Einbürgerung

Schüler kämpfen für CH-Pass

Zwei der drei Schüler aus Serbien-Montenegro wehren sich gegen den «ungerechten» Entscheid.

Irena Jurinak

Wütend ist Vahid Hrncic nicht. Aber sehr enttäuscht. «Es ist ungerecht. Ich habe noch nie etwas Unrechtes getan.» Letzten Donnerstag wurde das Einbürgerungsgesuch des serbisch-montenegrinischen Schülers von der Gemeindeversammlung Suhr abgelehnt. Entgegen der Empfehlung des Gemeinderates.

Der Vater eines 19-Jährigen, der von einem Kosovaren mit einem Rollbrett schwer verletzt worden war, hatte sich dagegen ausgesprochen. Vahid Hrncic wird den Entscheid am Verwaltungsgericht anfechten.

«Wenn man nachdenkt, weiss man doch, dass nicht alle so sind», wehrt sich Hrncic. Nur am Sprachgemisch aus Dialekt und Hochdeutsch erkennt man, dass der junge Mann mit den blonden Haaren und braunen Augen kein Schweizer ist. «Es war ein Schock für mich. Es ist das erste Mal, dass ich wegen meiner Herkunft benachteiligt werde.»

Enttäuscht von der Demokratie

Es sei unlogisch alle in einen Topf zu werfen. «Kein Mensch ist gleich wie der andere.» Er sei auch enttäuscht von der Politik. Dass man in einer Demokratie Menschen wegen ihrer Nationalität ablehne, versteht er nicht.

Vahid Hrncic lebt seit zehn Jahren in der Schweiz. «Hier ist mein zu Hause, ich fühle mich wohl hier.» Letzte Woche hat der Sekundarschüler die Aufnahmeprüfung für die Berufsmatur absolviert, nach den Sommerferien beginnt er eine Lehre als Automatiker. Und er will Militärdienst leisten.

Kein Aussenseiter mehr sein

Auch Dzengis Ismaili findet den Entscheid unfair. «Der einzige Unterschied zwischen einem Schweizer und mir ist, dass ich nicht hier geboren bin», erzählt er in fliessendem Schweizerdeutsch. Er kam im Alter von zwei Monaten in die Schweiz.

«Ich fühle mich auch als Schweizer, ich habe hier meine Freunde, ich habe mir hier etwas aufgebaut.» Seit er vom negativen Entscheid erfahren hat, fühlt er sich unwohl. Ausgeschlossen. «Ich wollte Schweizer werden, um mich nicht mehr als Aussenseiter zu fühlen, sondern ganz hierher zu gehören.» Auch er wird den Entscheid voraussichtlich ans Verwaltungsgericht weiterziehen.

Für Dzengis Ismaili hat Integration jedoch zwei Seiten. Er findet, dass Ausländer sich in einem anderen Land anpassen müssen. «Wir sind hier Gäste und können nicht machen, was wir wollen.»

Nicht gegen Schüler gerichtet

«Es geht nicht um die drei Jugendlichen. Wir haben an der Gemeindeversammlung gesagt, dass alle drei sich nichts haben zu Schulden kommen lassen», erklärt der Vater des 19-jährigen Prügelopfers. Sie hätten das Gesuch einfach zum falschen Zeitpunkt eingereicht. «Ich habe niemanden gezwungen so abzustimmen, aber offenbar waren andere Suhrer an der Versammlung auch meiner Meinung.»

Er habe ein Zeichen setzen und aufmerksam machen wollen auf ein Thema, dass immer unter den Teppich gewischt werde. «Fast täglich gibt es Übergriffe von Jugendlichen aus dem Balkan und es geschieht nichts. Warum müssen wir Angst haben, wenn unsere Kinder in den Ausgang gehen?» Er habe viele Rückmeldungen bekommen, es sei gut, dass endlich jemand etwas sage.

Gegen die Ohnmacht kämpfen

«Wieso melden sich nicht gut integrierte Ex-Jugoslawen zu Wort und distanzieren sich von solchen Tätern? Sie sind diejenigen, die etwas unternehmen müssen und dafür kämpfen müssen, dass ihre Leute sich anpassen. Die meisten sind ja anständige Menschen, die sich nichts zu Schulden kommen lassen.»

Ihm tue es leid für die drei Jugendlichen, aber er habe sich nur für seine Rechte eingesetzt und etwas gegen die Ohnmacht tun wollen. «Ist es etwa gerecht, dass mein Sohn grundlos zusammengeschlagen wurde?»

Auf das Gerichtsverfahren müsse man wohl ein bis zwei Jahre warten und die Strafen würden warscheinlich mild ausfallen. «Wie erklären sie einem Opfer, das auf der Intensivstation liegt, dass die Täter wenige Stunden nach dem Übergriff bereits wieder auf freiem Fuss sind?»

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