Volksgesundheit
Schweiz immer sportlicher: Tessiner sind die grössten Bewegungsmuffel

Zwei von drei Schweizern treiben heute mindestens einmal pro Woche Sport. Die Zahl der regelmässigen Sportler ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Regional gibt es deutliche Unterschiede.

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Die Zahlen, die das Bundesamt für Sport (BASPO) am Donnerstag in Ittigen bei Bern präsentierte, stellen der Schweizer Bevölkerung grundsätzlich ein positives Zeugnis aus: 69 Prozent der 15- bis 74-Jährigen treiben heute mindestens einmal pro Woche Sport. Vor 14 Jahren waren es noch 63 Prozent gewesen.

Damit setzt sich der "Sportboom" fort, der Mitte der 1990er Jahre eingesetzt hatte, wie Markus Lamprecht vom Observatorium Sport und Bewegung Schweiz sagte. Allerdings erfuhr über die Jahre auch der Sportbegriff eine Erweiterung. Vor 30 Jahren habe beispielsweise das Wandern noch nicht als sportliche Betätigung gegolten, sagte BASPO-Direktor Matthias Remund.

Für die Umfrage zur Sportaktivität der Schweizer Bevölkerung wurden mehr als 10'000 Personen befragt. Es ist die dritte Umfrage dieser Art nach 2000 und 2008.

Kein Mahnfinger gegen Nichtsportler

Während die regelmässigen Sportler mehr werden, bleibt die Zahl der Nichtsportler "erstaunlich konstant", wie Markus Lamprecht sagte. 26 Prozent gaben an, sich "nie" sportlich zu betätigen. Besonders sportabstinent sind gemäss der Umfrage junge Ausländerinnen. 45 Prozent von ihnen zählen sich zur Gruppe der Nichtsportler.

Die Nichtsportler sind gemäss BASPO-Direktor Remund Teil des anstehenden Breitensportkonzeptes. Es gehe dabei nicht darum, den Mahnfinger zu heben. Vielmehr gelte es, Freude für den Sport zu vermitteln und Hürden bei der Infrastruktur abzubauen. "Es herrscht heute ein grosser Mangel an Schwimmbädern", sagte Remund.

Frauen holen auf

Anders als noch vor ein paar Jahren treiben die Frauen heute etwa gleich viel Sport wie die Männer. 42 Prozent der Frauen gehören zu den sehr aktiven Sportlerinnen (Männer: 46 Prozent). Sie schwitzen also mehrmals pro Woche während insgesamt mindestens drei Stunden. Im Jahr 2000 gehörte erst rund jede dritte in der Schweiz lebende Frau zu den sportlich sehr aktiven Personen.

Deutliche Unterschiede gibt es dafür zwischen den Sprachregionen. Während sich in der Deutschschweiz 71 Prozent mindestens einmal pro Woche sportlich betätigen, sind es in der lateinischen Schweiz deutlich weniger: In der Romandie 64 Prozent, im Tessin gar lediglich 56 Prozent.

"Die Westschweiz hat in den letzten Jahren aber deutlich aufgeholt", sagte Markus Lamprecht. Zumindest beim Sport verläuft zudem kein erkennbarer Graben mehr zwischen Stadt und Land. In den Städten wird heute praktisch gleich viel Sport getrieben wie in der Agglomeration oder auf dem Land.

Zugenommen hat in den vergangenen Jahren die Zahl der Senioren, die auch im Alter nicht auf Sport verzichten wollen: Waren vor sechs Jahren 34 Prozent der 65- bis 74-Jährigen sportlich sehr aktiv, sind es heute 42 Prozent. Und der Sport im Seniorenalter wird gemäss BASPO-Direktor Remund in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen.

Wanderland Schweiz

Die Schweizer Wohnbevölkerung wird zudem immer polysportiver. Bei der Umfrage wurden über 250 Sportarten genannt - vom Einrad- bis zum Wildwasserfahren. Das Wandern wurde seinem Ruf als Nationalsport gerecht: Über 44 Prozent gaben an, diese Tätigkeit auszuüben. Dahinter folgen Radfahren, Schwimmen und Skifahren. An Attraktivität eingebüsst haben unter anderem Turnen/Gymnastik und das Nordic Walking.

Die zunehmende Sportlichkeit der Schweizerinnen und Schweizer wirkt sich aber offenbar nicht direkt auf deren Fitness aus. Nach Angaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG) haben sich Übergewicht und Fettleibigkeit auch in der Schweiz zu einer "Volkskrankheit" entwickelt. Fast 40 Prozent der Erwachsenen gelten als übergewichtig oder fettleibig.

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