SBB

SBB-Chef Meyer über Bombardier-Pannenzüge: «Man sieht sie auf den Abstellgleisen»

Die SBB wissen länger als bislang bekannt, dass es beim Pannenzug Dosto von der Firma Bombardier zu Verzögerungen kommen wird. Im Interview mit SRF zählt SBB-Chef Andreas Meyer eine ganze Reihe von Punkten auf, die schief gelaufen sind.

Was passiert, wenn die neuen Züge nicht rechtzeitig für die SBB-Passagiere bereit stehen? SBB-Chef Andreas Meyer macht klar: «Darüber will ich gar nicht spekulieren und nachdenken. Wir wollen, dass die Züge auf den nächsten Fahrplanwechsel hin einsatzbereit sind.» Das sagt er gegenüber SRF

Meyer gibt sich überzeugt, dass die «FV-Dosto»-Züge von Bombardier im Dezember bereit sein werden. Doch die Aussichten sprechen eher dagegen.

Es geht um den Pannenzug Dosto des Herstellers Bombardier. Ein einziges Ärgernis bislang - für Bund, SBB und wohl auch für die Passagiere, die mit den ersten einsatzbereiten Zügen Verspätungen hinnehmen mussten.

Bislang haben viele Konstruktionsfehler die Auslieferung und Inbetriebsetzung der ganzen Zug-Flotte verhindert. Laut Meyer haben «die Komponenten nicht zusammengepasst», weil die Fertigung auf verschiedene Werke verteilt war. Bombardier hat in den letzten neun Jahren keine Frist eingehalten. 

Bestellt sind ursprünglich 59 Züge in der Ausstattung Eurocity und Interregio. Wegen der Lieferverzögerungen entschädigt Bombardier die SBB mit drei weiteren Zügen mit Namen «FV Dosto». «Dosto» steht übrigens für Doppelstockwagen. Die Bestellung erfolgte im Jahre 2010. Mit 1,9 Milliarden Franken ist der Auftrag der teuerste in der SBB-Geschichte. Die Auslieferung war für 2013 bis 2019 vorgesehen. Doch der erste Zug hatte seine Jungfernfahrt am 26. Februar 2018.

Meyer zeigt sich im Interview auch selbstkritisch. Die SBB habe zur Verzögerung beigetragen, indem sie Kunden eingeladen habe, sich die Modell-Züge anzuschauen und Wünsche anzubringen. Auch das Reinigungspersonal habe sich eingebracht, letztlich die Behindertenverbände.

Einen jahrelangen Aufschub will Meyer nicht mehr hinnehmen: «Wir wollen, dass die Züge auf den nächsten Fahrplanwechsel hin einsatzbereit sind.» Das wäre im kommenden Dezember.

Eine Expertise kam bereits damals zu dem Schluss, Bombardier wolle den Auftrag "wirtschaftlich positiv" abschliessen und werde deshalb in den Verhandlungen der restlichen Laufzeit keine Einsicht und kein Entgegenkommen zeigen. Es brauche ein Ausstiegsszenario, so die damalige Einschätzung der Experten.

Aber ein Ausstiegsszenario gibt es laut Meyer nicht: «Die Züge stehen da, es sind bereits 39 Züge, die gefertigt sind. Man sieht sie auf den Abstellgleisen. Wir wollen nicht aussteigen, wir können nicht aussteigen. Das wäre ein Fiasko für Bombardier, aber auch für die SBB.»

Dabei zeigt sich ein grundsätzliches Dilemma, in dem die SBB lediglich auf das Prinzip Hoffnung setzen: Es gibt heute weniger denn je ein Ausstiegsszenario, der Prozess ist zu weit fortgeschritten. (jk/sda)

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1