1. Nordwestschweiz: Viele offene Fragen nach Nein zur Spitalfusion

Das Kantonsspital Bruderholz in Binningen BL steht vor einer unklaren Zukunft.

Das Kantonsspital Bruderholz in Binningen BL steht vor einer unklaren Zukunft.

Nach der gescheiterten Spitalfusion der beiden Basel steht insbesondere der Kanton Baselland vor einem Scherbenhaufen. Das dortige Kantonsspital mit den Standorten Liestal, Bruderholz und Laufen könne in der heutigen Ausprägung nicht überleben, sagte Verwaltungsratspräsident Werner Widmer am Sonntag. Der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber fordert denn auch, dass das Kantonsspital Baselland seine Kosten und Erträge ins Gleichgewicht bringen muss. Für 2018 rechnet das Spital mit einem Defizit von 14,5 Millionen Franken.

Das Wort Spitalschliessungen mochten die Verantwortlichen bislang nicht in den Mund nehmen. Doch insbesondere für das Spital Bruderholz, das sich an der Grenze zu Basel befindet, stellt sich die Frage, wie es weitergehen soll. Die Fusionspläne hätten dort eine Tagesklinik für ambulante Eingriffe sowie ein Orthopädie- und Reha-Zentrum vorgesehen. Ohne neue Kooperationen ist eine Schliessung nicht ausgeschlossen.

Für das Universitätsspital Basel stellen sich vor allem mittelfristig mehrere Herausforderungen. So ist etwa offen, wie lange das kleinste Unispital der Schweiz alleine die national festgelegten Fallzahlen erreichen kann, um die lukrativen Leistungsaufträge für die hoch spezialisierte Medizin zu erhalten.

Gut möglich, dass im Baselbiet nun eine Zusammenarbeit mit den Kantonen Solothurn oder Aargau ins Spiel gebracht wird. Im Aargau wird wie andernorts in der Schweiz kräftig investiert. So soll in Aarau, dem grössten Spital des Kantons, ein 600 Millionen Franken teurer Neubau entstehen. In Baden werden 450 Millionen Franken in ein neues Spital investiert. In Solothurn kostet das neue Bürgerspital 340 Millionen Franken. Die Ausgaben übernimmt der Kanton, im nächsten Jahr steht die Eröffnung an. (mka)

2. Zentralschweiz: Luzern forciert einen Spitalverbund

Das Kantonsspital Nidwalden in Stans spannt mit Luzern zusammen.

Das Kantonsspital Nidwalden in Stans spannt mit Luzern zusammen.

Während in der Region Basel die Spitalfusion soeben gescheitert ist, wird in der Innerschweiz an einer verstärkten überkantonalen Zusammenarbeit gezimmert. Bereits seit 2012 bilden die Kantonsspitäler Luzern und Nidwalden die gemeinsame Spitalregion namens «Lunis». Im November 2018 haben die beiden Spitäler und der Kanton Luzern einen Aktionärsbindungsvertrag für eine noch engere Zusammenarbeit unterzeichnet. So wird sich das Luzerner Kantonsspital mit 60 Prozent am Spital Nidwalden beteiligen. Doch die Fusionspläne stehen in der Kritik: Vor allem die Linke bezeichnet das Vorhaben als intransparent und undemokratisch. Insbesondere die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft stösst auf wenig Gegenliebe – ein Argument, das auch die Gegner der Basler Spitalfusion vorbrachten. Ein Referendum ist daher absehbar.

Im Januar 2019 wurde zudem bekannt, dass auch die Obwaldner Regierung eine Fusion mit dem Luzerner Kantonsspital prüft. Der Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf zeigt sich offen, sollten sich weitere Spitäler in anderen Kantonen anschliessen wollen.

Die Zusammenarbeit mit dem Luzerner Kantonsspital wäre für die Obwaldner nicht die erste. Seit Anfang 2017 wird die psychiatrische Versorgung der Ob- und Nidwaldner Bevölkerung in Sarnen durch die Zusammenarbeit mit der Luzerner Psychiatrie gewährleistet. Zudem betreibt das Luzerner Kantonsspital seit Anfang Jahr im Zuger Kantonsspital in Baar eine Abteilung Radio-Onkologie.

Derweil wird auch in der Innerschweiz kräftig in die Spitäler investiert. Das Luzerner Kantonsspital mit seinen Standorten Sursee und Wolhusen plant bis 2035 Investitionen von rund 2,1 Milliarden Franken. Das Spital in Wolhusen und jenes in Sursee sowie das Kinderspital werden neu gebaut. (mka)

3. Ostschweiz: Paukenschlag führt zu Protesten

Das Kantonsspital St. Gallen ist die wichtigste Zentrumsklinik in der Ostschweiz.

Das Kantonsspital St. Gallen ist die wichtigste Zentrumsklinik in der Ostschweiz.

Partnerschaften über die Kantonsgrenzen hinaus sind zwar auch in der Ostschweiz ein Thema. Doch seit dem letzten Jahr ist die Diskussion in den Hintergrund gerückt. Denn der mit Abstand grösste Player St. Gallen steckt in finanziellen Nöten. Laut dem Verwaltungsrat der St. Galler Spitalverbunde droht den Spitälern des Kantons ein jährliches Defizit von 70 Millionen Franken. Die Spitalverbunde wollen deshalb die Bettenstationen der Standorte Flawil, Wattwil, Altstätten, Rorschach und Walenstadt schliessen. Stationäre Angebote soll es nur noch in St. Gallen, Grabs, Uznach sowie in Wil geben. Den Bauprojekten in Altstätten und Wattwil hat der Verwaltungsrat der Spitalverbunde eine «Denkpause» verordnet.

Dieser Paukenschlag führte zu Protesten in den betroffenen Regionen und zu einer hitzigen Spitaldebatte. Die Empörung ist auch deshalb so gross, weil das Stimmvolk 2014 Kredite von 805 Millionen Franken für die Erneuerung und den Ausbau einiger Spitäler deutlich gutgeheissen hatte. Letzten Herbst wurden deshalb Rekurse gegen den Bau- respektive Planungsstopp in Altstätten und Wattwil eingereicht. Laut einem Gutachten der St. Galler Regierung haben der Kantonsrat und schliesslich das Volk das letzte Wort bezüglich Spitalschliessungen.

Gleichzeitig zeigt sich St. Gallen offen für Kooperationen mit den Nachbarkantonen und Liechtenstein. Jedoch stösst dies auf wenig Gegenliebe. Liechtenstein hält aus Angst vor einem Verlust der Autonomie am eigenen Spital fest. Trotz wiederholter Gespräche gibt es auch keine tiefgreifende Kooperation mit den beiden Appenzell, die sich ebenfalls für den Erhalt der eigenen Spitäler entschieden haben. Lediglich in der Chirurgie und der Gastroenterologie gibt es eine Zusammenarbeit mit dem Spital Appenzell. (mka)

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