Herr Schawinski, was sagen Sie zur Nationalratskandidatur von Roger Köppel?

Roger Schawinski: Ich bin überhaupt nicht überrascht. Instinktiv habe ich schon immer gewusst, dass er diese Karriere anstrebt. Und wohl auch Bundesrat werden will. Natürlich hat er dies in meiner Sendung ungefähr 1000 Mal dementiert, aber es war für mich nie glaubwürdig. Es war augenfällig, dass nur Köppel das politische Erbe Blochers antreten wird. 

Warum?

Weil diese Partei schlicht keine Alternativen hat. Seine Tochter hat abgesagt, Mörgelis Glaubwürdigkeit ist zerstört und sonst haben sie in der ganzen grossen Partei niemanden, der intellektuell und rhetorisch beschlagen ist. 

Fühlen Sie sich bestätigt? Sie haben ihm ja bei jeder Gelegenheit vorgeworfen auf SVP-Linie zu publizieren, obwohl er es abgestritten hat.

Natürlich zeigt sich seit Jahren, dass er immer buchstabengetreu auf dieser Linie ist. Die Frage, die mich mehr interessiert, ist, wer vorgeplappert hat. War er es? Oder war es Blocher oder Mörgeli?

Was glauben Sie?

Wahrscheinlich war es mal so und mal anders. Der Begriff «Freisinn blocherscher Prägung» stammt eher von ihm. Der neue Patriotismus-Begriff, der etwa gleichzeitig mit dem Aufkommen von Pegida lanciert und mit Thomas Jordan eingeführt worden ist, eher nicht. Aber Fakt ist: Am Ende herrschte in der Öffentlichkeit immer totale Synchronität, was das politisch-ideologische Begriffsinstrumentarium anbelangte, von Mörgeli über Koppel und Blocher und meist auch bis zu Somm.

Welche Chancen geben Sie Köppel?

Ich nehme an, dass er gewählt wird. Er wird einen guten Listenplatz von seinem Mentor geschenkt erhalten.

Aber er redet zu intellektuell. Er ist kein Blocher. Der einfache Büezer wird sich mit ihm nicht identifizieren.

Er kommt in SVP-Kreisen gut an. Das erlebe ich jeweils bei «Roger gegen Roger on Tour». Nein, ein Blocher ist er nicht. Aber er kann auch in diesem Bereich noch zulegen.

Inwiefern sind Sie für Köppels öffentliche Wirkung mitverantwortlich? Sie geben ihm ja mit Ihrem Radiostreit- und den Podiumsgesprächen wöchentlich eine Plattform.

Dafür bin ich oft heftig kritisiert worden. Aber es gibt doch nur zwei Möglichkeiten: Entweder man boykottiert die politischen Gegner oder man tritt mit ihnen in Dialog. Und ich finde, zu einer Demokratie gehört, dass man sich mit ihnen auseinandersetzt, wenn sie für die politische Debatte im Land intellektuell und rhetorisch etwas hergeben. Und das tut Köppel.

Und gute Quote macht er auch noch.

Das lässt sich ja beim Radio gar nicht so leicht messen. Sie schreiben ja auch permanent über Blocher.

Das ist nicht wahr. Welche Prognose stellen Sie dem angriffigen Energiebündel Köppel im behäbigen Berner Politbetrieb?

Er bringt sicher die Voraussetzungen mit, um etwas zu bewegen. Er ist eloquent, er ist intelligent und er konnte auf vielen Foren üben. Auch dank mir bei «Roger gegen Roger».

Wünschen Sie Köppel Glück?

Ich hoffe natürlich nicht, dass er seine politischen Ziele erreicht, denn es sind nicht meine. Aber ich finde es gut, dass er kandidiert. Ich bin froh, dass nun endlich Klarheit herrscht. Er kann nun nicht pausenlos seine symbolische Beziehung zu Blocher abstreiten wie bisher. Die «Weltwoche» ist jetzt offiziell das SVP-Parteiblatt.

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