Sandkasten
Sandburgen ja, Tannen nein

Kontroverse um die Nutzung des öffentlichen Raumes in der Aarauer Innenstadt: In der Aarauer Altstadt wird scheinbar bei der Nutzung des öffentlichen Raumes mit veschiedenen Ellen gemessen. Oder doch nur Äpfel mit Birnen verglichen?

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Sandkasten bei der Garage

Sandkasten bei der Garage

Zur Verfügung gestellt

Raphaela Gysi

Wer möchte nicht gern «es Läbe lang sändele»?

Auf dem Kirchplatz in Aarau werden Städte und Schlachten aus Sand nachgestellt. Bei der Bar Garage in der Aarauer Altstadt ist ein Monat lang ein grosser Sandkasten aufgebaut. Was anderen Beizern ein Dorn im Auge ist, scheint ein Erfolgsprojekt zu werden. Der 20 Quadratmeter grosse Sandkasten soll Begegnungsort für gross und klein sein. Wenzel A. Haller von der Garage bezeichnet das Projekt auch als Kunstprojekt. «Alle haben wir Erinnerungen an mühsam erbaute Sandburgen oder gebackene Sandkuchen. Aber auch im übertragenen Sinn wird ‹Sandkasten› beispielsweise in der Politik angewandt», sagt Haller. Der Sandkasten findet auch in der modernen Psychotherapie Verwendung. Die Sandkastentherapie wurde von der Schweizerin Dora M. Kalff auf der Grundlage der Analytischen Psychologie von C.G. Jung entwickelt. Am 29. Juli wird der Film «Sandkasten und Psychotherapie» gezeigt, im Anschluss beantwortet die Psychotherapeutin B. Ter Wisch Fragen. Geplant sind weitere Events, wie eine Lesung aus dem Buch «Es Läbe lang sändele» oder eine Nachstellung einer historischen Schlacht unter fachkundiger Anleitung. Wie die 20 Tonnen Sand nach Projektende an die Aare kommen, weiss Haller noch nicht. Sandkasten: 6. Juli bis 7. August
www.garasche.ch. (rgy)

Die Gastrobetriebe der Aarauer Altstadt verlagern bei Schönwetter ihren Betrieb nach draussen. Seit die Altstadt verkehrsberuhigt ist, werden die Plätze vor den Beizen zur Visitenkarte der Restaurants. Jeder gestaltet den Aussenplatz nach eigenem Gusto, manchmal mit mehr Geschmack, manchmal mit weniger Flair fürs Visuelle. Sind all die Buchspflanzen, Palmen und farbigen Stühle auch legal?

Keine Spur von einheitlichen Farben

Dass ein Restaurant nicht gelbe «Nestea»-Schirme vor dem Lokal aufstellen darf, erscheint noch nachvollziehbar. Aber wie wird ein 20 Quadratmeter-Sandkasten gehandhabt? Beinahe etwas neidisch schauen, die andern Altstadtbeizer auf den Kirchplatz, wo im Moment vor der szenigen Bar «Garage» ein solcher steht. Die Stühle aus der Brocki haben alle Farben, nur keine einheitliche. Zugegeben, die Idee mit dem Sandkasten für gross und klein, ist innovativ und vielversprechend. Laut Wenzel Haller von der «Garage», zieht der Sandkasten nicht nur Eltern mit ihren Kindern an.

Haller hat die Bewilligung dafür erhalten und bezahlt auch einen üblichen Mietzins für den beanspruchten Platz. Eine Bewilligung für einen Sandkasten auf einem freien Platz kann nicht verglichen werden mit der für Jungtannen in Kübeln, wie sie vor dem «Platzhirsch» noch stehen, auch das erscheint logisch. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass nicht alle Betriebe gleich behandelt werden. Die Tannen würden das Bild vom Ratshaus stören, wurde dem Besitzer des «Platzhirsches», Remo Dössegger von Hans Umbricht, Leiter der Gewerbepolizei, mitgeteilt. «Bewilligungen, die das Mobiliar und die Begrünung betreffen, werden sowieso beim Stadtbauamt diskutiert» so Umbricht.

Palmen oder heimische Hölzer?

«Andere wie Liz&Chrege oder das Gossip haben Palmen, Schilf und andere nicht heimische Pflanzen vor dem Lokal stehen. Beim «Platzhirsch» stehen zumindest einheimische Nadelhölzer. Wo wird der Massstab angesetzt?» fragt Dössegger. Das Reglement über die Nutzung des öffentlichen Raums in der Innenstadt, sollte klar verständlich sein und für alle gleich gelten. Sollte man meinen. Etwas mehr Farbe würde der Innenstadt nicht schaden, vielleicht auch etwas mehr Nachsicht mit Lokalen.

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