Bundesstrafgericht
SBB-Mann liess sich von Elektrofirma bestechen – nun wurde er verurteilt

Ein SBB-Projektleiter, der sich mit lukrativen Deals bestechen liess, wurde in Bellinzona verurteilt. Auch die Manager einer Elektrofirma aus Dietikon werden vom Bundesstrafgericht zur Kasse gebeten.

Andreas Maurer, Bellinzona
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Das Bundesstrafgericht sprach den angeklagten Ex-Kader der Bank of America in fast allen Punkten frei - und erhielt stattdessen eine Entschädigung von 336'000 Franken für seine Anwaltskosten. (Symbolbild)

Das Bundesstrafgericht sprach den angeklagten Ex-Kader der Bank of America in fast allen Punkten frei - und erhielt stattdessen eine Entschädigung von 336'000 Franken für seine Anwaltskosten. (Symbolbild)

Keystone/KEYSTONE/TI-PRESS/TATIANA SCOLARI

Die SBB erschweren die Durchführung eines Korruptionsprozesses gegen einen ehemaligen SBB-Projektleiter am Bundesstrafgericht. Die Parteien kommen verspätet zur Urteilsverkündigung, weil die Züge auf der Gotthardstrecke stecken geblieben sind.

Zuvor bei der Befragung tauchten Zeugen der SBB nicht auf, weil die Einladung in der SBB-internen Post irgendwo stecken geblieben war. Der vorsitzende Richter Daniel Kipfer (Grüne) erwähnt die Fahrleitungsstörung bei der Urteilseröffnung: «Ich hoffe, das ist kein schlechtes Omen.»

Die SBB kommen auch im Urteil schlecht weg. Elf Jahre lang bemerkte beim Bundesbetrieb niemand, dass der heute 56-jährige Zürcher in die eigene Tasche gewirtschaftet hat. Er vergab 604 Aufträge an Scheinfirmen und führte sie teilweise selber und teilweise gar nicht aus.

Zudem liess er sich vom Geschäftsführer und einem Abteilungsleiter einer Limmattaler Elektrofirma bestechen. Die Manager schickten ihm Offerten zur Voransicht, um zu erfahren, ob sie das SBB-Budget ausgeschöpft hatten. Danach reichten sie überteuerte Offerten ein und beschafften mit dem Gewinn Geschenke für ihren Freund bei den SBB.

Dieser wusste, dass seine Vergaben von seinen Vorgesetzten nur visiert, aber nicht überprüft wurden. Kipfer: «Er war kreativ beim Entwickeln neuer Geschäftsmodelle und wurde immer gieriger und dreister.»

Der Richter kommentiert auch die Rolle des Bundesbetriebs: «Von den SBB hätte man mehr erwarten dürfen bei der Corporate Governance.» Die SBB lassen verlauten, dass sie bei der Umsetzung dieser sogenannten Grundsätze der Unternehmensführung Massnahmen getroffen hätten.

Der Ex-SBB-Mitarbeiter muss dem Bund eine Million Franken zahlen und ein Jahr ins Gefängnis gehen. Er hofft, dass ihm Halbgefangenschaft gewährt wird. Auf Bewährung erhält er zudem eine zweijährige Freiheits- sowie eine Geldstrafe. Der Mann, der von seiner Familie vor Gericht begleitet wurde, hat vor allem einen Wunsch: dass nun alles möglichst schnell vorbei geht.

Er gestand deshalb sogar mehr, als er getan hatte, und nickte eine Liste mit Vorwürfen einfach ab. Da das Gericht dies bemerkte, reduzierte es den berechneten Schaden und die beantragten Strafen. Einige Delikte sind zudem verjährt.

Auch die Manager der Elektrofirma wollen die Sache möglichst schnell vergessen. Sie müssen sich an einer Schadenersatzzahlung von 180 000 Franken an die SBB beteiligen, kommen aber mit bedingten Geldstrafen davon. Schweigend huschen sie aus dem Gericht.

Pünktlich für die Heimfahrt öffnen die SBB den Gotthard wieder.