Bachs
Schlechte Finanzen: Zürcher Gemeinde Bachs will in den Aargau übersiedeln

Der neue Finanzausgleich im Kanton Zürich sorgt für Unmut. Kleine Gemeinden würden benachteiligt, sagt der Bachser Gemeindepräsident Emanuel Hunziker. Nun will er mit dem Zürcher Unterländer Dorf in den Aargau übersiedeln.

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Huniker

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Sven Zaugg

Herr Hunziker, Sie wollen mit ihrer Gemeinde Bachs in den Aargau übersiedeln, weil ihnen der neue Finanzausgleich des Kanton Zürich ein Strich durch die Gemeinderechnung macht. Wo liegt das Problem?

Emanuel Hunziker: Mit dem neuen Finanzausgleich müsste die Gemeinde Bachs den Steuerfuss markant auf zirka 135 Prozentpunkte erhöhen. Und kleine Gemeinden mit weniger als 750 Einwohnern werden durch dieses neue Gesetz zur Fusion mit anderen Gemeinden gezwungen.

Arthur Helbling vom Gemeindeamt Zürich geht von einem langwierigen Prozess aus, damit sich die Unterländer Gemeinde dem Kanton Aargau anschliessen könnte. Zehn Jahre und drei Volksabstimmungen seien dafür nötig. Das scheint doch eher unrealistisch.

Hunziker: Stimmt, mit unserer Aussage den Kanton zu wechseln, wollen wir in erster Linie die Kantonsregierung aufschrecken und zeigen, dass nicht alle Gemeinden mit deren Leistung einverstanden sind.

Sie fordern vom Kanton 300 000 Franken à fonds perdu. Für was genau wollen sie diese Summe verwenden?

Hunziker: Die Bachser Bevölkerung darf aufgrund kantonaler Bestimmungen nicht weiter wachsen. Notwendige Mehreinahmen durch Steuern sind deshalb nicht möglich. Die 300 000 Franken sind quasi eine Entschädigung dafür.

Weshalb nicht fusionieren - Stadel, Weiach und Neerach drängten sich doch geradezu auf?

Hunziker: Richtig, nur zum jetzigen Zeitpunkt können die Auswirkungen noch nicht berechnet werden. Nach in Kraft treten des neuen Gesetzes können Fusionsgespräche aufgenommen werden. Allerdings darf der Steuerfuss einer «Grossgemeinde» nicht höher ausfallen, als der Steuerfuss der günstigsten Gemeinde, da sonst die Bevölkerung einer Fusion nicht zustimmt.

Im Wehntal hegt man dieselbe Abneigung gegen Gemeindefusionen. Eigentlich unverständlich, da dort die Schulen der einzelnen Gemeinden bereits fusioniert haben. Wieso wehren sich die kleinen Gemeinden derart gegen eine Zusammenlegung?

Hunziker: Ich kann nicht für die Gemeinden im Wehntal sprechen. Bachs läuft Gefahr, dass das Dorf und das Bachsertal innerhalb einer «Grossgemeinde» vernachlässigt wird. Bachs wäre somit ein abgetrenntes Tal am Rande. Wenn keine Bachser in den Gemeinderat der «Grossgemeinde» gewählt würden, könnte die Sorge um das Tal leiden.

Eine Fusion ist immer auch eine sehr emotionale Angelegenheit. Doch müssten Sie als Gemeindepräsident nicht primär an das finanzielle Wohl der Gemeinde denken?

Hunziker: Das mache ich, deshalb versuche ich eine Entschädigung zu erhalten.

Mit einer Fusion würden aber auch Infrastruktur- und Personalkosten gesenkt.

Hunziker: Infrastrukturkosten wohl kaum. Diese muss ja auch bei einer fusionierten Gemeinde erhalten bleiben. Es werden vor allem Personalkosten eingespart. Je nach Partnergemeinde muss diese Rechnung natürlich gemacht werden.

Wie weit sind die Verhandlungen mit Stadel, Weiach und Neerach gediehen?

Hunziker: Wir sprechen bereits seit rund zwei Jahren regelmässig miteinander und arbeiten in verschiedenen Bereichen zusammen. Konkrete Fusionsgespräche haben wir aber noch nicht geführt, da die finanziellen Auswirkungen einer Fusion zum heutigen Zeitpunkt nicht absehbar sind.

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