Es schien, als hätten sie sich nach den Niederlagen der vergangenen Jahre wieder etwas gefangen. Die Umfragewerte waren stabil. In den Fokus rückte vielmehr die CVP, die Wahlen in den Stammlanden und in St. Gallen einen Nationalrat unter Getöse verlor.

Doch mit Fukushima brach auch der zarte Frühling der FDP jäh ab. In einer am Wochenende von der «SonntagsZeitung» publizierten Wählerbefragung sackt die Partei fast 2 Prozentpunkte ab im Vergleich zu den Wahlen 2007. Real sind die Verluste im Kanton Baselland, wo 6 von 20 Landratssitzen wegbrechen. Im Kanton Zürich, der nächstes Wochenende sein Parlament neu bestellt, zittert die FDP. «Wir stehen im Gegenwind», sagt der Zürcher Kantonalpräsident Beat Walti.

CVP plus BDP gegen FDP

Auch die nationale FDP und ihre Doppelvertretung im Bundesrat stehen im Gegenwind, falls der Trend bis zu den eidgenössischen Wahlen im Herbst anhält. Als wahrscheinlichstes Szenario galt bislang, dass Eveline Widmer-Schlumpf im Dezember abgewählt wird und ihr Sitz zurück an die SVP geht. Für viele im Bundeshaus ist der Anspruch der SVP auf einen zweiten Vertreter in der Regierung unbestritten.

Jetzt rückt allerdings der zweite FDP-Sitz in den Vordergrund. Die FDP hat sich ihre zwei Bundesräte mit klugen Absprachen und mit dem Argument gesichert, dass sie nach Wählerstärke die drittgrösste Partei ist. Doch der Vorsprung auf die Nummer vier, die CVP, ist am Schmelzen. Eine Fusion mit der BDP würde vermutlich genügen, um die FDP zu überholen. Es ist kein Geheimnis, dass die CVP um die BDP buhlt. CVP-Präsident Christophe Darbellay sagt auffällig oft, er würde Widmer-Schlumpf wiederwählen. Mit einem Zusammenschluss hätte die CVP dank der wertvollen BDP-Mitgift wieder zwei Sitze im Bundesrat.

Mögliche Allianz von GLP und BDP

Auch die Grünliberalen sind offen für eine weitere Zusammenarbeit mit der CVP, wie Parteipräsident Martin Bäumle gestern auf Anfrage sagte. Er könnte sich auch vorstellen, dass sich die BDP an einer solchen Allianz beteiligt. Auch GLP-Ständerätin Verena Diener möchte wieder mit der CVP kooperieren - auch unter Einbezug der BDP.

Falls sich das Blatt tatsächlich gegen die FDP wendet, hätte der im letzten Herbst gewählte FDP-Vertreter Johann Schneider-Ammann schlechte Karten im Bundesrats-Poker. Ein Jahr reicht nicht, um markante Spuren zu hinterlassen. Kommt hinzu, dass der politisch wenig erfahrene Ex-Unternehmer die Bauern vom Agrarfreihandel mit der EU überzeugen muss - ein schier aussichtsloses Unterfangen. Sein klares Bekenntnis zur Atomenergie vor ein paar Tagen zeugt zwar von Rückgrat, könnte ihn aber im Dezember stimmen kosten. Martin Bäumle von den Grünliberalen lobt dagegen die BDP-Bundesrätin: «Widmer-Schlumpf hat politisch sehr geschickt auf die Katastrophe in Fukushima reagiert.»