Bundesratssprecher
Schlechte Noten für die Chef-Sprecher der Bundesräte

Wer ist der beste Bundesratssprecher im ganzen Land? Eine Umfrage bei Journalisten zeigt: Es gibt nur schlechte und sehr schlechte. Am besten schneidet mit der knapp genügenden Note von 4,3 Jean-Marc Crevoisier ab.

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Kommunikationschef Jean-Marc Crevoisier lauscht den Voten seines Chefs.

Kommunikationschef Jean-Marc Crevoisier lauscht den Voten seines Chefs.

Keystone

Am 14. Dezember müssen die Bundesräte zur Wiederwahl antreten. Für drei von ihnen könnte es knapp werden. Auf der Kippe stehen Eveline Widmer-Schlumpf, Johann Schneider-Ammann und Didier Burkhalter. In dieser heiklen Phase ist es für sie besonders wichtig, auf einen erfahrenen Sprecher zählen zu können, der den Chef oder die Chefin gegenüber den Journalisten in ein gutes Licht zu rücken weiss.

Wer also ist in den Augen dieser Journalisten der beste Bundesratssprecher im ganzen Land? Das Branchenmagazin «Schweizer Journalist» hat für seine aktuelle Ausgabe, die heute erscheint, eine Umfrage gemacht, an der sich 62 Politikjournalisten beteiligten. Das Resultat ist ernüchternd: Am besten schneidet mit der knapp genügenden Note von 4,3 Jean-Marc Crevoisier ab, der Sprecher von FDP-Bundesrat Didier Burkhalter. Alle anderen sind in den Augen der Journalisten ungenügend. Am schlechtesten kommt mit der Note 3 Vizekanzler André Simonazzi weg, der als Bundesratssprecher für die gesamte Landesregierung tätig ist.

Ironie der Geschichte: Auf dem zweiten Platz rangiert ausgerechnet Christophe Hans, den Bundesrat Johann Schneider-Ammann vor kurzem entlassen hat, weil er mit dessen Arbeit nicht mehr zufrieden war. Hier wird sich zeigen müssen, ob es Nachfolger Ruedi Christen tatsächlich gelingen wird, seinen Chef in ein besseres Licht zu stellen - oder ob es allenfalls nicht am Kommunikationschef, sondern an Schneider-Ammann selbst lag, dass dieser immer wieder in ein Fettnäpfchen trat. Auf dem dritten Rang kommt Brigitte Hauser-Süess, die Sprecherin der ebenfalls gefährdeten Bundesrätin Widmer-Schlumpf.

Moderne Technokraten

Was zudem auffällt: Auf den vorderen Rängen befinden sich Sprecher der alten Schule. Diese lassen den Journalisten auch einmal eine Hintergrundinformation zukommen, die im Zeitungsartikel nicht zitiert werden darf - aber trotzdem interessant ist. Und so ganz nebenbei vielleicht den politischen Konkurrenten ein wenig alt aussehen lässt.

Auf den letzten Plätzen hingegen befinden sich Sprecher einer neuen Generation, die ein technokratisches Verständnis ihrer Aufgabe haben: Die Journalisten bekommen von ihnen nur das zu hören, was ohnehin im Communiqué steht. Oder, wie einer der Journalisten in der Umfrage zu Bundesratssprecher Simonazzi bemerkte: «Ein Informationsverweigerer erster Güte.»

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