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«Sakines Steinigung muss verhindert werden»

Eine Frau demonstriert gegen die Steinigung

«Sakines Steinigung muss verhindert werden»

Eine Frau demonstriert gegen die Steinigung

Die linksliberale Pariser Zeitung «Libération» fordert eine internationale Mobilisierung gegen die drohende Steinigung einer zum Tode verurteilten Iranerin.

Christian Nünlist

17 namhafte Künstler, Schauspieler und Politiker veröffentlichten gestern einen Appell zur Freilassung der zum Tode verurteilten Iranerin Sakine Mohammadi Aschtiani. Der Text mit dem Titel «Die Steinigung von Sakine muss verhindert werden» erschien auf der Front der Zeitung «Libération». «Nichts ist schlimmer als Schweigen», kritisierten die Unterzeichner, darunter Nobelpreisträger und Hollywoodstars.

Der Fall der 43-jährigen Mutter zweier Kinder bewegt die Weltöffentlichkeit seit Wochen. Sakine war 2006 wegen «unerlaubter Beziehungen» ausserhalb der Ehe von einem Gericht in Tabriz zu 99 Peitschenhieben verurteilt worden. Nach der Züchtigung wurde das Verfahren neu aufgerollt – jetzt lautete die Anklage auf Ehebruch, das Urteil auf Tod durch Steinigung. Kurz vor der barbarischen Hinrichtung machte ihr bloggender Anwalt auf ihr Schicksal aufmerksam.

Weltweiter Protest

Fast 150000 Menschen unterzeichneten in der Folge eine Petition gegen Sakines Verurteilung und protestierten damit gegen die rückständige Gesetzgebung in Iran. Angesichts der weltweiten Proteste entschied das iranische Regime im Juli, das Urteil zu revidieren. Sakine soll nun am Galgen sterben statt unter dem Steinehagel.

Nun soll die internationale Kampagne das Regime in Teheran von der Vollstreckung des Urteils abbringen. Nur der oberste geistliche Führer, Ali Chamenei, kann Sakine begnadigen. Der Fall illustriert die Willkür der iranischen Justiz. Laut iranischem Recht darf eine Frau nur gesteinigt werden, wenn sie während ihrer Ehe mit einem anderen Mann Sex hatte. Muslime müssten den Geschlechtsakt vor Gericht bezeugen.

Solche Aussagen lagen bei Sakine nur für eine Beziehung vor, als sie bereits Witwe war. Ihr Mann war 2005 unter mysteriösen Umständen gestorben. Drei der fünf Richter von Tabriz argumentierten jedoch, ihre «Intuition» sage ihnen, dass die Angeklagte schon vor dem Tod ihres Mannes sexuelle Beziehungen mit dem anderen Mann hatte.

Patriarchale Richter

In der Praxis werden in Iran viel mehr Frauen als Männer wegen Ehebruch verurteilt, weil die männlichen Richter meistens die Seite des Ehemanns ergreifen. Auch wenn das Verdikt vollzogen wird, ist sie für Frauen fast immer tödlich, da sie bis zum Hals eingegraben werden. Männer haben hingegen eine valable Überlebenschance. Sie werden bis zur Taille eingegraben und werden laufen gelassen, wenn es ihnen gelingt, sich während der Steinigung selbst zu befreien. In einem Interview mit dem «Guardian» klagte Sakine kürzlich: «Ein Ehebrecher muss nicht einmal ins Gefängnis, aber eine Ehebrecherin bedeutet das Ende der Welt.»

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