Kampagne

Schluss mit dem tödlichen Drohnenspass – Wildtiere sollen besser geschützt werden

Seit dieser Woche kursiert die neue Broschüre mit dem Titel «Rücksicht beim Fliegen mit Drohnen» im Internet.

Seit dieser Woche kursiert die neue Broschüre mit dem Titel «Rücksicht beim Fliegen mit Drohnen» im Internet.

Mit einer neuen Kampagne kämpfen Naturschützer, Jagdverwalter und ein Drohnen-Verein für einen besseren Schutz der Wildtiere.

Dominik Thiel hatte irgendwann genug. Die Meldungen über Drohnenpiloten, die mit ihren Geräten Wildtiere aufschreckten und in Schutzgebieten umherflogen, häuften sich auf seinem Tisch im St. Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Da waren die Videos von Gämsen im Säntisgebiet, die von heranbrausenden Drohnen aufgescheucht werden. Oder der Graureiher, der in einem Vogelschutzgebiet von einem Drohnenpiloten regelrecht gejagt wurde. Thiel, nebenamtlich im Ausschuss der Konferenz für Wald, Wildtiere und Landschaft (KWL) engagiert, hörte sich um und stellte fest, dass die Drohnen den Wildtieren auch in anderen Kantonen immer häufiger auf die Pelle rückten und entschied sich, gemeinsam mit einer KWL-Arbeitsgruppe, eine nationale Sensibilisierungskampagne zu lancieren. «Wildtiere werden vermehrt in Räumen gestört, in denen sie zuvor ihre Ruhe hatten», sagt Thiel. Offizielle Zahlen zu den Vorfällen gebe es keine. Die Zwischenfälle mit Drohnen seien aber ein Riesenproblem. «Was manchem Drohnenpiloten Spass macht, kann für die Tiere tödlich sein.»

Seit dieser Woche kursiert die neue Broschüre mit dem Titel «Rücksicht beim Fliegen mit Drohnen» im Internet. Getragen wird sie von einer Gruppe von neun Organisationen, darunter die Vogelwarte Sempach und der Schweizerische Verband Ziviler Drohnen (SVZD). Die Broschüre fasst die wichtigsten Empfehlungen zusammen, nach denen sich Drohnenpiloten in der Schweiz richten sollen. Fliegen solle man nur an übersichtlichen Orten, an welchen keine Wildtiere zu sehen seien. Sobald Wildtiere auftauchten, soll man das Fliegen einstellen. Zudem soll man auf Flüge entlang von Felswänden, in Naturschutz- und Wildruhezonen verzichten. Die Empfehlungen basieren auf neuen Untersuchungen der Vogelwarte Sempach und auf einer im März veröffentlichten Studie der Stiftung Technologiefolgen-Abschätzung (TA-Swiss).

Adler greifen Drohnen an

Rechtlich bindend sind die Empfehlungen allerdings nicht. Der SVZD fordert seine Mitglieder lediglich dazu auf, sie zu beachten. Auch das Schweizer Gesetz sieht nur relativ wenige Flugeinschränkungen für Drohnen vor, obwohl deren Anzahl rapide zunimmt. Laut der TA-Swiss-Studie sind in der Schweiz rund 100'000 Drohnen in Betrieb. Jährlich kommen derzeit 22'000 hinzu. Der Himmel gehört fast uneingeschränkt ihnen. Nur wenige Gesetze sind zu beachten: Drohnen bis 30 Kilogramm müssen lediglich Mindestabstände zu Flugplätzen, Blaulichteinsätzen und Menschenansammlungen einhalten. Zudem darf der Pilot die Drohne nicht aus dem Blickfeld verlieren.

In bestimmten Fällen dürfen die Kantone zudem regionale Flugverbote verhängen. Seit vergangenem Winter gilt ein solches Flugverbot auch im Schweizerischen Nationalpark im Kanton Graubünden. Trotzdem kommt es auch da immer wieder zu Störungen von Wildtieren durch herumfliegende Drohnen, erzählt Ruedi Haller, Leiter Forschung und Geoinformation beim Nationalpark. «2017 haben wir zwei Drohnenpiloten wegen Wildruhestörung gebüsst. Das kostet 100 Franken. Falls man mit der Drohne professionell fotografiert oder filmt, 200 Franken.» Zugenommen hätten die privaten Drohnen-Flüge vor allem entlang der Ofenpassstrasse, die durch den Park führe. Aber auch mit Drohnen, die für Forschungszwecke – etwa zur Aufnahme von Infrarotbildern – eingesetzt werden, kommt es immer wieder zu Problemen. 2016 gab es zwei Vorfälle, bei denen Steinadler Forschungsdrohnen attackiert hatten. In beiden Fällen sei nur die Drohne zu Schaden gekommen, sagt Haller. «Zum Glück.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1