Kinderpornografie
Schockierend viele Jugendliche schauen sich Kinderpornos an

Bis zu 15 Prozent der Nutzer von Kinderpornografie sind Jugendliche, wie eine Studie zeigt. Und fast jeder Teenager zwischen 9 und 16 Jahren hat schon mal einen Pornofilm im Internet gesehen.

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Oft sind sich Jugendliche nicht bewusst, dass sie sich strafbar machen

Oft sind sich Jugendliche nicht bewusst, dass sie sich strafbar machen

Keystone

«Wir schätzen, dass drei bis fünfzehn Prozent der Kinderpornografienutzer Jugendliche sind», sagt die Zürcher Jugendforensikerin Cornelia Bessler gegenüber der Zeitung «Schweiz am Sonntag».

Unter der Leitung von Bessler untersuchte ein Forscherteam Akten von mehr als 250 Minderjährigen zwischen 10 und 18 Jahren, die wegen des Konsums von Kinderpornografie verurteilt wurden. Das Fazit: Bei den verurteilten Minderjährigen handelt es sich um eine heterogene Gruppe von meist «sehr jungen» Tätern. Der grösste Unterschied zeigte sich vor allem beim Nutzungsverhalten.

Während ein Teil der Jugendlichen Kinderpornografie-Seiten eher per Zufall anschaute oder aus Neugier darauf gestossen war, hatte sich eine zweite Gruppe sehr oft und lange auf den Portalen aufgehalten. «Bei den seltenen Nutzern würde wahrscheinlich eine Aufklärung über ethische und rechtliche Belange genügen», ist Jugendforensikerin Bessler überzeugt.

Bei den Intensivnutzern allerdings sei eine psychiatrische Abklärung unumgänglich. Hier könnte sich bereits eine pädosexuelle Neigung abzeichnen. Für Bessler steht fest: «Die Sexualität entwickelt sich im Jugendalter und die sexuelle Präferenz ist in diesem Alter meist noch nicht abschliessend festgelegt.» Hinzu kommt: Oft seien sich Jugendliche nicht bewusst, dass sie sich mit dem Herunterladen und Verbreiten von illegaler Pornografie strafbar machen.

Pop-ups locken auf Pornoseiten

Hochgerechnet sind in der Schweiz 338 000 Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 16 Jahren von Risiken im Internet betroffen. Für die Universität Zürich hat Martin Hermida die Gefahren im Netz untersucht. Sein Forschungsprojekt EU Kids Online, das der Zeitung «Schweiz am Sonntag» vorliegt, zeigt: Es besteht ein besonders grosses Risiko, dass Teenager im Internet auf sexuelle Darstellungen oder für ihr Alter problematische Inhalte stossen. «Rund ein Drittel der 15-Jährigen ist schon mit solchen Inhalten in Kontakt gekommen», sagt Hermida.

Dies sei vor allem auch darauf zurückzuführen, dass aufblickende Werbefenster, sogenannte Pop-ups, die Jugendlichen auf teilweise problematische Seiten führen. Die Studie zeigt aber auch, dass nicht jede Risikoerfahrung im Netz automatisch zu einem Schaden führt. Allerdings leiden Mädchen, jüngere Kinder und solche mit psychischen Auffälligkeiten stärker an den Folgen.

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