Regionaljournal
«Schliessung Regi völlig daneben»

Sechs Mal täglich berichtet das Regionaljournal Aargau-Solothurn mit Studio in Aarau aktuell aus beiden Kantonen. Radio DRS will sparen und prüft auch eine Schliessung. Doch Aargauer Politiker wehren sich vehement dagegen.

Merken
Drucken
Teilen
Regionaljournal

Regionaljournal

Von Hans Lüthi

Sparen ist derzeit auch bei den Medien Trumpf, Radio DRS muss bis 2011 fünf Millionen Franken einsparen. Auf dem Weg dazu werden alle möglichen Massnahmen geprüft. Eine davon ist laut «SonntagsZeitung» die Reduktion der heute sieben Regionaljournale auf nur noch vier oder drei.

Für den Aargau könnte das tiefgreifende Folgen haben, denn eine der Optionen ist besonders drastisch: Schliessung der Studios in Aarau, Luzern und St. Gallen. Diese haben je 27 bis 36 Mitarbeitende und in den letzten vier Jahren die Zahl schon um 10 Prozent abgespeckt. Schweizer Radio DRS zählt insgesamt rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (702 Vollzeit-Stellen), die Regi-Leute für Aargau-Solothurn, Zentral- und Ostschweiz machen knapp 100 Stellen aus. Wichtig: Die Regionaljournale könnten ohne Änderung des Konzession wegrationalisiert werden.

Widerstand aus der Politik

Falls die Radiochefs ihren Rotstift wirklich derart drastisch auf dem Buckel der Regionen ansetzen wollen, könnten sie ihre blauen Wunder erleben. «Eine solche Sparmassnahme wäre völlig daneben und katastrophal, weil die Medienlandschaft im Aargau schon jetzt stark monopolisiert ist», sagt SP-Regierungsrat Urs Hofmann.

Im Stragiepapier der SRG stehe genau das Gegenteil, es gebe andere Optionen zum Sparen. Wenn er nicht extrem früh zur Arbeit geht, schätzt Hofmann jeden Morgen die kurze, präzise Information des Regis aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport. Von der Qualität her sei die journalistische Leistung gut, vergleichbar mit jener in den Zeitungen. Von ausser her sei diese Information nicht möglich.

Gegen eine weitere Konzentration

Der Hintergrund eines Regionaljournal-Kahlschlags hängt laut Radio-Direktor Walter Rüegg mit der Tatsache zusammen, dass es in den Regionen immer mehr Privatradios gebe - wie etwa im Aargau Radio Argovia mit einem Vollprogramm. Für ihre Berichte bekämen sie ja auch einen Teil der Empfangsgebühren. Anders sieht es der Aargauer CVP-Präsident Franz Hollinger: «Wenn die Regi-Leute nicht mehr vor Ort sind, können sie ihren Auftrag niemals erfüllen. Von Zürich, Bern oder Basel aus ist das einfach nicht zu machen», betont Hollinger. Auch er will keine weitere Konzentration in der Medienwelt.

Radiowellen kennen keine Grenzen

Der Solothurner FDP-Ständerat Rolf Büttiker sagt kurz und bündig, was er von den möglichen Sparplänen hält: «Eine Schnapsidee». Im Gegenzug plädiert er dafür, bei DRS 4 Geld zu sparen. Ganz anders sieht der Aargauer SVP-Ständerat Maximilian Reimann die Dinge: «Schon bei der Einführung habe ich die Frage gestellt, ob es sich lohne, für die wenigen Sendezeiten eine derart grosse Infrastruktur aufzubauen.

Doch damals blieb ich ein einsamer Rufer in der Wüste», klagt Reimann und freut sich darüber, dass sich die Radioleitung jetzt mit solchen Sparplänen befasse. In der heutigen Medienwelt müssten die Macher nicht mehr physisch vor Ort sein. «Die Gebühren sind zu hoch», betont Reimann, und Synergien zu nutzen.

Weniger Information kein Thema

Ob die Sparsuppe so heiss gegessen wird, bezweifelt Andreas Notter, Leiter Kommunikation bei Schweizer Radio DRS. «Die Standorte sind in der Geschäftsleitung und im Verwaltungsrat noch gar nicht diskutiert worden». Das Defizit von 5 Millionen Franken könne ohne diesen Bereich auf null herunter gefahren werden. Dazu müssen alle Abteilungen einen Beitrag leisten. Bei DRS sei man sich bewusst, dass ein Abbau bei den Regionaljournalen viel Widerstand auslöse.