Schutz vor Waffengewalt
Schützen machen mobil gegen Waffeninitiative

Stimmt die Schweizer Stimmbevölkerung am 13. Februar der Initiative «Für den Schutz vor Waffengewalt» zu, bedeutet dies das Ende der Schweizer Schiesstradition. Dies befürchtet die Präsidentin des Schweizer Schiesssportverbands (SSV) Doris Andres.

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«Die Initianten fordern, dass nicht mehr mit der Armeewaffe geschossen werden darf», so Doris Andres. 85 Prozent der 65 000 Mitglieder des SSV würden aber gerade mit ihrer Armeewaffe schiessen, sagt Andres.

Die Initiative «Für den Schutz vor Waffengewalt» will die Vorschriften gegen den Missbrauch von Waffen verstärken. Die Initianten fordern einen Bedarfs- und Fähigkeitsnachweis von jedem Waffenhalter. Zudem soll ein nationales Waffenregister die bestehenden kantonalen Register ablösen. Drittens müssten Militärdienstleistende bei Annahme der Initiative ihre Armeewaffe im Zeughaus deponieren.

Gerade der letzte Punkt sei für die Schützen zentral, sagt Andres. Dürfte die Armeewaffe nicht mehr für den Schiesssport verwendet werden, würde der SSV viele Mitglieder verlieren. Sie engagiert sich deshalb an vorderster Front gegen die Initiative. «Die Initiative würde aus dem Breitensport einen Elitesport machen.» Ein Sportgewehr koste 5000 Franken, das könne sich nicht jeder leisten.

Swiss Olympic mischt sich ein

Unterstützung erhält der SSV von ungewohnter Seite: Swiss Olympic, der Dachverband der Schweizer Sportverbände, empfiehlt die Ablehnung der Initiative. «Wir unterstützen das Komitee gegen die Waffeninitiative aber nicht finanziell», betont Christof Kaufmann, Sprecher von Swiss Olympic. Die Unterstützung sei rein ideell. «Wenn ein politisches Geschäft den Sport und unsere Mitglieder betrifft, werden wir aktiv», sagt Kaufmann.

Für den Grünen Nationalrat Josef Lang grenzt dies an «Behördenpropaganda»: «Sport und Politik gehören nicht vermischt.» Swiss Olympic werde zu einem Teil vom Bund finanziert. Lang ist überzeugt, dass auch der Skiverband, ein wichtiges Mitglied von Swiss Olympic, keine Freude daran hat: «Die Initiative will Morde mit Armeewaffen verhindern, die Skirennfahrerin Corinne Rey-Bellet wurde 2006 mit einer Armeewaffe ermordet.» Dies hat grosse Bestürzung ausgelöst.

Auch Bundesrat gegen Initiative

Swiss Olympic liegt damit allerdings auf der Linie von Bundesrat und Parlament. Gestern vertrat Simonetta Sommaruga die bundesrätliche Position. Ausgerechnet Sommaruga, welche die Initiative als Ständerätin noch unterstützt hatte. Die Bundesrätin stellte aber klar: «Es ist nicht meine Aufgabe der Bevölkerung meine persönliche Ansicht zu verkünden, ich vertrete die Meinung der Mehrheit des Bundesrats und des Parlaments.»

Sie anerkenne das Ziel der Initiative, sagte Sommaruga. Das geltende Recht biete aber genug Schutz. «Die Schweiz hat ihr Waffenrecht kontinuierlich verschärft, nicht zuletzt auf Druck der Initiative», sagte sie. Eine nationale Plattform, über die Daten aus den kantonalen Waffenregistern ausgetauscht werden können, sei in Arbeit. Damit sei das von den Initianten geforderte zentrale Waffenregister überflüssig. (ros)