SP-Präsident Christian Levrat verteidigt seinen Ständeratssitz gegen SVP-Mann Jean-François Rime. Eine weitere Niederlage einstecken müssen dagegen die Grünen: Sie verlieren den Waadtländer Ständeratssitz an die FDP.

Die Genossen können aufatmen. Christian Levrat bleibt bei der SP fest im Sattel. Die SVP ist mit ihrem Angriff auf den Sitz des SP-Präsidenten klar gescheitert. Levrat distanzierte den SVP-Kandidaten Jean-François Rime um rund 18 000 Stimmen. Für die Rechtsbürgerlichen zahlte sich das Manöver nicht aus, nach dem ersten Wahlgang ihren Kandidaten auszuwechseln.

Statt Emanuel Waeber schickte sie Jean-François Rime ins Rennen. Der Nationalrat und Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbands landete hinter Volkswirtschaftsdirektor Beat Vonlanthen (CVP) abgeschlagen auf dem dritten Platz. «Das war eine klare Botschaft an die SVP. Die Bevölkerung ist nicht bereit, alle Hebel der Macht der SVP zu übergeben», kommentierte Levrat seine Wiederwahl.

Mit dem Ergebnis von gestern bestätigte das Freiburger Stimmvolk die Zauberformel à la Fribourgoise: Mit Levrat und Vonlanthen vertreten je ein Vertreter von CVP und SP, je ein Welsch- und ein Deutschfreiburger, den Kanton auch künftig in Bern.

Bittere Niederlage für Recordon

Mit dem besten Resultat wiedergewählt wurde im Kanton Waadt die SP-Ständerätin Géraldine Savary. Ihre Pfründe nicht zu verteidigen vermochten hingegen die Grünen. In einem spannenden Wahlkrimi schnappte sich FDP-Mann Oliver Français überraschend den zweiten Sitz im Stöckli.

Der Bisherige Luc Recordon blieb über 3000 Stimmen hinter Français zurück. Keine Konsequenzen hat Recordons Niederlage für Adèle Thorens: Die Co-Präsidentin der Grünen schaffte die Wahl in den Nationalrat nicht auf Anhieb. Sie landete am 18. Oktober hinter dem Lausanner Stadtpräsidenten Daniel Brélaz und Luc Recordon auf dem dritten Platz. Recordon kündigte an, die Wahl nicht anzunehmen.

«Wir Ü-60 Elefanten sollten eine junge, dynamische Frau nicht blockieren», sagte Recordon. Mit seinem Abschied aus der Bundespolitik macht er Thorons den Weg frei für den Nationalrat.

Rechtsrutsch relativiert

In Genf marschierte das links-grüne Tandem erwartungsgemäss durch. Liliane Maury Pasquier von der SP und der Grüne Robert Cramer schafften die Wiederwahl deutlich. Ihre zersplitterte bürgerliche Konkurrenz blieb chancenlos.

Vakant sind noch elf Sitze, doch schon jetzt ist klar: Der Rechtsrutsch, von dem seit den Wahlen immer wieder die Rede ist, wird durch den Ständerat etwas relativiert. Grosse Verschiebungen sind in der kleinen Kammer nicht zu erwarten.

Die FDP kommt bisher auf neun, die SVP auf fünf Sitze. Selbst wenn die FDP im besten Fall noch fünf Sitze zulegen und die SVP zwei weitere Sitze holen würde, bliebe der Bürgerblock knapp in der Minderheit. Kommt hinzu, dass zwischen FDP und SVP auch in der zweiten Runde der Ständeratswahl mehr Konkurrenz als Zusammenarbeit herrscht. Im Aargau duellieren sich FDP-Präsident Philipp Müller und Hansjörg Knecht von der SVP.

Lachende Dritte könnte Ruth Humbel von der CVP sein. Und in Zürich steigt mit Bastien Girod ein Grüner in die Hosen, um von der fehlenden Eintracht der Bürgerlichen zu profitieren. Die SVP weigerte sich nach dem ersten Wahlgang beharrlich, ihren Kandidaten Hans-Ueli Vogt zugunsten des aussichtsreicheren FDP-Vertreters Ruedi Noser zurückzuziehen.

An CVP führt kein Weg vorbei

Die SP hat ihrerseits neun ihrer elf Ständeratssitze im Trockenen. Machen am nächsten Sonntag die bisherigen Ständeräte Paul Rechsteiner (St. Gallen), Roberto Zanetti (Solothurn) und Hans Stöckli (Bern) das Rennen, holen sich die Sozialdemokraten gar einen zusätzlichen Sitz. Da die Grünen gleichzeitig ein Mandat einbüssten, bliebe beim linksgrünen Lager, zumindest aus numerischer Sicht, alles beim Alten.

Wenn es darum ging, politischen Dossiers zum Durchbruch zu verhelfen, spielte die CVP stets das Zünglein an der Waage. Die Mittepartei verfügte gemeinsam mit der FDP oder gemeinsam mit der SP über eine knappe Mehrheit. Von den 13 Mandaten gelang es ihr heuer, deren zehn zu verteidigen. Am nächsten Sonntag kommen voraussichtlich noch die Ständeratssitze von Filippo Lombardi (Tessin) und Konrad Graber (Luzern) hinzu.

Beide dürften ihre Wiederwahl problemlos schaffen. Holt sich Erich Ettlin auch noch den Obwaldner Sitz, hätte die Mittepartei ihre Anzahl Mandate verteidigt. Anderenfalls würde die CVP verglichen mit 2011 einen Sitzverlust beklagen. Dennoch gilt für FDP, wie für SP: Wollen sie politisch etwas bewegen, führt auch in den nächsten vier Jahren kein Weg an der «C»-Partei vorbei.