Katharina Arni-Howald

Just am Tag, als die Wengibrücke endgültig geschlossen wurde, machten sich im «Volkshaus» Vorstädter Luft über unbefriedigende Situationen, die nach wie vor einer Lösung harren. «Wir haben viel vor, können aber aus zeitlichen und finanziellen Gründen nur Schritt für Schritt an die Probleme herangehen», gab Martin Tschumi, Präsident der Vereinigung Pro Vorstadt, zu bedenken.

Die Problemzone Innere Vorstadt sei ein wichtiges Thema und gebe auch innerhalb der Vereinigung viel zu diskutieren. Die Zielsetzungen seien nach dem im April durchgeführten Workshop allerdings klar, und die Gespräche mit den zuständigen Stellen und Behörden seien bis anhin sehr positiv verlaufen. «Wir haben das Gefühl, dass man uns versteht und uns zuhört», so Tschumi.

Wichtig sei es nun, sich auch mit den bereits aktiven Vereinen in der Vorstadt an einen Tisch zu setzen und gemeinsam darüber zu diskutieren, was es genau brauche, um die Attraktivität dieses Stadtteils zu erhöhen und vor allem auch die Problemzonen in den Griff zu bekommen. Tschumi war sich aber auch klar darüber, dass es mehr braucht als die Planung von Attraktivitäten auf dem Dornacherplatz in Form von Lichtinstallationen, einem Spezialitätenmarkt oder einem Raclette-Plausch im Krummturm.

Damit sprach er den wenigen, aber teils aufmüpfigen Anwesenden aus dem Herzen. Diese legten den Finger vor allem auf die trotz Schliessung nicht gelösten Probleme mit der Wengibrücke, den als totale Fehlplanung wahrgenommenen Dornacherplatz und die Berntorstrasse mit den zum Teil heruntergekommenen und nicht bewohnten Häusern, die sich in den Händen von nicht immer seriösen Besitzern mit nur wenig Bezug zu Solothurn befänden.

400 Busse walzen schöne Träume platt

Während die einen von einer optischen und fussgängerfreundlichen Verschönerung des Strassenzugs von der Wengibrücke bis hin zum Bahnhof träumen, gehen die anderen davon aus, dass die 400 Busse, die täglich die Wengibrücke passieren, wenig Platz für allzu schöne Träume lassen. So plädierte der anwesende Buschauffeur für breitere Trottoirs mit einer integrierten Velospur «weil das Gefahrenpotenzial für Velofahrer enorm hoch ist, wenn sich die Busse kreuzen».

Den Vorschlag, eine einspurige Busfahrt einzuführen, lehnte er allerdings aus verschiedenen Gründen ab. Viel zu reden gab auch die angestrebte Vignette für Gewerbe treibende Vorstädter und andere mobilisierte Verkehrsteilnehmer, für die eine Überquerung sinnvoll wäre. «Wir kennen das Problem und werden einen Antrag stellen», konnte Tschumi beschwichtigen.

Während der eng mit dem geplanten Neubau der Gewerbeschule und der Kaufmännischen Berufsschule verknüpfte Kreuzackerpark mit dem neugestalteten östlichen Teil und der neuen Beleuchtung bereits eine Verbesserung erfahren hat, besteht, was die Nutzung des Dornacherplatzes betrifft, ganz offensichtlich noch eine gewisse Ratlosigkeit. Vor allem die fehlende Infrastruktur, wie Toilettenanlagen oder Stromanschlüsse, mache viele Projekte wieder zunichte, war zu hören. Immerhin, die Ideen scheinen noch nicht ausgegangen zu sein, und die Vereinigung Pro Vorstadt sei daran, das Thema weiterverfolgen, so Tschumi.

Rotlichtzone macht wenig Freude

Ein weiteres Ärgernis scheint auch die Rotlichtzone beim «Capitol» zu sein. Nachdem der «Adler» mit Gassenküche und Drogenanlaufstelle nun eher gute Noten bekommt, könnte man sich in Zukunft die Zähne in dieser Ecke ausbeissen. «Was dort täglich vor den Blicken der Busfahrenden abgeht, ist unzumutbar», wusste ebenfalls der Buschauffeur, der täglich dort vorbeifährt und überzeugt ist, dass «die Vorstadt eindeutig zu klein ist für ein derart grosses Gewerbe».

Schliesslich war man sich jedoch einig, dass die Vorstadt mit ihren schönen Quartieren, ihren Grünflächen, ihrem Gewerbe und den vorhandenen Ladenflächen viel Potenzial in sich birgt, und es nur eine Sache der Zeit und der Geduld sei, bis man sich mit der grösseren Schwester «ännet der Aare» messen könne.