Baselland
Schmerzgrenze ist überschritten

Die Milchbauern aus der Region sind enttäuscht: Der Milchstreik brachte keine nachhaltige Preisstabilität.

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Euter

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Otto Graf

«Wir arbeiten mehr und bekommen dafür weniger Geld», kommentiert Ruedi Hirsbrunner, der in Sissach den Gutsbetrieb Ebenrain bewirtschaftet, die Entwicklung des Milchpreises. Vor einem Jahr sind die Milchbauern auch im Baselbiet auf die Barrikaden gestiegen und verlangten von den Verwertern einen höheren Preis. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verschaffen, stellten sie die Milchlieferungen ein. Dies verfehlte die Wirkung nicht: Nur einen Tag nach der Kampfansage lenkten die Verwerter ein und bezahlten den Bauern pro Kilo Milch sechs Rappen mehr.

Doch am 1. Mai dieses Jahres ging die Milchkontingentierung zu Ende. Der Milchpreis - ein reiner Marktpreis - war jedoch schon vorher abgesackt. Grund sind die Überkapazitäten. Aktuell bekommt der Produzent pro Kilo unter Berücksichtigung des Rückbehalts für den Abbau des Milchpulver- und Butterberges noch 54 Rappen.

«Tal der Tränen» und «verheerende Folgen»

«Für Produzenten, die kürzlich viel in den Ausbau der Infrastruktur investiert und deshalb hohe Kapitalkosten zu verkraften haben, ritzt dieser Preis die Schmerzgrenze deutlich», rechnet der Diegter Milchbauer Daniel Eschbach vor. Aber er gibt zu verstehen: «Es braucht eine Gesundschrumpfung. Deshalb müssen wir durch das Tränental.» Ein weiteres Sinken des Preises auf 45 Rappen pro Kilo, befürchtet er, hätte verheerende Folgen, sei aber der einzige Ausweg, um die angespannte Lage auf Dauer zu beruhigen. Nicht zuletzt sinke der Milchpreis, weil sich die Produzenten in der Schweiz nicht einig sind, was sie wollen, erklärt Eschbach weiter.

Ähnlich äussert sich Hirsbrunner. Er erzielte für seine nach biologischen Grundsätzen produzierte Milch im April einen Grundpreis von 82 Rappen. Abzüglich der Abgabe für die Preisstaffelung und weiterer Gebühren bekam er pro Kilo 75 Rappen ausbezahlt. Der Trend nach unten betreffe auch die Biomilch, obwohl hier nie eine Überproduktion zu verzeichnen war. «Wenn der Preisunterschied zwischen konventionell und biologisch produzierter Milch zu gross wird, sinkt die Nachfrage nach Biomilch.» Deshalb gerate der Biomilchpreis in den Sog des Preiszerfalls. Für ihn und seine Familie bedeute dies, dass der Stundenlohn aus der Milchproduktion, der vor drei Jahren noch bei 15 Franken lag, weiter sinken werde.