Walliser Wahlen
Schlappe für Freysinger: Er schafft es lediglich auf den 6. Platz

Bei den Walliser Regierungsratswahlen vom Sonntag hat der bisherige SVP-Staatsrat Oskar Freysinger eine Schlappe erlitten. Er kam lediglich auf den 6. Platz und wäre somit nicht gewählt. Es wird aber einen zweiten Wahlgang geben.

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Vor vier Jahren machte Oskar Freysinger (SVP) sowohl im ersten wie auch im zweiten Wahlgang der Walliser Staatsratswahlen ein Glanzresultat. Sein fünfter Platz am heutigen Sonntag dürfte ihn enttäuscht haben.

Vor vier Jahren machte Oskar Freysinger (SVP) sowohl im ersten wie auch im zweiten Wahlgang der Walliser Staatsratswahlen ein Glanzresultat. Sein fünfter Platz am heutigen Sonntag dürfte ihn enttäuscht haben.

Keystone/OLIVIER MAIRE

Keiner der 13 Kandidierenden hat bei den Walliser Regierungsratswahlen das absolute Mehr von 60'793 Stimmen erreicht. Damit ist niemand gewählt, und es wird ein zweiter Wahlgang nötig.

Das beste Resultat machte trotz der Affäre um sein ausserehelich gezeugtes viertes Kind der ehemalige Präsident der CVP Schweiz, Christophe Darbellay. Er erhielt 51'160 Stimmen. Hinter ihm folgt der bisherige CVP-Regierungsrat Jacques Melly mit 50'518 Stimmen.

Ein überraschend gutes Resultat erzielte auch der Oberwalliser CVP-Kandidat und Nationalrat Roberto Schmidt mit 49'964 Stimmen, der auf den dritten Platz kam. Im Oberwallis machte Schmidt sogar das beste Resultat von allen Kandidatinnen und Kandidaten.

Oskar Freysinger war der bekannteste und umstrittenste Walliser Politiker. Klicken Sie sich durch die Bilder seiner Karriere.
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Von 1999 bis 2002 ist Freysinger Präsident der SVP Wallis, die er mitbegründet hat.
National bekannt wird er, als er am SVP-Parteitag 2002 in Lupfig ein Spottgedicht vorträgt – mit einer Spitze gegen den damaligen Bundesratskandidaten Toni Bortoluzzi. (Symbolbild)
2003 zieht Freysinger in den Nationalrat ein, wie auch Pascale Bruderer (seit 2002 im Rat) und Christophe Darbellay.
Mit seinen Provokationen macht er sich schnell einen Namen und ziert bald die Titelblätter nationaler Medien. Hier geht es um ein Inserat, das Osama bin Laden auf einer ID zeigt.
Auch in seiner Partei steigt Freysinger auf. Ab 2012 ist er einer von sieben SVP-Vizepräsidenten.
Nach drei Legislaturen ist Schluss: Zu den nationalen Wahlen 2015 tritt der Walliser nicht mehr an.
Berührungsängste zu extrem rechten Kreisen kennt Freysinger nicht. Mehrmals gerät er deswegen in die Schlagzeilen. Er tritt etwa beim rechtsextremen deutschen Magazin «compact» auf.
2013 entsteht Wirbel um Freysinger, weil in einer SRF-Sendung die deutsche Reichskriegsflagge in seinem Büro zu sehen ist. Er lässt verlauten, ihm gefielen die Farben und Symbole...
...und nicht die Ideologie dahinter.
2013 gelingt ihm die Wahl in den Walliser Staatsrat.
Er ist Vorsteher des Departements für Bildung und Sicherheit.
Bei den Regierungsratswahlen 2017 peilt Freysinger die Wiederwahl an.
Im Wahlkampf startete Freysinger einen Frontalangriff auf die vorherrschende CVP.
Im ersten Wahlgang musste er bereits eine empfindliche Schlappe hinnehmen – er landete nur auf Platz 6. Nach dem zweiten Wahlgang war dann klar: Die Walliser haben ihn aus der Regierung gewählt.

Oskar Freysinger war der bekannteste und umstrittenste Walliser Politiker. Klicken Sie sich durch die Bilder seiner Karriere.

Keystone

Einer Sensation gleich kommt, dass die bisherige SP-Regierungsrätin Esther Waeber-Kalbermatten (34'120 Stimmen) und der ehemalige SP-Nationalrat Stéphane Rossini (32'788 Stimmen) noch vor dem bisherigen SVP-Regierungsrat Oskar Freysinger (30'857 Stimmen) liegen. Freysinger schafft es lediglich auf Platz sechs.

Freysinger tritt noch einmal an

Für Freysinger und sein "Rechtsbürgerliches Bündnis" ist das eine herbe Schlappe, hatte der ehemalige SVP-Nationalrat vor vier Jahren doch gleich auf Anhieb mit dem besten Resultat aller Kandidierenden auf Kosten der FDP den Einzug in die Walliser Regierung geschafft.

Im Vergleich zu 2013 verlor Freysinger mehr als 20'000 Stimmen. Er schnitt sowohl im Ober- wie auch im Unterwallis schlechter ab als vor vier Jahren. Sogar in seiner Wohngemeinde Savièse wurde Freysinger von Rossini geschlagen. Trotzdem will er beim zweiten Wahlgang noch einmal antreten, wie Freysinger gegenüber der "Tagesschau" des Schweizer Fernsehens sagte.

Voide deutlich distanziert

Auch der dissidente CVP-Kandidat Nicolas Voide, der mit Freysinger auf der Liste des "Rechtsbürgerlichen Bündnisses" kandidierte, liegt mit 26'305 Stimmen deutlich hinter den drei offiziellen CVP-Kandidaten. Voide sagte in einer ersten Reaktion, der Abstand zu Darbellay sei deutlich; er entscheide aber erst am Dienstag zusammen mit dem "Rechtsbürgerlichen Bündnis" über einen allfälligen Rückzug.

Die Kandidatur von Voide war direkt gegen Darbellay gerichtet, denn die beiden stammen beide aus dem Bezirk Martigny. Augrund der Kantonsverfassung kann nur ein Vertreter pro Bezirk gewählt werden.

Die dritte Kandidatin der Liste des "Rechtsbürgerlichen Bündnisses, die SVP-Kandidatin Sigrid Fischer-Willa aus Brig, liegt mit 20'185 Stimmen abgeschlagen auf dem viertletzten Platz. Noch vor Fischer-Willa platzierte sich mit 22'763 Stimmen der CSP-Kandidat Jean-Michel Bonvin, der auf der SP-Liste kandidierte.

Die FDP schaffte es nicht, einen ihrer beiden Kandidaten in eine gute Ausgangslage für den zweiten Wahlgang zu bringen: Frédéric Favre wurde mit 22'731 Stimmen neunter, Claude Pottier bildet mit 16'798 Stimmen gar das Schlusslicht.

Der Kandidat der Grünen und Geschäftsleiter von Pro Natura Wallis, Thierry Largey, landete mit 17'890 Stimmen auf den drittletzten Platz, auf dem zweitletzten Platz befindet sich mit 17'389 Stimmen der Sprecher der Walliser Kantonspolizei mit seiner Bürgervereinigung Wallis, Jean-Marie Bornet.

Die Wahlbeteiligung betrug 58,09 Prozent, verglichen mit 68,14 Prozent vor vier Jahren. Die Resultate der Kantonsratswahlen werden erst nach 20 Uhr erwartet. Bisher verteilten sich die 130 Sitze im Grossen Rat wie folgt auf die Parteien: Die CVP war bisher mit 61 Sitzen die mit Abstand grösste Partei, gefolgt von der FDP mit 28 und der SVP mit 21 Sitzen. Die Linke Allianz kam zusammen auf 20 Sitze: Die SP stellte bisher 15 Sitze, die CSP drei und die Grünen zwei.

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