Ebola-Epidemie

Schon beinahe 2000 Tote: Kann Ebola bald die Schweiz erreichen?

«Falls sich ein Schweizer Staatsangehöriger mit dem Ebola-Virus infizieren sollte, sind Möglichkeiten zur Betreuung in der Schweiz vorhanden», sagt Daniel Koch.

«Falls sich ein Schweizer Staatsangehöriger mit dem Ebola-Virus infizieren sollte, sind Möglichkeiten zur Betreuung in der Schweiz vorhanden», sagt Daniel Koch.

Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten des Bundesamtes für Gesundheit, weiss, warum sich das Virus so schnell ausbreitet und ob sich die Schweiz auf die Infektionskrankheit vorbereiten muss.

Wieso brauchen die Menschen in der Schweiz keine Angst vor Ebola zu haben?

Es gibt nach bisherigem Wissensstand keine Infektionen ausserhalb von Westafrika. Die von Ebola betroffenen Länder kontrollieren ausreisende Personen insbesondere hinsichtlich Verdachtsmomenten betreffend Ebola. Zudem haben ihre Nachbarländer die Grenzen geschlossen. Nur noch wenige internationale Fluggesellschaften bieten Flüge von und nach Guinea, Liberia und Sierra Leone an. Es gibt keine direkten Flugverbindungen in die Schweiz. Das Schweizer Gesundheitssystem ist sehr gut ausgebaut und die Grenzkontrollen wurden orientiert und sind in Alarmbereitschaft. 

Wie ist die Schweiz auf Ebola vorbereitet und medizinisch ausgerüstet?

Die Schweiz steht national und international mit allen relevanten Akteuren, die sich mit der Epidemie in Afrika und deren möglichen Auswirkungen auf Europa befassen, in engem Kontakt. Wie die meisten europäischen Länder wäre die Schweiz bei einem allfälligen Rücktransport einer erkrankten Person auf die Kooperation mit anderen Akteuren angewiesen. Absprachen mit Drittstaaten bzw. privaten Anbietern sind im Gang. Konkret würde das Vorgehen im Einzelfall festgelegt, aufgrund der jeweiligen Umstände und Anforderungen. Die Grenzkontrollen sind informiert und nehmen bei Verdachtsfällen mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) Kontakt auf. Auch die Empfangsstellen für Flüchtlinge und die Asylzentren wurden über das Vorgehen beim Eintreffen eventuell an Ebola erkrankter Menschen orientiert. Falls sich ein Schweizer Staatsangehöriger mit dem Ebola-Virus infizieren sollte, sind Möglichkeiten zur Betreuung in der Schweiz vorhanden.

Warum breitet sich das Ebola-Virus so schnell aus?

Die Gründe, warum sich das Ebola-Virus so schnell ausbreitet, sind vielfältig und zum heutigen Zeitpunkt auch nicht abschliessend bekannt. Eine wichtige Rolle spielt sicherlich, dass die Epidemie drei arme Länder trifft (Guinea, Liberia und Sierra Leone), von denen zwei durch einen langen, blutigen Bürgerkrieg gezeichnet sind (Liberia und Sierra Leone). Es handelt sich um Staaten mit einer schwachen Infrastruktur, gerade im Gesundheitswesen. Auch die Regierungen der Länder geniessen in der Bevölkerung nur bedingt Glaubwürdigkeit. Zum Teil bezweifelt die Bevölkerung die Existenz von Ebola und zeigt sich auch gegenüber schulmedizinischen Massnahmen, nicht zuletzt von ausländischen Hilfsorganisationen, misstrauisch. Zum Beispiel werden Infizierte zu Hause gepflegt und versteckt. Vermutlich ist das Ausmass der Epidemie zu spät erkannt und entsprechend reagiert worden.

Wieso dauern die Tests für geeignete Medikamente gegen das Virus so lange?

Tests von Medikamenten oder Impfstoffen brauchen Zeit und eine genügend grosse Zahl von Probanden, um stichhaltige Erkenntnisse bezüglich der Wirksamkeit und Nebenwirkungen zu gewinnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen mit zahlreichen Hilfswerken sowie Staaten, darunter die Schweiz, setzen alles daran, die Epidemie zurückzudrängen. Das muss gelingen, auch wenn sich das Wann im Moment nicht beantworten lässt. Die WHO rechnet aktuell mit sechs bis neun Monaten.

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