Die Firma Jaisli-Xamax mit Hauptsitz in Dietikon und Niederlassungen in Basel und Bern ist stolz auf ihre Beziehung zu den SBB. In einer Broschüre schreibt sie: «Wir haben bereits viel Erfahrung mit Projekten der Schweizerischen Bundesbahnen.» Sie hebt den Prestigeauftrag «SBB Wankdorf» hervor, den Neubau des Verwaltungszentrums, bei dem sie sämtliche Elektroinstallationen ausführen durfte.

Von 2008 bis 2012 machte die Firma sieben Prozent ihres Umsatzes, der inzwischen 70 Millionen Franken beträgt, mit den SBB. Die Geschäfte mit dem Staatsbetrieb liefen überdurchschnittlich gut. Die Firma erzielte bei den SBB-Projekten eine Marge von 13 Prozent. Bei den übrigen Geschäften betrug diese nur 5 Prozent.

Die Bundesanwaltschaft hat eine Erklärung für die ungewöhnlichen Erträge: Drei Manager der Elektrofirma sollen einen SBB-Mitarbeiter mit Deals im Wert von 400 000 Franken bestochen haben. Drei Viertel aller SBB-Geschäfte von Jaisli-Xamax sollen betroffen sein.

Am Dienstag steht das Quartett vor dem Bundesstrafgericht. Die Anklageschrift beschreibt, wie die Korruption abgelaufen sein soll. Der Jaisli-Xamax-Chef soll dem SBB-Mitarbeiter, der als Projektleiter für die Vergabe von Aufträgen für Elektroinfrastruktur zuständig war, seine Offerten regelmässig vor der Einreichung zur Ansicht zugestellt haben.

Der SBB-Mann soll ihm dann jeweils mitgeteilt haben, ob er das SBB-Budget mit den angegebenen Kosten schon ausgeschöpft habe oder ob er zum Beispiel auch 12 000 statt 10 000 Franken für einen Auftrag verlangen könnte. Der Elektrounternehmer soll im Gegenzug auf einem A4-Notizblatt eine «Kasse» für seinen SBB-Kompagnon geführt haben, auf dem er die Zusatzeinnahmen protokollierte.

Über dieses Guthaben soll der SBB-Mann Unterhaltungselektronik für den privaten Gebrauch bestellt haben. Seine Einkaufsliste umfasst in der Anklageschrift sechs A4-Seiten und enthält Dutzende Druckerpatronen, iPhones und iPads, Computer und Kameras. Für sein Privathaus soll er zudem eine Photovoltaik-Anlage und für seine Garage einen Mercedes zu Spezialkonditionen erhalten haben. Auch der Schwager des Bähnlers soll in den Genuss eines «Dienstwagens» mit Flottenrabatt gekommen sein.

Die Männerfreundschaft verlief allerdings nicht immer reibungslos. 2013 schickte der Jaisli-Xamax-Chef seinem SBB-Vertrauten gemäss Anklage eine Beschwerde. Er soll sich beklagt haben, dass sich die SBB erdreistet hätten, einen Auftrag statt an ihn an einen seiner ehemaligen Mitarbeiter vergeben zu haben. Der SBB-Projektleiter antwortete von seiner privaten E-Mail-Adresse, dass die Jaisli-Xamax AG seit mehr als zehn Jahren zuoberst auf seiner Liste stünde und dies auch so bleiben werde.

Prämierte Vorzeigefirma

Für sich selber soll der SBB-Mann zudem ein noch lukrativeres Geschäftsmodell aufgebaut haben: 604 Aufträge im Wert von vier Millionen Franken soll er an eine Tarnfirma vergeben haben. Die Aufträge sollen entweder nicht oder vom SBB-Mann selber ausgeführt worden sein. So zeichnete er etwa in seiner Freizeit Pläne für Elektroschemas.

Der SBB-Mitarbeiter hat inzwischen einen neuen Job bei einer Elektrotechnikfirma. Er will sich nicht äussern. Auch der Jaisli-Xamax-Chef lässt über seinen Anwalt mitteilen, dass er keine Stellung nehme. Er sucht die Öffentlichkeit bei anderer Gelegenheit. 2012 verkündete er, dass er von Ernst & Young zum Schweizer Unternehmer des Jahres nominiert worden sei. Zum Sieg habe es aber leider nicht gereicht.