Die «Hableany» wurde binnen Sekunden von den Fluten der Donau verschlungen. Am Mittwochabend war das kleine Schiff auf dem Fluss mitten in der Stadt Budapest mit einem Flusskreuzer zusammengestossen und sofort gekentert. Sieben Menschen ­verloren dabei ihr Leben, nach ­21 weiteren Personen war die ­Suche bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch im Gang.

Insgesamt hatten sich 30 Personen auf dem Ausflugsschiff ­befunden, sieben konnten mit einer Unterkühlung aus dem Wasser gerettet werden. Das bilanzierte Polizeioberst Adrian Pal an einer Pressekonferenz in der Nacht auf gestern. Ihm zufolge war das kleinere Ausflugsschiff vor das weitaus grössere Kreuzfahrtschiff gebogen. Es kam zur Kollision. Die ungarischen Behörden haben ein Strafverfahren gegen unbekannt eingeleitet.

Tote und Vermisste nach Schiffsunglück in Budapest

Tote und Vermisste nach Schiffsunglück in Budapest

Ein Ausflugsschiff mit südkoreanischen Touristen an Bord ist nach einem Zusammenstoss auf der Donau in Budapest gekentert und gesunken. Es gibt zahlreiche Tote und Vermisste.

Eine Serie von Unglücken

Bislang scheint es, als hätten sich alle Opfer auf dem kleineren Schiff befunden, das eine Reisegruppe aus Südkorea mit sich führte. Das Kreuzfahrtschiff dagegen fährt unter Schweizer Flagge: Die «Viking Sigyn» gehört zur Flotte von Viking River Cruises, einer Flussfahrtgesellschaft mit Sitz in Basel. Eine Sprecherin des Unternehmens liess gegenüber der Nachrichtenagentur SDA verlauten, Crew und Passagiere seien nicht zu Schaden gekommen.

Die Reederei wurde in den vergangenen Jahren mehrfach von Unglücken heimgesucht: Bereits 2005 krachte ein Passagierschiff in Wien in einen Tanker, 160 Passagiere blieben unverletzt. 2016 kam es zu einer Reihe von Unfällen; beim gravierendsten in Erlangen verloren zwei ­Personen ihr Leben. Franz Neumeier, deutscher Reisejournalist und Kreuzfahrt-Experte, hatte dazu auf seinem Blog Cruisetricks.de eine Serie von Unglücken auf deutschen Flüssen mit teilweise grossen Sachbeschädigungen recherchiert.

Gegenüber unserer Zeitung spricht Experte Neumeier von einem grossen Druck, unter dem die Reedereien stehen. «Gerade Flussfahrten boomen. Gleichzeitig ist es für die Reedereien sehr schwierig, erfahrenes Personal zu finden», sagt er. Ein Zusammenhang mit einzelnen Ereignissen liesse sich allerdings freilich nicht herstellen. Die Aussage deckt sich mit Recherchen der «Schweiz am Wochenende», wonach Basler Reedereien zuweilen bis nach Indonesien oder China gehen müssen, um geeignetes Personal zu rekrutieren.