Die Aussagen kamen unerwartet. Bundesrat Johann Schneider-Ammann (FDP) lancierte Karin Keller-Sutter an ihrer eigenen Feier zur Ständerats-Präsidentin als seine mögliche Nachfolgerin.

Zuerst kam er auf die St. Galler Ständerats-Präsidenten Erika Forster (2010) und Karl Hoffmann zu sprechen, der im 19. Jahrhundert zweimal Präsident war. Dann folgten zwei Sätze, die alle verwunderten: «Dieses Ablenkungsmanöver, liebe Freunde, liebe Karin, soll nur den Weg in meine Fussstapfen freihalten. Wer zu früh den Kopf hinausstreckt, wird zurechtgestutzt.» Das aber habe Keller-Sutter nicht verdient. Zuvor hatte er betont, dass Keller-Sutter und er zunächst Rivalen gewesen seien. Sie hatten sich 2010 bei der Wahl in den Bundesrat duelliert. Inzwischen seien sie aber Freunde geworden, sagte er.

Sehr aufmerksam hatte CVP-Nationalrat Markus Ritter, Präsident des Bauernverbands, den Worten gelauscht. «Bundesrat Schneider-Ammann hat sich in der Kirche – in einem Hause Gottes – zu seinem Rücktritt geäussert», sagt er. «Dies war ein sehr starkes Zeichen.» Ritter wird Schneider-Ammanns Worte mit Genugtuung zur Kenntnis genommen haben.

Die Bauern liegen im Clinch mit dem Wirtschaftsminister, seit dieser seine Gesamtschau zur Agrarpolitik 2022 präsentierte. Sie sieht eine Öffnung der Märkte vor. «Wir lehnen diese Gesamtschau integral ab», sagt Ritter. «Sie ist keine Diskussionsbasis für eine Zukunftsstrategie für die Schweizer Landwirtschaft und muss vor allem in Sachen Grenzschutz überarbeitet werden. Kleine und mittlere Betriebe sollen mit dieser Strategie vollständig verschwinden.

Dies ist nicht haltbar.» Bei den Bauern herrsche «Ausnahmezustand». Ritter: «Wir hatten vier Wochen Zeit, mit unseren 85 Mitglieder-Organisationen unsere politischen Kräfte in Stellung zu bringen», sagt er. «Geplant sind zum Beispiel Resolutionen in möglichst vielen Kantonen, wie sie das Parlament des Kantons Jura bereits verabschiedet hat.»

Überrascht

Am Dienstag soll Schneider-Ammann im Rahmen der Diskussion über die Initiative für Ernährungssouveränität mit Rednern zugedeckt werden. «Jeder der mindestens 30 Redner soll seine persönliche Sicht aufzeigen.» Diese Reform erschüttere die gesamte Schweizer Landwirtschaft. Ritter: «Es geht um 155 000 Arbeitsplätze, um 50 000 vorgelagerte und 200 000 nachgelagerte Arbeitsplätze.»

Im Wirtschaftsdepartement ist man überrascht über den Widerstand. Man wolle den Bauern in die Zukunft helfen, sei zu Diskussionen bereit, habe stets mit offenen Karten gespielt, heisst es.

Auch wenn Schneider-Ammann plötzlich über einen Rücktritt spreche, ändere sich für ihn nichts, sagt Ritter. «Schneider- Ammann ist gewählt bis 2019. Ich arbeite mit dem zuständigen Bundesrat zusammen.» Keller-Sutter ihrerseits betont, die Frage einer Kandidatur stelle sich nicht. «Ich bin Ständerats-Präsidentin und Johann Schneider-Ammann ist Bundesrat», sagt sie. «Jeder macht seine Arbeit.»