Basel

Schweinegrippe: Leitungen der Hotline sind kalt

Trotz einem neuen Schweinegrippe-Fall in der Schweiz scheint das Thema die Schweizer Bevölkerung nicht mehr so stark zu beschäftigen. Ein Augenschein in der Medgate-Zentrale, wo die Schweinegrippe-Hotline betrieben wird, verstärkt diesen Eindruck.

Toprak Yerguz

Es ist ein deutlicher Rückgang an Anrufen auf die Schweinegrippe-Hotline, der von der Betreiberin Medgate verzeichnet wird: Am 30. April, dem vierten Tag des Bestehens der Hotline, war es ein Höchstwert von 1104 Anrufern, die sich über die Schweinegrippe informieren wollten.

Jetzt, einen Monat nach der Aufschaltung, sind es gerade mal noch 20 bis 30. Gestern waren es immerhin bereits 19 Anrufe bis zur Mittagszeit. «Donnerstag war Auffahrt», erklärt PR-Fachfrau Kerstin Rauch.

Was sie damit sagen will: An Tagen nach Feiertagen und Wochenenden spürt man bei Medgate ein Hochschnellen der Anruferzahlen. Oberarzt Timo Rimner zeigt die Statistik auf einem Bildschirm an: Jede Woche geht die Kurve am Montag hoch, an Wochenenden und Feiertagen ist sie jeweils deutlich tiefer. «Die Leute beachten die Bürozeiten», sagt Rimner, «sie möchten sich an freien Tagen nicht mit Gesundheitsproblemen befassen.» Das erstaunt insofern, weil der Service von Medgate täglich und rund um die Uhr zur Verfügung steht. Nur die Schweinegrippe-Hotline ist auf die Zeit zwischen 8 und 18 Uhr beschränkt, aber ebenfalls täglich.

Was die Statistik auch zeigt: Medgate erhält täglich bis zu 2000 Telefonate. In den ersten Tagen der Hotline war die Schweinegrippe in über der Hälfte der Fälle der Grund des Anrufs. «Zu Beginn der Hotline hatten wir für die Schweinegrippe 25 Leute aufs Mal im Einsatz, wir mussten zehn Externe zu Hilfe holen», erinnert sich Rimner. Mittlerweile werden die spärlichen Anrufe meistens auf alle Mitarbeitenden im Zentrum verteilt. Rückfragen muss Rimner, der für die Hotline die Verantwortung trägt, nur noch selten beantworten.

Einen dieser nun selteneren Anrufe hat Norwin Tharayil entgegengenommen. «Die Frau hat angerufen, weil sie Grippesymptome hat», erzählt er nach Beendingung des zweiminütigen Gesprächs. Er habe auf Grund der Kriterien des Bundesamts für
Gesundheit (BAG) nicht von der Schweinegrippe ausgehen müssen und konnte die Frau entsprechend beruhigen.

Solche Anrufe habe man zu Beginn der Schweinegrippe-Warnungen täglich dutzendfach bekommen. Mittlerweile habe sich die Lage jedoch beruhigt, weiss Rimner. Die Anfragen seien dafür zunehmend spezifischer geworden: «Am Anfang wollten die Leute noch Allgemeines wissen wie: ‹Was ist die Schweinegrippe, wie sieht die Therapierbarkeit aus?› Jetzt haben sie konkrete Fragen, zum Beispiel über Bekannte, die aus Mexiko zu Besuch kommen.»

Diese Arbeit am Puls der Bevölkerung wirkt sich auch auf die Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit aus, erklärt Rimner: «Fragen, die uns besonders häufig gestellt werden, leiten wir dem BAG weiter.» Das Bundesamt könne dann diese Themen in Dokumente und Medienmitteilungen aufnehmen und der Bevölkerung mitteilen. So werde informiert, bevor besorgte Patientinnen und Patienten zum Hörer greifen müssen.

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