"Jetzt haben wir endlich Augen und Ohren in Damaskus", sagte Manuel Bessler, Delegierter des Bundes für humanitäre Hilfe, gegenüber "Heute Morgen" von Radio SRF am Donnerstag. Es handle sich allerdings nicht um eine politische oder diplomatische Vertretung.

Mit dem Büro will die Schweiz in Zukunft laut Bessler wieder eigene Hilfsprojekte in dem Land umsetzen, zum Beispiel der Aufbau von Spitälern. Bisher unterstützte sie laut SRF mit 60 Millionen Franken pro Jahr vor allem andere Hilfsorganisationen.

Dem Bericht zufolge operiert das Büro zunächst von einem Hotelzimmer aus. Der Schweizer Büroleiter will demnach syrische Angestellte rekrutieren. Er kann nicht frei arbeiten: Die syrische Regierung entscheidet, ob er auch in Rebellengebiete reisen darf.

Es handelt sich laut Angaben von SRF um das erste Büro eines europäischen Staats in Syrien seit Kriegsausbruch, abgesehen von der EU. Die Schweiz hatte 2012 ihre Botschaft sowie das Büro der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) in Damaskus geschlossen, wie das EDA in einer Mitteilung vom Donnerstag schreibt.

Die Schweiz habe ihre humanitäre Hilfe für den Bürgerkrieg in Syrien daraufhin über ihre Vertretungen in den Nachbarstaaten Jordanien, Libanon und Türkei umgesetzt. Das Engagement für Syrien sei zurzeit die grösste humanitäre Operation der Schweiz: seit 2011 seien 315 Millionen Franken zur Unterstützung für die notleidenden Syrerinnen und Syrer bereitgestellt worden.

Bundesrat: Keine Legitimation des Regimes

Die Pläne für ein neues Schweizer Büro in Syrien waren bereits seit längerem bekannt. Es gehe ausschliesslich darum, den humanitären Bedürfnissen zu entsprechen, sagte im Mai der damalige Schweizer Aussenminister Didier Burkhalter. Dabei gehe es nicht um eine politische Legitimation des Regimes in Damaskus durch die Schweiz.

Das Büro erlaube es, von der Schweiz finanzierte humanitäre Projekte zu führen, sagte Burkhalter. Zudem könnten die grossen humanitären Organisationen unterstützt werden.

Die Schweiz hat seit mehreren Jahren versucht, Garantien für die humanitäre Arbeit vor Ort zu erhalten. In die rund sechsmonatigen Verhandlungen war demnach auch der Iran involviert.