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Schweiz lässt Platini auflaufen – doch die Fussballikone will «die Wahrheit auf den Tisch bringen»

Will trotz Korb aus Bern nicht lockerlassen: Michel Platini.

Will trotz Korb aus Bern nicht lockerlassen: Michel Platini.

Das Bundesamt für Justiz lehnt ein Gesuch Frankreichs ab, Vorgänge um Fifa und Bundesanwalt zu untersuchen. Es geht um zwei Millionen Franken und Platini ist mittlerweile selbst Beschuldigter.

Michel Platini (65), französische Fussball-Ikone, läuft in der Schweiz auf. Das Bundesamt für Justiz (BJ) von Bundesrätin Karin Keller-Sutter hat ein Gesuch um stellvertretende Strafverfolgung abgelehnt, das das französische Justizministerium im vergangenen Februar eingereicht hatte.

Ingrid Ryser, Sprecherin des Bundesamts für Justiz, sagt: «Das Ersuchen betrifft Sachverhalte, die sich im Jahr 2015 ereignet haben sollen und die gemäss schweizerischem Strafrecht in den Bereich der Ehrverletzungsdelikte fallen könnten. Das Schweizer Strafrecht sieht für Ehrverletzungsdelikte eine Verjährungsfrist von vier Jahren vor, die vorliegend bereits im Jahr 2019 abgelaufen ist.» Die Sache sei also schon verjährt, so habe «das BJ mit Schreiben vom 15. Juli 2020 das Ersuchen abgelehnt.»

Quellen: Platini wird «nicht lockerlassen»

Hintergrund des Entscheids ist eine Strafklage, die Platini Ende 2018 in Frankreich gegen «X», also gegen unbekannt eingereicht hatte. Allerdings klagte der Franzose nicht wegen Ehrverletzung, sondern wegen «falscher Anschuldigung». Die verjährt erst nach zehn Jahren. Aber die Schweiz stufte den von Frankreich anzeigten Sachverhalt jetzt lediglich als Ehrverletzungsdelikt ein.

Das Umfeld des Franzosen reagierte am Freitag erstaunt. Platini werde nicht lockerlassen, um «die ganze Wahrheit auf den Tisch zu bringen», heisst es.

Das Nein aus Bern ist eine gute Nachricht für Fifa-Präsident Gianni Infantino sowie Bundesanwalt Michael Lauber. Ihre Namen standen dem Vernehmen nach auf einer Liste mit etwa zehn anderen Schweizer Bürgern, die laut Klage aus Frankreich im Verdacht standen, an der «Verschwörung zu falscher Anschuldigung» beteiligt gewesen zu sein. Wenn die Schweiz einen Sonderermittler eingesetzt hätte, wären Lauber und Infantino zweifellos auf dessen Radar aufgetaucht. Die Schweiz, deren Bundesstrafjustiz angeschlagen ist, hatte in der Optik der Franzosen aber kein Interesse, ein weiteres Verfahren um Lauber zu eröffnen.

Auslöser von Platinis Klage war die Strafverfolgung, die die Bundesanwaltschaft seit dem 25. September 2015 gegen den ehemaligen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter führt.

Hintergrund ist Zahlung von 2 Millionen

Bei diesem Verfahren geht es um eine Zahlung von zwei Millionen Franken, welche die Fifa unter Blatter im Februar 2011 an Platini geleistet hatte. Laut Blatter und Platini handelte es sich um ein geschuldetes Honorar aus früheren Jahren. Platini glaubt offenbar, dass Fifa-Kreise bei Lauber und der Bundesanwaltschaft wider besseren Wissens die Eröffnung dieses Verfahrens erwirkt haben. Mit dem Ziel, Platini als Fifa-Chef zu verhindern. Tatsächlich wurde der Franzose in der Folge gesperrt, und es war Infantino, der auf den Fifa-Thron stieg.

Weil die angeblichen Verschwörer in der Schweiz leben, ersuchte Frankreich um stellvertretende Strafverfolgung.

Platini ist mittlerweile selbst Beschuldigter im Fall um die zwei Millionen. Fast fünf Jahre nach Eröffnung des Verfahrens dehnte der Bundesanwalt das Strafverfahren kürzlich überraschend auf den ehemaligen Fussballer aus, dem jetzt Gehilfenschaft zu ungetreuer Geschäftsbesorgung vorgeworfen wird.

Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

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