Schülerprotest zu Altenburg

Nicht fröhliches Kindergeschrei, sondern Protestrufe hallen durch das Schulhaus Altenburg. Es sind Drittklässler, ausgerüstet mit Plakaten, die gegen die Aufteilung ihrer Klasse protestieren.

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Dieter Minder

Er wolle «mit einer alten Wettinger Tradition» brechen und die Klassen beim Übertritt vom 3. ins 4. Schuljahr neu aufteilen, hatte Schulleiter Arnold Messmer den Schülern der beiden 3. Klassen und deren Eltern schriftlich mitgeteilt. «Der Wunsch, die Klassen beim Übergang von der Unter- in die Mittelstufe neu zu mischen, besteht bei den Lehrpersonen schon einige Zeit», sagt Messmer. In seinem Brief an die Eltern begründete er dies weiter mit gruppendynamischen Prozessen in den Klassen, unterschiedlichen Kulturen, unterschiedlichen Leistungen sowie unterschiedlicher Reife der Kinder. Besonders der Begriff Gruppendynamik stiess den Eltern sauer auf. Er ist eher negativ belegt, und wird meist gebraucht, wenn einzelne Schüler gemoppt werden. Auch die «unterschiedlichen Kulturen» verstanden einige Eltern eher als diskriminierend.

Man muss miteinander reden

Kaum waren die Eltern informiert, liefen stundenlang die Telefone heiss. Sie waren über die Begründungen sehr erstaunt, hatten sie bisher nichts von Problemen in der Klasse ihres Kindes gehört. Die meisten vermuteten deshalb, die Ursache der geplanten Klassenaufteilung sei in der anderen Klasse zu suchen. Die Eltern einer der beiden Klassen trafen sich und verfassten einen Brief an die Schulleitung. Darin gaben sie ihrem Erstaunen über das Vorgehen und die Art der Information Ausdruck. Schliesslich fanden sich die Eltern und die Schulleitung zu einem Gespräch zusammen. «Im Altenburg bleibt alles wie es ist», sagt Schulpflegepräsident Franz Hard. Klassen werden in Wettingen neu gemischt, wenn es Probleme auf der sozialen Ebene gibt. «Dabei stossen wir bei den Eltern auf Verständnis, wenn wir diese gut informiern», sagt Hard mit Blick auf andere Fälle.

Die Klasse hält zusammen

Noch bevor die Eltern richtig reagieren konnten, hatte eine der beiden Klassen die Sache selbst in die Hand genommen. Sie verstanden ihre Schulleitung nicht. Die Kinder wollten ihre Freundinnen oder Freunde nicht verlieren. Deshalb verfassten sie selber einen Brief und übergaben ihn im Schulsekretariat. Dann nutzten die Schüler die grosse Pause für eine Demonstration im Korridor. Sie hatten dazu Plakate gemalt und Schlachtrufe eingeübt. Die Aktion der Schulleitung hat damit zu einem übergreifenden gruppendynamischen Prozess geführt.