Corona-Virus

Schmerzmittel Dafalgan schweizweit nicht mehr lieferbar – Chefapotheker warnt: Hört auf, zu hamstern!

Das Schmerzmittel Dafalgan ist schweizweit nicht mehr lieferbar

Das Schmerzmittel Dafalgan ist schweizweit nicht mehr lieferbar

Der Bund rationiert per sofort fiebersenkende Medikamente. Pro Person ist nur noch eine Packung pro Kauf erlaubt. Der Apothekerverband Pharmasuisse geht davon aus, dass Lieferengpässe bald behoben sind.

Das Schmerzmittel Dafalgan ist bereits seit gestern schweizweit nicht mehr lieferbar. Enea Martinelli, Chefapotheker der Spitäler FMI AG, bestätigt entsprechende Recherchen von CH Media. In verschiedenen Apotheken landesweit sind Schmerz- und Fiebersenkende Medikamente mit dem Wirkstoff Paracetamol bereits ausverkauft.

Gestern Dienstag seien alle Dämme gebrochen, sagt Martinelli – die Lage sei ähnlich wie zuvor bei den Detailhändlern und im Bereich Desinfektionsmitteln. Hamsterkäufe von gesunden Personen würden nun dazu führen, dass die Medikamente für diejenigen, die auf sie angewiesen sind, nicht mehr verfügbar seien.

Seit heute Mittwoch, 14 Uhr, dürfen Ärzte, Apotheken und andere Betriebe von bestimmten Medikamenten nur noch eine Packung abgeben. Das hat der Bundesrat beschlossen, um die Versorgung sicherzustellen. Diese neue Regelung gilt für vorerst sechs Monate. Bei chronisch kranken Personen ist die Abgabe auf die ärztlich verordnete Menge begrenzt oder für eine Bedarfsdeckung von höchstens zwei Monaten.

Der Entscheid erfolgt gestützt auf das Landesversorgungsgesetz. Demnach kann der Bundesrat im Fall einer unmittelbar drohenden oder bereits bestehenden schweren Mangellage zeitlich begrenzte wirtschaftliche Interventionsmassnahmen ergreifen, um die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern sicherzustellen.

Spitäler haben noch genug Vorrat

Auch Spitäler sind von den Lieferengpässen betroffen. "Wir selbst können auch kein Paracetamol mehr bestellen", sagt Martinelli. Wann wieder Medikamente geliefert werden können, ist derzeit unklar. Der Wirkstoff würde in Indien produziert, das Export-Stopp verfügt hätte. Und in China würden diese Medikamente in Wuhan hergestellt – in der Stadt, in der der Coronavirus seinen Anfang nahm, laufen die Fabriken erst langsam wieder an.

Die Spitäler, beschwichtigt Martinelli, hätten immernoch genug Medikamente mit dem Wirkstoff Paracetamol an Lager. "Das wird kein Grund dafür sein, dass Menschen sterben – aber es schränkt uns ein." Es sei nun eingetreten, was niemand gewollt habe: "Die Konsequenz ist nun, dass die Leute keine andere Wahl mehr haben, als auf den Wirkstoff Ibuprofen zurückzugreifen", sagt Martinelli. Es sei landesweit genug Paracetamol vorhanden, das werde aber nun bei den Privaten daheim gebunkert.

Das Bundesamt für Gesundheit rät derzeit von einer Einnahme von Ibuprofen ab, sofern Fieber bestehe – in den vergangenen Tagen waren Meldungen in Umlauf gekommen, dass Ibuprofen die Krankheitsverläufe von Corona-Patienten in Italien zusätzlich verschlimmert habe. Ein Zusammenhang ist wissenschaftlich jedoch bisher nicht bewiesen – ausserdem, sagt Martinelli, habe man Hinweise bei lediglich 30 Personen weltweit gefunden. Er rät deshalb dringend: "Wenden Sie sich an Ihren Apotheker, um mit ihm nach geeigneten Lösungen zu suchen."

Droht nun ein Engpass an Medikamenten für die Schweiz?

Der Apothekerverband Pharmasuisse geht auf Anfrage davon aus, dass alle Medikamente innerhalb von ein paar Tagen wieder verfügbar sein werden. Er begrüsst die Massnahmen, die der Bundesrat heute getroffen hat. Die letzten Tage hätten gezeigt, "dass die Apotheken-Kundschaft nach unnötigen Reserven verlangt, was vermehrt zu logistischen Engpässen und sogar zeitweisen Überlastung der Lieferkette geführt hat – trotz massivem Effort aller Beteiligten", schreibt der Verband.

Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung BWL hat sich bisher nicht zur Verordnung des Bundesrates geäussert. Auf der Webseite heisst es allgemein zu Medikamenten: "Die lebenswichtigen Medikamente sind der Pflichtlagerhaltung unterstellt. Es bestehen Vorräte im Umfang von 3-4 Monaten Normalverbrauch bei Antibiotika, Impfstoffen, starken Analgetika usw." Der Hersteller von Dafalgan, Bristol-Myers Squibb, der im Schweizerischen Steinhausen rund 200 Mitarbeitende beschäftigt, war auf Anfrage nicht erreichbar.

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