Tierquälerei
Schafe misshandelt? Tierschützer zeigen Thurgauer Landwirt an

Nach dem Pferdeskandal von Hefenhofen, droht dem Thurgau ein neuer Fall von Tiermissbrauch. Der Verein gegen Tierfabriken (VgT) hat Strafanzeige gegen einen Schafhalter aus Herrenhof eingereicht. Das Veterinäramt und die Staatsanwaltschaft untersuchen den Fall gemeinsam.

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Ein Bauer steht im Verdacht, Schafe misshandelt zu haben. Er dementiert den Vorwurf. (Symbolbild)

Ein Bauer steht im Verdacht, Schafe misshandelt zu haben. Er dementiert den Vorwurf. (Symbolbild)

Keystone

Ein Video zeigt einen Bauern im Stall, der Schafe an den Beinen packt und sie vom einen zu anderen Ort wirft. Auch soll er die Schafe schlagen, heisst es in einer Mitteilung des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) Schweiz. Der Thurgauer Tierschützer Erwin Kessler schildert, dass die Schafe zum Teil mit Tritten und einem Knüppel misshandelt werden.

Auf Anfrage von FM1Today verteidigt sich der Bauer: Er sei gerade dabei gewesen, die Schafe in einen Anhänger einzuladen. Das Video sei in einem ungünstigen Moment entstanden und stamme vermutlich von einem Nachbarn, der wütend auf ihn sei.

Heftige Reaktionen bei Facebook

Der Verein gegen Tierfabriken hat das Video auf Facebook gepostet. Am Dienstagmittag hat das Posting bereits über 200 wütende Kommentare und wurde 600 Mal geteilt. Dabei wird der Landwirt und seine Familie heftig beschimpft.

Gemäss Staatsanwaltschaft geht die Art und Weise der Veröffentlichung des Falles durch den VGT zu weit. Selbstjustiz in Form von öffentlichen Beiträgen schade häufig mehr als sie nütze, da die Ämter dann schlechter verdeckt ermitteln können.

Videomaterial wird geprüft

Der Verein gegen Tierfabriken hat den Landwirten angezeigt. Ein Sprecher der Thurgauer Staatsanwaltschaft bestätigt, dass eine entsprechende Anzeige eingegangen sei. Sie stelle gemeinsam mit dem Veterinäramt weitere Untersuchungen an. Mehr könne die Staatsanwaltschaft zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Geklärt werden müsse unter anderem die Echtheit des Videos und wie legal die Aufnahmen beschafft wurden.

Die Strafanzeige des Vereins gegen Tierfabriken VgT ist am 15. Oktober 2018 bei der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen eingereicht worden. Das Veterinäramt hat die entsprechende Mitteilung als tierschutzrechtliche Anzeige entgegengenommen. Wobei die eingereichten Unterlagen beim Veterinäramt völlig unzureichend waren. Der VgT wurde seitens des Amtes noch gleichentags aufgefordert, die fehlenden Unterlagen nachzureichen.

Bislang keine Beanstandungen

Die Tierhaltung des betroffenen Landwirtes hat nach bisherigen internen Abklärungen bis dato zu keinerlei tierschutzrechtlichen Beanstandungen geführt. Das Veterinäramt des Kantons Thurgau hat im Frühjahr 2018 den Neubau des Schafstalls tierschutzrechtlich abgenommen. Auch diese Abnahme gab zu keinen Beanstandungen Anlass. Der VgT fordert vom Veterinäramt, unverzüglich ein sofortiges Tierhalteverbot zu erlassen und die Tiere zu beschlagnahmen.

Welche Massnahmen sachlich geboten und verhältnismässig sind, werden die anstehenden Untersuchungen zeigen müssen. Diese werden in Zusammenarbeit von Staatsanwaltschaft und Veterinäramt geführt.