Patienten könnten kostenbewusster werden, sagt Margrit Kessler. Sie fordert aber mehr Mitspracherecht bei der Kostendebatte.

Von Hans-Peter Wäfler

Frau Kessler, nach dem Krisengipfel zu den Gesundheitskosten soll das Parlament im Juni über Massnahmen entscheiden. Was halten Sie davon?
Margrit Kessler: Es ist wie schon so oft: Entschieden wurde nichts. Dass das Parlament sich im Juni zu einem Konsens durchringen könnte, glaube ich nicht.

Bundesrat Pascal Couchepin hat Vertreter der Kantone, Ärzte, Spitäler und Krankenkassen an den runden Tisch geladen. Was hätten Sie als Patientenvertreterin ihm gerne gesagt?
Kessler: Dass es endlich an der Zeit wäre, dass auch wir an so einem runden Tisch teilnehmen könnten.

Die Patienten werden jetzt übergangen?
Kessler: Derzeit wird ihnen gar der schwarze Peter zugeschoben. Das darf nicht sein. Patienten verursachen Kosten. Aber es fehlt ein Gesamtkonzept, das alle Beteiligten in die Pflicht nimmt.

Bundesrat Couchepin hat eine Pauschale von 30 Franken für einen Arztbesuch vorgeschlagen. Wie stehen Sie dazu?
Kessler: Das ist undurchführbar. Die administrativen Kosten würden die 30 Franken schnell auffressen. Gerade für ältere Menschen und Familien wären die Mehrkosten aber nicht tragbar.

Und wenn von so einer Praxisgebühr zum Beispiel Kinder ausgenommen wären und sie nur beschränkt für chronisch Kranke gelten würde?
Kessler: Es würde trotzdem unserem System widersprechen. Soll etwa jeder Arbeitnehmer, der länger als drei Tage krank ist und dem Arbeitgeber ein Arztzeugnis vorweisen muss, dafür noch zusätzlich 30 Franken bezahlen müssen?

Es ist aber so, dass heute rascher ein Arzt aufgesucht wird als früher.
Kessler: Stimmt. Wenn etwas angeboten wird, wird auch konsumiert. Es liessen sich Kosten sparen, wenn die Leute nicht mit jedem Bobo sofort zum Arzt gingen.

Teuer wird es vor allem dann, wenn jemand direkt ins Ambulatorium eines Spitals geht statt zuerst zum Hausarzt.
Kessler: Hier kann ich mir vorstellen, eine Barriere einzubauen in Form einer Notfallpauschale. Aber nur für jene, die nicht zuerst zum Hausarzt gehen.

Müssen auch Sie als Patientenvertreterin nicht stärker ein Umdenken fordern?
Kessler: Wir informieren, wann immer wir können. Umso nötiger wäre es, an einem runden Tisch dabei zu sein.

Wie alarmierend ist denn die Lage im Gesundheitswesen?
Kessler: Nicht alarmierender als im vergangenen Jahr. Mit dem Griff in die Reserven der Krankenkassen wurde damals aber der Prämienschock einfach aufgeschoben.

Wo würden Sie den Hebel ansetzen?
Kessler: Patienten können zu Einsparungen beitragen, indem sie sensibler werden für die Gesundheitskosten. Es braucht aber mehr. Krankenkassen etwa müssen konsequent jenen Rechnungen nachgehen, bei denen Fehler passieren und zu viel verbucht wird. Und speziell bei Krebsmedikamenten muss der Bund für tiefere Preise sorgen.

Was sollte Gesundheitsminister Pascal Couchepin unternehmen?
Kessler: Er muss dafür sorgen, dass der Beruf des Hausarztes attraktiver wird. Ohne Hausärzte als erste Anlaufstelle für Patienten lässt sich der Anstieg bei den Gesundheitskosten nicht dämpfen.