Zwingen
Schatten über den Finanzen

Ein Blick in den Voranschlag 2010 genügt, um den ins Wanken gekommenen Finanzhaushalt von Zwingen zu beurteilen.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Jürg Jeanloz

Neue Birsbrücke erzürnt die Gemüter

Im Rahmen der Vorstellung der Investitionsprojekte von Zwingen kam Präsident Benno Jermann an der Gemeindeversammlung auch auf die neue Birsbrücke zu sprechen. Was schon länger bekannt ist, machte er nochmals deutlich: Die geplante Birsbrücke und die umgestaltete Ortsdurchfahrt wurden vom Baselbieter Regierungsrat zurückgestellt und wird frühestens 2015 realisiert sein. Viele Stimmberechtigten gaben ihrem Unmut Ausdruck und bezeichneten diesen Rückzieher als Frechheit. «Es kann doch nicht sein, dass grosse Sicherheitsbedenken bezüglich der Brücke geäussert werden und jetzt, wo das Geld fehlt, plötzlich alles wieder in Ordnung ist», meinte ein Zwingner. Die Experten hätten von Hohlräumen und Rostschäden an den Armierungen gesprochen und jetzt soll sie weitere fünf Jahre halten. «In Zwingen wird nicht ein Turnhallendach, sondern eine Brücke einstürzen», frotzelte ein Anderer.
In mehreren Voten wurde gefordert, dass die Brücke für Lastwagen mit 40 Tonnen gesperrt würde. Jermann wollte diese prüfenswerte Idee aufnehmen und die Baselbieter Regierung in einem Schreiben informieren. Zur Folge hätte diese Sperrung allerdings, dass sich der Schwerverkehr Richtung Breitenbach beim Bahnhof Laufen durchzwängen müsste. Ob die Verkehrsplaner und die Stadt Laufen mit einer solchen Lösung einverstanden wären, ist allerdings fraglich. Da wäre eine rasche Realisierung der neuen Brücke immer noch das bessere Rezept.(jjz)

Ein Blick in den Voranschlag 2010 genügt, um den ins Wanken gekommenen Finanzhaushalt von Zwingen zu beurteilen. Darin wird ein Aufwandüberschuss von 136 000 Franken ausgewiesen, obwohl Reserven für die Vorfinanzierung der «Dreifachturnhalle» in der Höhe von 300 000 Franken aufgelöst wurden und den budgetierten Abschluss um diesen Betrag noch verschlechtert hätten. Präsident Benno Jermann gab an der Gemeindeversammlung die Gründe bekannt: Mindererträge bei den Steuern wegen der Finanzkrise und der neuen Baselbieter Familienbesteuerung, Auswirkungen des neuen kantonalen Finanzausgleichs sowie viele anstehende Grossprojekte, die in den nächsten Jahren angepackt werden müssen.

Höhere Steuern

Benno Jermann verhehlte nicht, dass wahrscheinlich schon 2011 die Steuern erhöht werden müssen. Er stelle sich eine Erhöhung um sechs von 59 auf 65 Prozent vor. Eine weitere bittere Pille verabreichte Jermann mit der Wasserrechnung. Der Sanierungsbedarf der Wasserleitungen wird Investitionen erfordern, weshalb die verbrauchsabhängigen Wassergebühren ebenfalls erhöht werden müssen.

In den nächsten Jahren will der Gemeinderat folgende anspruchsvolle Projekte in Angriff nehmen: Für 2,48 Mio. Franken soll ein Doppel-Kindergarten am Kirchweg entstehen. Innerhalb eines Sportplatzkonzepts sollen die Plätze Grossmatt und Eichhölzli für 1,43 Mio. Franken saniert werden.

Der Umbau der Gemeindeverwaltung und die Sanierung der Heizungen der öffentlichen Bauten werden weitere 1,7 Mio. verschlingen. Sollte die neue Birsbrücke (siehe Kasten) realisiert werden, möchte der Gemeinderat den Löwenplatz und die Dorfstrasse neu gestalten und damit den Dorfkern von Zwingen aufwerten. Jermann machte klar, dass die Gemeinde unbedingt auf Vordermann gebracht werden müsse.

Aus dem Fünfjahresplan ging klar hervor, dass bereits 2010 2 Mio., 2011 3,4 Mio. und 2012 1,8 Mio. Franken investiert werden müssen. Nach einigen kritischen Voten segneten die Stimmberechtigtenden Voranschlag 2010 mit grosser Mehrheit ab.