Komittee Baselland

Schweigende Mehrheit meldet sich

Schon mehrere hundert Baselbieterinnen und Baselbieter sind dem Komitee «Baselbiet bleibt selbständig» beigetreten. Viele waren bisher politisch nicht aktiv.

Regula Vogt-Kohler

Genaue Zahlen gab es auch nach Weihnachten nicht: Wie in den allerersten Tagen nach der Lancierung des Komitees «Baselbiet bleibt selbständig» nennt Gründungsmitglied Thomas de Courten keine konkreten Ziffern. Die Zahl der Beitritte gehe «in die Hunderte», teilt er mit und stellt eine erste Bilanz für Jahresbeginn in Aussicht.

Unmittelbar nach der Lancierung des Komitees sei die Zahl der Beitrittsmeldungen am grössten gewesen, sogar unerwartet gross. Die Feiertage haben aber den Beitrittsstrom nicht versiegen lassen. «Erfreulich ist, dass wir bis heute täglich neue Beitritte verzeichnen können», hält de Courten am Dienstag fest.

Das neue Komitee scheint nicht zuletzt in Kreisen, die bisher nicht aktiv politisch in Erscheinung getreten sind, denen aber ein möglichst eigenständiges Baselbiet am Herzen liegt, einen Nerv getroffen zu haben. Einen Nerv, an dem die Medien mindestens aus der Sicht des Komitees bisher vorbeigeschrieben und -geredet haben: Die durch die Fusionsbestrebungen auf verschiedenen Ebenen genährte Skepsis oder gar Angst vor dem Verlust der Unabhängigkeit.

Die von verschiedenen politisch-elitären Kreisen in den vergangenen Monaten und Jahren propagierten Ideen für einen Nordwestschweizer Grosskanton, für Gemeinde- und Kantonsfusionen oder andere Wiedervereinigungsprojekte hätten auch in den Medien immer unwidersprochenen Nachhall gefunden, stellt Thomas de Courten fest.

«Viele der Komiteemitglieder sind bisher weder politisch aktiv noch parteipolitisch organisiert. Es sind einfach Baselbieterinnen und Baselbieter. Es ist ihnen aber ein Anliegen, aus der schweigenden Mehrheit auszutreten und aktiv für unseren Kanton einzustehen», berichtet der Präsident der SVP-Fraktion im Baselbieter Landrat. In geografischer Hinsicht kommen die Beitritte aus dem ganzen Kantonsgebiet, aus der Agglomeration ebenso wie aus dem Oberbaselbiet und dem Laufental.

Das Engagement für eine Bewahrung der Unabhängigkeit verstehe das Komitee nicht als Absage an eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Nachbarn, dort wo diese sinnvoll und nützlich für alle Beteiligten sei, betont Thomas de Courten. Wo liegen denn aus der Sicht des Komitees die Grenzen einer Zusammenarbeit? «Dort wo der eine mehr profitiert, der andere verliert», sagt der SVP-Politiker. «In einer guten Partnerschaft sollte eins und eins immer mehr als zwei geben, für beide Partner.»

Mit dem Nein des baselstädtischen Grossen Rates zur neuen Buslinie 48 und zum Zubringer Allschwil Mitte Dezember gab es für die Partnerschaft zwischen Basel-Stadt und Baselland wieder einmal einen Belastungstest. Für de Courten sind die Entscheide unverständlich und ein Beispiel dafür, dass «auch den Baslern das Hemd manchmal näher ist als der Rock der Partnerschaft, mit dem sich einige Städter sonst so gern schmücken, wenn es darum geht, ‹Zentrumslasten› abgegolten zu erhalten».

Im neuen Jahr will das Komitee weitere Mitglieder und so an Gewicht und Einfluss gewinnen. Zu den geplanten Aktivitäten gehören eine öffentliche Konstituierung des Komitees, die Erarbeitung einer politischen Agenda, aber auch Informationsanlässe zu konkreten Sachfragen.

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