Nachgefragt
Schneider-Ammann: «Wir hätten das eine oder andere offensiver angehen müssen»

Wirtschaftsminister Schneider-Ammann will sich bei der Suche nach Fachkräften nicht mehr einfach auf das Ausland verlassen und mehr Schweizer mobilisieren. Und er gibt zu: Man hätte im Vorfeld der Masseneinwanderungsinitiative mehr tun müssen.

Rinaldo Tibolla
Merken
Drucken
Teilen
Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

Keystone

Herr Schneider-Ammann, die Stossrichtung der Fachkräfteinitiative ist schon bekannt. Was ist konkret neu an den Massnahmen, die Sie vorgestellt haben?

Johann Schneider-Ammann: Ich habe Ihnen neue Massnahmen vorgestellt, im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (Mint) und im Gesundheitswesen. Dass diese nicht auf einer ganz neuen Linie liegen, stelle ich aber nicht in Abrede. Der Unterschied zu früher ist: Wir wollen konkreter werden. Es muss jetzt etwas geschehen. Wir können uns nicht mehr darauf verlassen, dass über die Zuwanderung die entsprechend qualifizierten Fachkräfte gefunden werden.

Die Fachkräfteinitiative wurde 2011 lanciert. Bereuen Sie, dass Sie die Forderungen nicht stärker vorangetrieben haben?

Hinterher ist man immer gescheiter. Wir haben mit den vorgegebenen Rahmenbedingungen das Mögliche gemacht. Ich stelle mit einer gewissen Zufriedenheit fest, dass ein eindrücklicher Katalog von Massnahmen entstanden ist. Die Sozialpartner und die Kantone haben sich in die Pflicht nehmen lassen. Aber grundsätzlich gesagt: Es ist einfach etwas, dass sich nicht über Nacht realisieren lässt. Am Anfang muss man viel Überzeugungsarbeit leisten, bis dann das Ganze ins Rollen kommt. Im Vorfeld der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative vom 9. Februar hätten wir aber das eine oder andere schon intensiver angehen müssen,

Die Erwerbsquoten in der Schweiz sind hoch. Schafft die Initiative, die Lücke zu schliessen, welche die Masseneinwanderungsinitiative reisst?

Mit dem Volksentscheid vom 9. Februar werden wir die Zuwanderung reduzieren. Wie genau, ist heute noch nicht festgelegt. Es braucht eine Kombination aus Spezialisten von aussen und aus Kräften im Inland, die zusätzlich ausgebildet wurden. Wir müssen schauen, dass wir so die Nachfrage der Wirtschaft befriedigen können. Ich bin aber kein Wachstumsprediger. Wir können die Quasi-Vollbeschäftigung nur aufrechterhalten, wenn wir die Innovativsten sind. Dafür braucht es auch die cleversten Köpfe in allen Stufen.

Wieso kann der Bundesrat bei den Ärzten nicht jetzt schon mehr Ausbildungsplätze festlegen?

Verschiedene Universitäten bieten schon mehr Ausbildungsplätze in der Medizin an. Laut dem Referenzjahr 2011 brauchen wir 700 zusätzliche Plätze jährlich. 200 wurden inzwischen geschaffen. Es ist also nicht Nichts gegangen. Da sind die Kantone zuständig. Aber gerade diese Woche habe ich vom ETH-Rat erfahren, dass man sich überlegt, im Medizinalbereich Kapazitäten aufzubauen. Das ist eine Bundesangelegenheit. Ein entsprechendes Projekt läuft also.

Sie möchten auch mehr Frauen wieder ins Berufsleben bringen, die Betreuungsangebote fördern und die Kosten dort senken. Wie kann das der Bund?

Es braucht ja erstens Krippen, damit die Mütter sorglos zur Arbeit gehen können. Wie viele es braucht und wo, ist eine lokale Angelegenheit. Wir sagen nun einfach, dass die Krippen unter Kostenkontrolle bleiben müssen. Der Staat kann ihnen nicht beliebig viel Mittel geben. Bessere Konzepte – vielleicht Zusammenschlüsse von Krippen, um die Kostenstruktur zu senken – sind gefragt. Wir geben nur noch Geld, wenn der Aufbau effizient geschieht.

Wenn alle Massnahmen Wirkung zeigen, kann die Schweiz auf die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative verzichten.

Die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative ist ein Volksauftrag. Und dieser Auftrag wird ausgeführt.