Lokführermangel

SBB streichen immer mehr Zugverbindungen – nun wird die Aufsicht aktiv

200 von 9000 Verbindungen täglich müssen die SBB streichen weil sie zu wenige Lockführer haben. (Symbolbild)

200 von 9000 Verbindungen täglich müssen die SBB streichen weil sie zu wenige Lockführer haben. (Symbolbild)

Weil der SBB wegen falscher Personalplanung Lokführer fehlen, streicht die Bahn immer mehr Zugverbindungen. Nun interveniert die Aufsicht. Auch die Kantone wollen sich wehren.

(sat) Nach dem Lockdown haben die SBB mehrere Verbindungen gar nicht mehr aufgenommen. Weil sich die Personalsituation bei der Bahn inzwischen weiter verschärft hat, werden nun immer noch mehr Verbindungen vorab auf S-Bahn-Strecken in der Deutsch- und Westschweiz durch Busse ersetzt. Oder gleich ganz gestrichen. Ab dem 7. September wird dies auch für den frühmorgendlichen Interregio zwischen Basel und dem Flughafen Zürich gelten. Der sogenannte «Flugzug» entfällt ersatzlos, wie am Donnerstag bekannt wurde.

Das passt dem Bund gar nicht. «Solch eine Ausdünnung des Fahrplans ist für uns nicht akzeptabel», sagt Michael Müller am Freitag zu Radio SRF. Wie der Sprecher des Bundesamts für Verkehr (BAV) ausführt, hat die Aufsicht bei der SBB deswegen schriftlich interveniert. «Diesem Vorgehen können wir nicht zustimmen», zitiert SRF aus einem Brief von BAV-Direktor Peter Füglistaler an die SBB. Laut BAV-Sprecher Müller waren die gestrichenen Zugverbindungen auch schon Thema bei regelmässigen Gesprächen mit der SBB. Dabei sei ebenfalls das «Unbehagen deutlich gemacht» worden. Laut SRF ist der Bund überdies nicht gewillt, bei Regionallinien, an deren Kosten er sich beteiligt, für einen Busersatz zu bezahlen. Das sei Sache der SBB.

200 von 9000 Verbindungen entfallen bis Ende Jahr

Kritik an der SBB üben derweil auch die Kantone. «Wenn die SBB diese Leistungen einseitig einstellt, stellt sich schon die Frage, ob es da von den Bestellern keine Haftungsansprüche gibt», sagt Hans-Peter Wessels zu SRF. Der Basler Verkehrsdirektor und Präsident der Konferenz der kantonalen Verkehrsdirektoren will diese Frage nun abklären.

Die SBB wiederum beteuern seit Monaten, die Coronakrise habe die eigene Fehlplanung nun leider noch verschärft. Dies weil sich die Ausbildung neuer Lokführerinnen und Lokführer nun verzögere. Die Bahn verspricht jedoch, dem Problem auf den Grund zu gehen: «Zusätzlich haben wir eine interne Revision angeordnet«, verspricht eine Sprecherin gegenüber SRF. Dies mit dem Fokus, «aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und in Zukunft zu vermeiden.» Bis Ende Jahr jedoch dürfte das Angebot der SBB ausgedünnt bleiben. Konkret: um 200 von 9000 täglichen Verbindungen.

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