Urs Byland

«Langenthal hatte meines Wissens noch keinen Bundesrat.» Der dies sagt, müsste es eigentlich wissen. Stadthistoriker Samuel Herrmann hat eine Riesenfreude. «Wir waren vor zwei Jahren zusammen in einer Sendung. Er als Unternehmer, als Mann der Wirtschaft und ich als Vertreter der Kultur. Das war eine besondere Sache.» Herrmanns Freude gilt aber auch dem Regionalzentrum Langenthal, «das nun in den politischen Zirkeln Erwähnung findet. Eine Wahl wäre für uns eine Ehre.»

Schneider-Ammann sei nicht der extrem rechts politisierende Vertreter der Wirtschaft, wie er manchmal dargestellt werde, sagt Samuel Herrmann. «Er hat bei diversen Abstimmungen gezeigt, dass er auch eine soziale Verantwortung wahrnehmen will.»

Als Oberst im Generalstab und als Freisinniger entspreche Schneider-Ammann dem urtypischen Langenthaler Modell. «1822 fand im freisinnigen Nest Langenthal das erste Offiziersfest statt, aus dem später die Schweizerische Offiziersgesellschaft wuchs.» Herrmann rät der lokalen FDP, sich auf ein grosses Fest vorzubereiten, obwohl die Zusage von Schneider-Ammann noch fehle. «Er hat gesagt, dass er keinen neuen Job brauche, weil er schon einen habe. Aber vielleicht hat er in seinem 31-jährigen Sohn bereits einen Nachfolger gefunden.»

«Er hat das Potenzial»

Die Frage der Nachfolge in der Firma Ammann beschäftigt auch Langenthals Stadtpräsidenten Thomas Rufener (SVP). «Trotz aller Komplexität könnte ich mir vorstellen, dass Johann Schneider-Ammann sich ein solches Szenario, also dass der Sohn eine leitende Funktion übernimmt, überlegt.»

Für Rufener, der den FDP-Nationalrat seit dem Gymer kennt, wäre Schneider-Ammann jetzt der richtige Kandidat. «Er hat das Potenzial, ist vom Alter und von den Voraussetzungen her in einer guten Ausgangslage, und seine Politik überzeugt mich.» Johann N. Schneider-Ammann sei sehr integer und verlässlich. «Wenn man politisch etwas bewirken will, braucht es klare Vorstellungen aber auch die Bereitschaft zu Kompromissen.» Das sei genau das, was Schneider-Ammann verkörpere. «Zudem braucht der Bundesrat in Sachen Teamfähigkeit Hilfe. Ein Gremium mit dieser Verantwortung muss als Team arbeiten können.»

Ein positiver Zug

Regierungsrat Hans-Jürg Käser (FDP), Vorgänger von Thomas Rufener, vertritt eine ähnliche Meinung: «Eigentlich sollte sich der Bundesrat aus sieben Persönlichkeiten zusammensetzen, jeder für sich integer und über der Partei stehend, aber auch fähig, gemeinsam Lösungen zu suchen.» Dies sei anspruchsvoll, habe sich aber bisher als positiv für die Schweiz erwiesen. Johann N. Schneider-Ammann erfülle diese Anforderungen. «Er ist ein umsichtiger Mensch, der abwägt und nicht einfach ‹dreinschiesst›. Das ist in der Politik ein positiver Zug.»

Käser betont, dass die FDP mit Schneider-Amman und Karin Keller-Sutter (Regierungsrätin, St.Gallen) zwei valable Kandidaten hat. Als Langenthaler freue er sich aber darüber, dass Schneider-Ammann bereits jetzt als Kandidat gehandelt wird. «Er vertritt als Persönlichkeit Werte, die ich hoch schätze. Und er hat in seiner Firma als auch im Militär Führungskraft bewiesen.» Käser, der zweimal in Schneider-Ammanns Wahlkomitee für den Nationalrat einsass, zeigt sich davon beeindruckt, wie Schneider-Ammann in Krisen die Arbeitsplätze seiner Firma zu halten versuchte. «Und er unterstützte Projekte, die die Nachhaltigkeit industrieller Produktion förderten. Das ist nicht selbstverständlich, aber wichtig.»