher Zukunft sei eine Heimkehr der syrischen Flüchtlinge unwahrscheinlich, heisst es in einer Mitteilung der Hilfsorganisation vom Donnerstag. Über 13 Millionen Menschen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen, über elf Millionen Menschen fehle der Zugang zu gesundheitlicher Basisversorgung und über zehn Millionen Menschen seien von Hunger bedroht. Vier Millionen Menschen haben laut Caritas keine ausreichende Unterkunft.

Dennoch werden diese Zahlen dem Leiden vor Ort nicht gerecht, wie es im Schreiben weiter heisst. Selbst dort, wo keine Kampfhandlungen mehr stattfinden, fehle es an der Grundversorgung mit Strom und Wasser.

Schweiz soll Stellung beziehen

Wegen dieser katastrophalen Lage fordert Caritas Schweiz, dass die Schweiz ihr Engagement erhöhen soll. Martin Flügel, Leiter Politik und Public Affairs bei Caritas Schweiz, fordert laut Mitteilung, dass die Eidgenossenschaft nicht tatenlos zusieht, sondern offiziell Stellung nimmt, was zum Beispiel Versäumnisse der USA gegenüber den Uno-Organisationen betrifft.

Zudem müsse sich die Schweiz an der zweiten Syrien-Konferenz in Brüssel vom 24./25. April aktiv und engagiert zugunsten grosszügiger Unterstützung der Menschen in Syrien und den Nachbarländern einbringen.

Caritas Schweiz fordert auch, dass die jährliche humanitäre Hilfe mittels eines Zusatzkredites von 50 auf 100 Millionen Franken aufgestockt wird. Die zusätzlichen Mittel seien hauptsächlich für die Einschulung der schulpflichtigen Kinder und für Ausbildungsprogramme zugunsten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen einzusetzen.

Caritas Schweiz hat bisher humanitäre Projekte in Syrien und den Nachbarländern Libanon und Jordanien im Umfang von 37 Millionen Franken realisiert.

Flüchtlingspolitik ändern

Aufgrund fehlender Verbesserungen der Situation in Syrien sei eine Rückkehr von syrischen Kriegsvertriebenen, die in der Schweiz Zuflucht gesucht haben, für die nächsten Jahre unrealistisch. Dies erfordere Anpassungen der Asylpolitik in der Schweiz.

Syrerinnen und Syrer in der Schweiz sollen deshalb einen Aufenthaltsstatus erhalten, der ihnen langfristig Schutz biete und ihre Integration in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft fördere, heisst es weiter.

Das Staatssekretariat für Migration (SEM) müsse bei den noch ausstehenden Entscheidungen über Asylgesuche von syrischen Kriegsvertriebenen die restriktive Politik aufgeben und ihnen den Flüchtlingsstatus zusprechen.

Zudem sollen die Kantone und das SEM die Härtefallregelung zur Umwandlung der Vorläufigen Aufnahme in eine Aufenthaltsbewilligung grosszügig auslegen. Laut Caritas befinden sich von 17'000 syrischen Kriegsflüchtlingen in der Schweiz 7000 Personen im Status der vorläufigen Aufnahme. Im weiteren sollen die Integrationsmassnahmen verbessert werden, insbesondere was Ausbildung und Bildung betreffe.

Tote liegen unter Ruinen

Hugo Fasel, Direktor von Caritas Schweiz, hat vor ein paar Wochen die Kriegsgebiete besucht, darunter sie Stadt Homs in der Nähe der libanesischen Grenze. Die Stadt liege total in Trümmern und es gebe kein Durchkommen. "Getötete Menschen liegen unter dem Schutt zerbombter Ruinen", sagt Fasel laut Mitteilung.

Trotz des grossen Elends würden die Menschen jedoch nicht aufgeben. Sie wollen für ihre Familien und ihre Kinder einen Weg finden: "Woher sie die Kraft nehmen, übersteigt unser Vorstellungsvermögen."

Bei den Wünschen für die Zukunft stehen für die Ausbildung für ihre Kinder sowie eine einfache Unterkunft an der Spitze. Und es gebe einen ganz besonderen Wunsch, der stets wiederholt werde: "Vergesst uns nicht!" Es gehe den Menschen in Syrien nicht einfach um materielle Hilfe, sondern auch um politische Aufmerksamkeit.

Die verworrene militärische, politische, soziale und humanitäre Lage zeige sich in Syrien Tag für Tag. Die Respektierung des internationalen Rechts und der Menschenrechte sei von entscheidender Bedeutung. Dies gelte vor allem für den Schutz der Zivilbevölkerung. Die Kapazitäten der Menschen im Krieg, auf der Flucht und in den Aufnahmeländern seien erschöpft und es drohe ein Kollaps der Systeme.

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