Schweiz-Iran
Schneider-Amman: «Handel erhöht den Druck auf den Iran, sich zu modernisieren»

Bundespräsident Johann Schneider-Ammann will auf seiner Reise nach Iran auch politische Fragen ansprechen.

Dennis Bühler
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Reist heute nach Iran: Bundespräsident Johann Schneider-Ammann. (Archiv)

Reist heute nach Iran: Bundespräsident Johann Schneider-Ammann. (Archiv)

Keystone

Herr Bundespräsident, weshalb reisen Sie in den Iran?

Johann Schneider-Ammann: Es geht bei diesem Staatsbesuch darum, Kontakte zu knüpfen. Der Iran war lange Zeit isoliert, er kommt erst jetzt zurück auf die Bühne des Welthandels und hat Aufholbedarf. Wir wollen dabei sein, wenn der Iran mit seinen Beschaffungen beginnt, wenn er Aufträge vergibt. Dies bringt beiden Handelspartnern Wertschöpfung, Innovation und letztendlich Arbeitsplätze. Deshalb freut es mich sehr, dass ich bei meiner Reise nach Teheran von rund 40 Wirtschafts- und einem Dutzend Wissenschaftsvertretern begleitet werde.

Werden Sie auch politische Themen ansprechen?

Selbstverständlich. Wir kommen nicht umhin, diverse politische Fragen zu diskutieren, beispielsweise das Verhältnis zwischen dem Iran und Israel und zwischen dem Iran und Saudi-Arabien. Und dann sind wir gleich bei der Diskussion von Wertvorstellungen, die wir mit Überzeugung vertreten und die sich teilweise von jenen des Iran unterscheiden. Ich werde bei meinem Besuch in Teheran auch Nachhaltigkeitsthemen und Menschenrechtsfragen ansprechen.

Glauben Sie, dass mehr Handel dem Iran letztlich auch mehr Demokratie bringen wird?

Vor der Wahl in den Bundesrat war ich ein überzeugter Businessman, jetzt bin ich ein auf Business basierter Politiker. Jede neu entstehende Handelsbeziehung bringt zusätzliche Transparenz, die wiederum den Druck auf alle am Handel beteiligten Personen erhöht, sich zu modernisieren und Menschenrechte zu respektieren. Deshalb ist es für mich auch ethisch sehr vertretbar, diese Reise in den Iran zu unternehmen.

Just gleichzeitig wie Ihre Reise finden die iranischen Parlamentswahlen statt, von welcher der Wächterrat Hunderte oder gar Tausende Reform-Kandidaten ausgeschlossen hat. Legitimieren Sie mit Ihrem Besuch nicht diese Veranstaltung, die sich beim besten Willen nicht als «freie Wahl» bezeichnen lässt?

Nein, mit unserer Reise legitimieren wir diese Wahl nicht, zumal am Freitagabend bei unserer Ankunft in Teheran die Wahllokale bereits geschlossen haben werden. Und im Vorfeld der Reise hat unser angekündigter Besuch wohl erst recht keinen Einfluss auf die iranischen Parlamentswahlen entfaltet – so wichtig werden wir nicht genommen und dürfen wir uns auch nicht nehmen (schmunzelt).