Couchepin

Sanfte Medizin: Sieger geben Gas

Für Bundesrat Pascal Couchepin hat sich die Ausgangslage zur Beurteilung der Konplementärmedizin nicht verändert.

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Für Bundesrat Pascal Couchepin hat sich die Ausgangslage zur Beurteilung der Konplementärmedizin nicht verändert.

Nach dem deutlichen Ja an der Urne soll die Komplementärmedizin rasch wieder in den Grundversicherungskatalog aufgenommen werden. Doch Gesundheitsminister Couchepin scheint es nicht allzu eilig zu haben.

Simon Fischer, Hans-Peter Wäfler

Zumindest gegen aussen zeigte sich Gesundheitsminister Pascal Couchepin gestern vor den Medien in Bern wenig beeindruckt vom deutlichen Ja des Stimmvolks zur Komplementärmedizin. Die Ausgangslage habe sich nicht verändert, denn die gesetzlichen Regeln für die Aufnahme von komplementärmedizinischen Methoden in die Grundversicherung seien immer noch die gleichen. Gemäss Couchepin haben die betroffenen Fachgesellschaften bis Ende Oktober Zeit, den Nachweis zu erbringen, dass die jeweilige Methode den Anforderungen betreffend Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit genügt. Unmittelbar danach beginne eine Expertenkommission mit der Prüfung der Gesuche. «Diese dürfte aber längere Zeit dauern», so Couchepin.

Parlamentariergruppe hat sich formiert

Bei den Befürwortern sieht man solche Äusserungen als reine Verzögerungstaktik. Um die fünf Methoden Homöopathie, Anthroposophische Medizin, Phytotherapie, Traditionelle Chinesische Medizin und Neuraltherapie bald wieder in die Grundversicherung aufzunehmen, hat sich bereits eine über 30 Mitglieder zählende parlamentarische Gruppe Komplementärmedizin gebildet. Ihr Co-Präsident, der Solothurner FDPStänderat Rolf Büttiker, erklärt: «Wenn das Volk Druck macht, muss das Parlament diesen Druck aufnehmen und die Kräfte bündeln. » Und: «Couchepin muss sich bewegen, sonst müssen wir ihn bewegen.»

Walter Stüdeli, Geschäftsführer des Verbands für Komplementärmedizinische Heilmittel (SVKH), geht gar noch weiter: «Eine Chance auf Erfolg haben wir aber wohl nur, wenn Couchepin nicht mehr Gesundheitsminister ist.» Beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), das Couchepin unterstellt ist, stellt man jedoch klar, jetzt seien die Fachgesellschaften am Zug. «Nur wenn es neue Belege für die Wirksamkeit gibt, haben Gesuche überhaupt eine Chance, angenommen zu werden », sagt BAG-Sprecherin Mona Neidhart. Ansonsten bleibe es bei der Beurteilung des Jahres 2005 - als Couchepin die alternativen Behandlungsmethoden aus dem Grundversicherungskatalog strich.

Gesetzesänderung als Plan B

Die Berner SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga ist aber zuversichtlich, dass die Wirksamkeit problemlos bewiesen werden kann. Mittlerweile gebe es neue Studien, die es verdient hätten, nach den gleichen Kriterien wie schulmedizinische Methoden geprüft zu werden: «Alles andere wäre ein Affront gegenüber dem Stimmvolk.» Für den Fall, dass die neuen Gesuche abgelehnt werden, gibt es einen Plan B: Das Parlament könnte Artikel 32 des Krankenversicherungsgesetzes ändern und dort direkt festschreiben, welche alternativen Heilmethoden kassenpflichtig werden sollen. SVKH-Geschäftsführer Stüdeli rechnet aber damit, dass dies länger dauern würde als das anlaufende Gesuchsverfahren. Zudem gibt er zu bedenken: «Es ist nicht sicher, ob eine solche Änderung des Krankenversicherungsgesetzes im Parlament mehrheitsfähig ist.»

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