Öffentlicher Verkehr

Schnee bringt Verspätungen im öV - und Pendler ins Schwitzen

Was steckt eigentlich hinter all den Verspätungen, die schon kleine Schneemengen mit sich bringen?

Was steckt eigentlich hinter all den Verspätungen, die schon kleine Schneemengen mit sich bringen?

Kaum schneit es, ist bei S-Bahn, Bus und Tram mit Verspätungen zu rechnen. Die Ursachen sind vielfältig: Ausfallende Weichenheizungen, Türstörungen, mehr Fahrgäste, weil sie dem Auto bei Schnee fernbleiben wollen, und «Schleicher» auf den Strassen.

Pendler, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln (öV) unterwegs sind, können ein Lied davon singen: Kaum fällt etwas Schnee, ist bei S-Bahn, Tram und Bus mit Verspätungen zu rechnen. Zumeist sind es nur wenige Minuten, doch sie summieren sich - besonders, wenn man mehrere verschiedene Verkehrsmittel benützen muss, um ans Ziel zu gelangen. Kommt Termindruck hinzu, bringt die kalte Jahreszeit daher so manchen öV-Pendler ins Schwitzen.
Während beim Strassenverkehr der Einfluss des Schnees offensichtlich ist, fragt sich der Schienenpendler: Was steckt eigentlich hinter all den kleinen Verspätungen?

Das Trampeln auf den Trittbrettern

SBB-Sprecher Daniele Pallecchi nennt zwei Ursachen: technische und menschliche. Bisweilen falle eine Weichenheizung aus. Oder vom Zug breche Eis ab und falle genau in eine Weiche. «Das kann zu Verspätungen führen.» Auch Türstörungen treten laut Pallecchi im Winter vermehrt auf - wenn Passagiere auf den Trittbrettern den Schnee häufig und heftig von ihren Schuhen klopfen.

Passagiere tragen auch anderweitig zu Verspätungen bei: «Wenn Schnee angesagt ist, steigen viele Autofahrer, Velofahrer und Fussgänger auf den Zug um», so der SBB-Sprecher. Die S-Bahn erhalte dadurch rund zehn Prozent mehr Fahrgäste, laut Pallecchi «nicht unbedingt geübte Pendler». Die Folge: «Die Aufenthaltszeiten pro Station verlängern sich um 10, 15 Sekunden. Das summiert sich zu Minuten.»

Die Verspätungen, die sich so ergeben, zeigen laut Pallecchi auch auf, wie eng der Fahrplan ist. Mehr Stabilität im S-Bahn-Fahrplan werde die Eröffnung der Durchmesserlinie zwischen Zürich Altstetten und Zürich Oerlikon ab dem Jahr 2014 bringen. Die Pünktlichkeitsvorgaben des Zürcher Verkehrsverbundes hat die S-Bahn gemäss Pallecchi fürs laufende Jahr übrigens schon erfüllt. Die nötige Punktzahl sei erreicht. Punkte gibts, wenn während der Stosszeit mindestens 94 Prozent der Züge weniger als 5 Minuten und 59 Sekunden verspätet sind. Kürzere Verspätungen, wie sie sich jetzt wegen der Schneefälle häufen, sind dabei allerdings nicht erfasst.

«Autos blockieren den Verkehr»

Während bei der S-Bahn das erhöhte Passagieraufkommen, Tür- und Weichenstörungen für Verspätungen sorgen, kommen bei Tram und Bus noch andere Faktoren hinzu: «Zu Beginn der Schneesaison sind es vor allem Autos, die den Verkehr blockieren», sagt Andreas Uhl, Sprecher der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ). Viele seien noch mit Sommerreifen unterwegs, und generell werde sehr vorsichtig gefahren. «An sich ist das gut, nur: Es verlangsamt den Verkehr.» Und: «Auch der öffentliche Verkehr muss die Geschwindigkeit anpassen», so Uhl.

Tram- und Busverspätungen von fünf bis sechs Minuten seien bei Schnee üblich. Auch mit längeren Fahrzeiten müsse man rechnen. Die Technik sei dabei meistens nicht das Problem: «Dass wir aufgrund grosser Schneemengen technische Störungen haben, ist sehr selten», erklärt der VBZ-Sprecher. «Der Klassiker ist, dass eine Fahrleitung kaputt geht durch einen Ast, der abbricht.» Dann ist das Tram oder der Trolleybus auf der betreffenden Linie blockiert.
Dass der Tramverkehr in Zürich komplett zum Erliegen kam, geschah nach Kenntnisstand des langjährigen VBZ-Sprechers erst einmal: am Sonntag, 5. März 2006. Damals waren in der vorangehenden Nacht 54 Zentimeter Schnee gefallen.

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