Die Sommerferien können warten: Bundesrat Johann Schneider-Ammann (FDP) ist auf Wirtschafts-Weltreise. Am letzten Sonntag startete der 65-Jährige in Russland, am Donnerstag und Freitag macht er Zwischenstation in Indonesien, am Samstag und am Sonntag in SaudiArabien. Dann geht es Anfang nächster Woche in die USA. Das immer gleiche Ziel des Wirtschaftsministers: Den Handel ankurbeln, den Schweizer Firmen im Ausland Absatzmärkte eröffnen und Aufträge verschaffen.

Aber die Reisen sind nicht unumstritten, führen sie doch in problematische Länder. Russland ist, unter anderem, mit Sanktionen belegt, in Saudi-Arabien etwa steht es ganz übel um die Menschenrechte. Und das Land führt Krieg gegen den IS und im Jemen, steht in diplomatischem Konflikt mit Katar.

Aber nicht nur das. Jetzt zeigt sich, dass es in Saudi-Arabien um die Sicherheit von Schneider-Ammann und seiner Wirtschaftsdelegation angeblich nicht zum Besten steht.

«Angespannte Sicherheitslage»

Das geht aus einer Stellungnahme des Wirtschaftsdepartements (WBF) gegenüber der «Nordwestschweiz» hervor. Diese hatte, gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz, Einsicht in die Teilnehmerliste der Wirtschaftmission nach Saudi-Arabien verlangt. Das Departement verweigerte die Herausgabe der Liste mit der Begründung: «Wir haben Anfang Woche einen Hinweis erhalten, wonach angesichts der angespannten Sicherheitslage in Saudi-Arabien die sofortige Bekanntgabe der Namen der Teilnehmerliste der Wirtschaftsdelegation zu einem erhöhten Risiko führen kann.» Das WBF werde die Liste deshalb erst nach Abschluss des Besuchs zugänglich machen.

Attentate, Geiselnahmen? Worin die Sicherheitsbedenken zu Saudi-Arabien genau bestehen, war nicht in Erfahrung zu bringen. Sie dürften jedenfalls erst in den letzten Tagen aufgetaucht sein, denn das «St. Galler Tagblatt» erhielt letzte Woche noch Zugang zu der Liste. Wie die Zeitung berichtete, besteht die Wirtschaftsdelegation, die Schneider-Ammann im Schlepptau hat, «primär» aus Vertretern des Finanzplatzes. Hersteller von Waffen oder Dual-Use-Gütern befänden sich im Unterschied zur Delegation, die Schneider-Ammann nach Russland begleitete, nicht darunter.

Eher innenpolitisches «Risiko»

Sind der Schweizer Wirtschaftsminister und seine vom Dachverband Economiesuisse zusammengestellte Delegation in Gefahr? SVP-Nationalrat Roland Büchel (SG), Präsident der Aussenpolitischen Kommission (APK), sieht das nicht so dramatisch. «Das Sicherheitsrisiko hält sich in Grenzen. Solche Delegationen sind nicht Zielscheibe der IS-Terroristen», sagt er auf Anfrage. Und ergänzt: «Das ‹Risiko› ist eher innenpolitisch. Wenn es nun Kritik vor allem aus dem linken Lager gibt, dann muss ein Wirtschaftsminister das aushalten und erklären, was es zu erklären gibt.» Er findet den Besuch «in Ordnung», Dialog sei immer gut. Ganz anders Carlo Sommaruga (GE), SP-Aussenpolitiker: «Wenn man vorgeben muss, die Sicherheit in Saudi-Arabien erlaube die Publikation der Liste nicht, dann zeigt das, dass die Reise ein schwerer politischer Fehler ist.»

Die Teilnehmer der Delegationen nach Russland und Indonesien legte das WBF im Unterschied zu jener aus Saudi-Arabien offen. In die USA reist Schneider-Ammann, der unter anderem Ivanka Trump treffen will, ohne Wirtschaftsdelegation im Schlepptau.

Im Fall der umstrittenen Russland-Reise waren vor allem Industrievertreter mit von der Partie: etwa Stadler Rail, Wandfluh Holding, Sulzer, Starrag, OC Oerlikon, Leica Geosystems. Auch ein Vertreter der Ammann Gruppe war dabei. Zudem Vertreter von Swatch, Roche, Novartis. Auf der Indonesien-Reise wird Schneider-Ammann unter anderem von Novartis, ABB, Bühler, UBS, Zurich begleitet. In der Person von alt Bundesrätin Ruth Metzler ist auch Switzerland Global Enterprises (ehemals Schweizerische Zentrale für Handelsförderung) vor Ort. Auf allen Reisen dabei ist Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer.