Debatte

Schwacher Euro: Darf man im Ausland einkaufen gehen?

Einkaufen ennet der Grenze - für Viele eine Grundsatzfrage.

Einkaufen ennet der Grenze - für Viele eine Grundsatzfrage.

Momentan ist die Verlockung, im grenznahen Ausland einkaufen zu gehen gross. Ist dies moralisch richtig oder schadet man damit der Schweizer Wirtschaft?

Die Aufhebung des Mindestkurses hat zu einer Franken-Euro-Parität geführt. Damit werden Waren für Schweizer im Ausland nochmals deutlich billiger. Vor allem für Konsumenten im grenznahen Raum ist die Verlockung gross, den Einkaufswagen jenseits der Landesgrenze zu füllen. Ist dieses Verhalten legitim? Das Pro & Kontra.

Jedes Mal, wenn ich nach Deutschland einkaufen gehe, beschleicht mich ein schlechtes Gewissen. Noch schlimmer: Wenn ich Freunden davon erzähle, ertappe ich mich, wie ich sofort eine rechtfertigende Position einnehme und mich fast schon im Voraus für das Einkaufen ennet der Grenze entschuldige. Wieso eigentlich? Handle ich wirklich unpatriotisch, wenn ich drei-, viermal pro Jahr in Deutschland einen Grosseinkauf tätige? Ist es wirklich meine Pflicht als Konsument, die helvetische Hochpreisinsel zu unterstützen? Meine Antwort lautet – und das nicht erst seit der Abwertung des Euro – ganz klar nein. Wobei zu relativieren ist: Produkte des täglichen Bedarfs kaufe ich in der Schweiz, nicht selten direkt vor der Haustüre. Brot, Gemüse und Eier aus dem «Dorfschöpfli» haben zwar ihren Preis. Doch den bezahle ich gerne, im Wissen um die gute Qualität und mit der Gewissheit, damit lokale Bauern und Lebensmittelproduzenten zu unterstützen. Selbst die wöchentlichen Grosseinkäufe für die vierköpfige Familie tätigen wir in der Regel beim Schweizer Detailhändler. Dabei staune ich jedes Mal wieder von neuem, wenn ich jeweils für zwei volle Migros-Säcke zwischen 100 und 200 Franken hinblättern muss. Gut, beim Essen mag ich nicht wirklich sparen und mich nur mit Aktionen eindecken. Und doch denke ich mir jedes Mal, wie wenig man für sein Geld in der Schweiz erhält. Deshalb – und auch weil die Fahrt nach Waldshut keine halbe Stunde dauert – gehen wir alle drei bis vier Monate bei unseren nördlichen Nachbarn einkaufen. Dabei landen vor allem Windeln, Konserven sowie Haushalts- und Pflegeprodukte im Einkaufswagen. Kostenpunkt das letzte Mal: 273 Euro. Egal zu welchem Wechselkurs ist auch das viel Geld, doch dafür ist der Kofferraum jeweils fast vollgepackt. Tragen Einkaufstouristen wie ich dazu bei, dass es mit der ohnehin unter Druck geratenen Schweizer Wirtschaft bergab geht? Nein. Ich bin vielmehr der Überzeugung, dass viele Produkte in der Schweiz – hohe Löhne und Produktionskosten in Ehren – schlicht zu teuer sind. Der Einkaufstourismus könnte bei den Schweizer Preisen vielmehr für die dringend nötige Korrektur nach unten sorgen. Jetzt habe ich mich schon wieder gerechtfertigt . . .

PRO: "Einkaufstourismus kann helfen, Preise zu senken"

Jedes Mal, wenn ich nach Deutschland einkaufen gehe, beschleicht mich ein schlechtes Gewissen. Noch schlimmer: Wenn ich Freunden davon erzähle, ertappe ich mich, wie ich sofort eine rechtfertigende Position einnehme und mich fast schon im Voraus für das Einkaufen ennet der Grenze entschuldige. Wieso eigentlich? Handle ich wirklich unpatriotisch, wenn ich drei-, viermal pro Jahr in Deutschland einen Grosseinkauf tätige? Ist es wirklich meine Pflicht als Konsument, die helvetische Hochpreisinsel zu unterstützen? Meine Antwort lautet – und das nicht erst seit der Abwertung des Euro – ganz klar nein. Wobei zu relativieren ist: Produkte des täglichen Bedarfs kaufe ich in der Schweiz, nicht selten direkt vor der Haustüre. Brot, Gemüse und Eier aus dem «Dorfschöpfli» haben zwar ihren Preis. Doch den bezahle ich gerne, im Wissen um die gute Qualität und mit der Gewissheit, damit lokale Bauern und Lebensmittelproduzenten zu unterstützen. Selbst die wöchentlichen Grosseinkäufe für die vierköpfige Familie tätigen wir in der Regel beim Schweizer Detailhändler. Dabei staune ich jedes Mal wieder von neuem, wenn ich jeweils für zwei volle Migros-Säcke zwischen 100 und 200 Franken hinblättern muss. Gut, beim Essen mag ich nicht wirklich sparen und mich nur mit Aktionen eindecken. Und doch denke ich mir jedes Mal, wie wenig man für sein Geld in der Schweiz erhält. Deshalb – und auch weil die Fahrt nach Waldshut keine halbe Stunde dauert – gehen wir alle drei bis vier Monate bei unseren nördlichen Nachbarn einkaufen. Dabei landen vor allem Windeln, Konserven sowie Haushalts- und Pflegeprodukte im Einkaufswagen. Kostenpunkt das letzte Mal: 273 Euro. Egal zu welchem Wechselkurs ist auch das viel Geld, doch dafür ist der Kofferraum jeweils fast vollgepackt. Tragen Einkaufstouristen wie ich dazu bei, dass es mit der ohnehin unter Druck geratenen Schweizer Wirtschaft bergab geht? Nein. Ich bin vielmehr der Überzeugung, dass viele Produkte in der Schweiz – hohe Löhne und Produktionskosten in Ehren – schlicht zu teuer sind. Der Einkaufstourismus könnte bei den Schweizer Preisen vielmehr für die dringend nötige Korrektur nach unten sorgen. Jetzt habe ich mich schon wieder gerechtfertigt . . .

Vor ein paar Tagen spendierte ich meinen drei Kids am Kiosk je ein Heftli. Kostenpunkt der Einkaufsaktion: 20 Franken! In Deutschland hätte ich – die aufgedruckten Preise verraten es – gerade mal 10 Euro hingeblättert, also genau die Hälfte. Beim Zahlen wies ich die Kioskfrau – notabene eine Deutsche – auf die seit dem Euro-Kurssturz massive Währungsdiskrepanz hin und bemerkte, dass auch hier bald einmal eine Anpassung nötig wäre, damit diese Produkte nicht zum Ladenhüter werden. Ihre Replik regte mich dann aber zum Nachdenken an. «Eine Anpassung ja. Aber nur, wenn dadurch nicht auch mein Lohn nach unten angepasst wird.» Die Schweiz ist eine Hochpreisinsel – angesichts der aktuellen Entwicklung mehr denn je. Aber sie ist eben auch eine Hochlohninsel im Vergleich mit unseren Nachbarländern. Ich verdiene hier gutes Geld und ich sehe es auch als meine Pflicht an, dieses Geld wieder in die hiesige Wirtschaft zu investieren. Selbst wenn die Verlockung gross ist, Markenartikel, die teilweise mit unverschämten Margen belegt sind, in regelmässigen Abständen im nahen Ausland zu posten. Diese Art von Einkaufstourismus ist für mich ein Stück weit nachvollziehbar und kann auch helfen, die Preise in der Schweiz zu senken. Ein absolutes No-go ist für mich jedoch der wöchentliche Grosseinkauf in den grenznahen Supermärkten. Neben dem Unverständnis dafür, wie man sich mit gutem Gewissen gemeinsam mit Tausenden anderen Leuten Samstag für Samstag über die Grenze quälen und in den Tumult stürzen kann, kommt da auch noch ein moralischer Aspekt dazu. Selbst wenn das Rindsfilet beim deutschen Metzger nur einen Bruchteil des Vermögens kostet, welches wir hier für ein edles Stück Fleisch ausgeben müssen: Wenn ich es in der Schweiz kaufe, dann weiss ich wenigstens, dass hier die Gesetze der Tierhaltung einigermassen befolgt wurden und ich keine medikamentöse Nebenbehandlung beim Verzehr des Filets in Kauf nehmen muss. Um wieder auf die Kioskfrau zurückzukommen: Wir müssen aufpassen, dass wir mit unserem Drang, vom billigen Euro zu profitieren, nicht am Ast sägen, auf dem wir sitzen. Wenn wir unsere Wirtschaft schwächen, werden wir es eher früher als später am eigenen Leib spüren: wenn am Ende des Monats weniger Geld auf das Konto fliesst.

KONTRA: «Das Geld wieder in die hiesige Wirtschaft investieren»

Vor ein paar Tagen spendierte ich meinen drei Kids am Kiosk je ein Heftli. Kostenpunkt der Einkaufsaktion: 20 Franken! In Deutschland hätte ich – die aufgedruckten Preise verraten es – gerade mal 10 Euro hingeblättert, also genau die Hälfte. Beim Zahlen wies ich die Kioskfrau – notabene eine Deutsche – auf die seit dem Euro-Kurssturz massive Währungsdiskrepanz hin und bemerkte, dass auch hier bald einmal eine Anpassung nötig wäre, damit diese Produkte nicht zum Ladenhüter werden. Ihre Replik regte mich dann aber zum Nachdenken an. «Eine Anpassung ja. Aber nur, wenn dadurch nicht auch mein Lohn nach unten angepasst wird.» Die Schweiz ist eine Hochpreisinsel – angesichts der aktuellen Entwicklung mehr denn je. Aber sie ist eben auch eine Hochlohninsel im Vergleich mit unseren Nachbarländern. Ich verdiene hier gutes Geld und ich sehe es auch als meine Pflicht an, dieses Geld wieder in die hiesige Wirtschaft zu investieren. Selbst wenn die Verlockung gross ist, Markenartikel, die teilweise mit unverschämten Margen belegt sind, in regelmässigen Abständen im nahen Ausland zu posten. Diese Art von Einkaufstourismus ist für mich ein Stück weit nachvollziehbar und kann auch helfen, die Preise in der Schweiz zu senken. Ein absolutes No-go ist für mich jedoch der wöchentliche Grosseinkauf in den grenznahen Supermärkten. Neben dem Unverständnis dafür, wie man sich mit gutem Gewissen gemeinsam mit Tausenden anderen Leuten Samstag für Samstag über die Grenze quälen und in den Tumult stürzen kann, kommt da auch noch ein moralischer Aspekt dazu. Selbst wenn das Rindsfilet beim deutschen Metzger nur einen Bruchteil des Vermögens kostet, welches wir hier für ein edles Stück Fleisch ausgeben müssen: Wenn ich es in der Schweiz kaufe, dann weiss ich wenigstens, dass hier die Gesetze der Tierhaltung einigermassen befolgt wurden und ich keine medikamentöse Nebenbehandlung beim Verzehr des Filets in Kauf nehmen muss. Um wieder auf die Kioskfrau zurückzukommen: Wir müssen aufpassen, dass wir mit unserem Drang, vom billigen Euro zu profitieren, nicht am Ast sägen, auf dem wir sitzen. Wenn wir unsere Wirtschaft schwächen, werden wir es eher früher als später am eigenen Leib spüren: wenn am Ende des Monats weniger Geld auf das Konto fliesst.

Gar nicht gleicher Meinung: Im «TalkTäglich» auf «Tele M1» am Dienstagabend liefern sich der Aargauer SVP-Präsident Thomas Burgherr (links) und Konsumentenschützerin Sara Stalder ein Streitgespräch – sehen Sie hier bereits die Highlights.

Gar nicht gleicher Meinung: Im «TalkTäglich» auf «Tele M1» am Dienstagabend liefern sich der Aargauer SVP-Präsident Thomas Burgherr (links) und Konsumentenschützerin Sara Stalder ein Streitgespräch – sehen Sie hier bereits die Highlights.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1