Bern
Schlösser-Verein läuft Zeit davon

Der Verein «Berner Burgen und Schlösser» ist gegründet. Er hat fünf Mitglieder, Adrian Dellenbach als Präsident – aber kein Geld.

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Schloss

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az Langenthaler Tagblatt

Bruno Utz

Auch Standortgemeinden wollen kaufen

Ende März 2009 lief die Frist zur Abgabe unverbindlicher Angebote für die zwölf vom Kanton zum Verkauf ausgeschriebenen historischen Gebäude ab. Im Juni meldete der Kanton, aus über 200 Anfragen seien rund 50 Kaufangebote eingegangen. Auf Anfrage bestätigte gestern Doris Haldner vom kantonalen Amt für Grundstücke und Gebäude, wie vorgesehen hätten die Interessenten in den vergangenen Monaten die Liegenschaften besichtigt. Es seien alles in der Schweiz wohnhafte Personen, auch Standortgemeinden seien darunter. «Nein, Aarwangen nicht», antwortet Haldner auf die Frage, ob die Standortgemeinde doch noch die Absicht habe, «ihr» Schloss oder «ihr» Amtshaus zu kaufen. Nun könnten die Kaufwilligen bis am 15. Januar bei der vom Kanton mit dem Mandat beauftragte KPMG Real Estate in Zürich ihr definitives Angebot samt entsprechendem Nutzungskonzept einreichen. Für den Zuschlag berücksichtige der Regierungsrat nicht nur den Preis: «Auch nachhaltige Kriterien wie Auswirkungen auf den Verkehr und die Standortgemeinden werden beachtet», sagt Haldner. Für den «Verein Berner Burgen und Schlösser» habe der zum Präsident gewählte Adrian Dellenbach bereits bei der ersten Eingabewelle Richtofferten unterbreitet. Gemäss Fahrplan will der Regierungsrat ab Frühling 2010 laufend über Verkaufszuschläge entscheiden. Obs klappt, wird sich zeigen. Wäre alles wie bei der ersten Verkaufsankündigung im Oktober 2007 gelaufen, so wären die ersten Liegenschaften verkauft. Sicher ist aber, dass die grosse Züglete der Verwaltungsangestellten angelaufen ist (vgl. Artikel unten). (uz)

Breit eingeladen hatten Adrian Dellenbach (Konolfingen) und Erika Herrmann (Gerlafingen): «Viele engagierte Persönlichkeiten aus Berner Politik, Wirtschaft und Tourismus» sind auf dem Brief erwähnt. Doch an der Gründungsversammlung in Bern teilgenommen haben am Donnerstagabend lediglich ein Dutzend Leute. Die meisten waren Interessierte, denn als Vereinsmitglieder trugen sich neben Dellenbach und Herrmann nur drei weitere Personen ein, darunter SVP-Grossrat Thomas Fuchs (Bern) und Professor Alois von Graffenried (Biglen). Die Hand voll Mitglieder verabschiedete die Statuten und wählte Dellenbach zum Präsidenten sowie Herrmann als Vize. «Wir haben für den 7. Januar eine weitere Hauptversammlung beschlossen und hoffen, dann den Vorstand komplettieren zu können», sagt Dellenbach.

Ideen für Trachselwald

Weil sie von nationaler Bedeutung sind, verzichtet der Kanton auf den Verkauf der vier Schlösser Burgdorf, Büren, Laupen und Trachselwald. Um Nutzungsmöglichkeiten zu klären, lancierte er im vergangenen Frühling das Projekt «Idee sucht Schloss» und bewilligte dafür je 30 000 Franken. Gemäss Niklaus Meister, Sekretär der Arbeitsgruppe Trachselwald, gingen seither noch keine Vorschläge ein. Das soll mit dem Tag der offenen Tür am 29. Dezember ändern. An diesemDienstag kann das leere Schloss von 10 bis 16 Uhr besichtigt werden. Meister: «Wir hoffen, dass ein Besuch die Leute zu Ideen anregt.» (uz)

Hochgesteckte Ziele

Der Verein verfolgt hochgesteckte Ziele. Er will eine Stiftung gründen, um möglichst alle vom Kanton zum Verkauf ausgeschriebenen fünf Schlösser, vier Amtshäuser und drei weitere historische Liegenschaften zu erwerben. Keinen Bedarf mehr nach der Bezirksreform hat der Kanton für die Schlösser Aarwangen, Belp, Blankenburg, Schlosswil und Schwarzenburg sowie die Amtshäuser Aarwangen, Erlach, Meiringen und Wimmis. Alleine für die fünf Schlösser müsste die Stiftung rund 26 Millionen Franken zur Verfügung haben. Aber Geld sei bisher weder einbezahlt noch zugesichert worden, sagt Dellenbach und räumt ein: «Die Zeit läuft uns davon.» Das trifft zu, denn die verbindlichen Angebote müssen bis Mitte Januar eingereicht sein. «Wir entscheiden am 7. Januar, wie es weitergeht.» Dellenbach hofft, dass mindestens das Geld für den Kauf einer Liegenschaft zusammenkommt. Wie die Spenden andernfalls zu verwenden wären, lässt der Präsident offen: «Die Versammlung könnte darüber befinden, etwa dass wir die Mittel für das vermutlich 2012 auch noch zur Ausschreibung kommende Schloss Fraubrunnen einsetzen.» Auch eine finanzielle Unterstützung an die neue Nutzung der nicht zum Verkauf stehenden vier Schlösser Burgdorf, Büren, Laupen und Trachselwald erachtet Dellenbach als möglich.

Zweiter Aufschrei kommt

Präsident Dellenbach (30) ist Lokführer, die Vizepräsidentin im Immobiliengeschäft tätig. Erika Herrmann: «Mich faszinieren Schlösser. Sie haben eine ganz besondere Ausstrahlung auf mich. Manchmal habe ich das Gefühl, die Mauern können sprechen», sagt die im Freiburgischen aufgewachsene, mehrere Jahre im Bernbiet wohnhaft gewesene und heute in Gerlafingen Lebende. «Es stimmt, wir spürten bisher sehr wenig Rückhalt beim Volk. Wir sind aber immer noch zuversichtlich, sonst hätten wir gleich am Gründungsabend aufgegeben. Herrmann ist überzeugt, dass - wie 2007 nach dem Bekanntwerden der Verkaufsabsichten des Kantons - «wieder ein Aufschrei durchs Volk gehen wird, wenn man weiss, wer welches Schloss erhält.»

www.fv2007.ch